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Finanzprodukte für jedermann (7) : ETF geben keine Antwort auf die großen Fragen der Anleger

Börsennotierte Indexfonds versuchen den Vergleichsindex genau abzubilden, zum Beispiel den Dax. Bild: dpa

Börsengehandelte Indexfonds (ETF) haben ein rasantes Wachstum hinter sich. Doch viele private Anleger sind mit diesen Produkten überfordert. Denn die Entscheidung, wie er sein Vermögen auf verschiedene Anlageklassen aufteilen soll, nehmen diese Produkte ihm nicht ab.

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          Die Deutsche Bank hat einen neuen Star in ihrem Kapitalmarktgeschäft. Thorsten Michalik heißt der Mann, und er ist kein Investmentbanker im klassischen Sinn. Michalik leitet DB X-Trackers, das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds. In Finanzkreisen werden diese am liebsten ETF genannt. Das Kürzel steht für Exchange Traded Funds, und dieses Geschäftsfeld ist eines der schnellstwachsenden im großen Reich der Deutschen Bank.

          ETF kommen aus der Welt der Investmentfonds. Sie sollten den Anlegern ursprünglich einen kostengünstigen Zugang zu den Aktienmärkten ermöglichen. Und sie waren von Anfang an eine Kampfansage an klassische Investmentfonds. 1970 brachte die amerikanische Vermögensverwaltung State Street Global Advisors einen ETF auf den Aktienindex S&P 500 auf den Markt. Standard & Poor's Depositary Receipt oder kurz SPDR S&P 500 heißt das Produkt, das die Börsenfachleute mit dem ihnen eigenen Humor in „Spider“, Spinne, umbenannt haben. Der SPDR ist heute noch mit einer Marktkapitalisierung von zuletzt 92 Milliarden Dollar der größte ETF der Welt.

          Sinnbild der Kapitulation vor dem Durchschnitt

          Klassische Investmentfonds traten mit dem Anspruch an, dass erfahrene Fondsmanager einen höheren Ertrag aus den Finanzmärkten herausholen können als normale Anleger und vor allem besser als ein Vergleichsindex abschneiden. Ein Fondsmanager auf deutsche Standardwerte ließ sich immer dann feiern, wenn er besser abschnitt als beispielsweise der Dax.

          Bild: F.A.Z.

          Alles Humbug, lautet die Antwort der ETF-Branche auf diesen Anspruch. Kein Fondsmanager schaffe es auf Dauer, den Vergleichsindex zu schlagen. Sie konzipierten Produkte, die möglichst genau den Vergleichsindex abbilden, nicht mehr und nicht weniger. Ein ETF gilt dann als erfolgreich, wenn er eine geringe Abweichung aufweist - „Tracking Error“ nennen die Fachleute diese.

          Nicht schlechter, aber billiger

          Dafür liegen die Kosten eines ETF empfindlich unter denen eines Investmentfonds. Das zeigt ein Beispiel aus dem deutschen Sparkassenwesen: Der Deka-Fonds CF, ein Klassiker unter den auf Deutschland spezialisierten Aktienfonds, kostet den Anleger Jahr für Jahr eine Verwaltungsvergütung von 1,25 Prozent plus eine Kostenpauschale von 0,18 Prozent plus eine erfolgsbezogene Vergütung von 0,84 Prozent und schließlich noch einen einmalig zu zahlenden Ausgabeaufschlag von 5,26 Prozent.

          Ganz anders rechnet ETF Lab, der Anbieter börsengehandelter Indexfonds der deutschen Sparkassen: Dort zahlt der Anleger für den mit dem Deka-Fonds CF vergleichbaren ETF Lab Dax nicht mehr als eine Verwaltungsgebühr von 0,15 Prozent jährlich. Hinzu kommen nur die Gebühren, die eventuell die Sparkasse, der Online-Broker oder die Bank für Wertpapieraufträge erheben. Weitere Nebenbedingungen, Sternchen mit verklausulierten Hinweisen auf Kleingedrucktes gibt es dort nicht.

          Zudem schneidet der Deka-Fonds CF nicht besser ab als sein ETF-Konkurrent: Im laufenden Jahr hat der Deka-Fonds CF - vor Kosten wohlgemerkt - 17,7 Prozent an Wert verloren, der ETF Lab Dax 14 Prozent. Auf ein Jahr gesehen liegt der Deka-Fonds CF 4 Prozent im Minus, der ETF Lab Dax hat 4,2 Prozent an Wert verloren. Berücksichtigt der Anleger dann noch die Kosten für seinen Aktienfonds, sieht die Rechnung für den Deka-Fonds CF noch schlechter aus. Eine klare Sache also?

          Keine Antwort auf die großen Anlagefragen

          Das Votum der Anleger fällt eindeutig aus. In den vergangenen zehn Jahren stieg das Vermögen, das Investoren rund um den Erdball in ETF anlegten, rasant. 2001 waren es nach Zahlen der Fondsgesellschaft Blackrock, die über ihre Einheit iShares im ETF-Geschäft aktiv ist, gerade einmal 105 Milliarden Dollar. 1443 Milliarden Dollar hatten die Anleger Ende Juli dieses Jahres in rund 2800 ETF angelegt.

          So sinnvoll ETF auch sein mögen: Fraglich ist, ob sie tatsächlich dem privaten Anleger nutzen. Bisher haben vor allem institutionelle Anleger - Versicherer, Altersvorsorgeeinrichtungen, Banken - die kostengünstige Variante für sich entdeckt, denn die großen Entscheidungen treffen sie selbst: Sind jetzt Aktien oder Anleihen besser? Sollen wir in Schwellenländer investieren oder doch besser in amerikanische Biotechnologie-Aktien? Wie können wir am besten an den Chancen auf den Rohstoffmärkten teilhaben?

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