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Finanzkrisen : Die große Krisengrafik

Ob Staatsbankrott, Bankenzusammenbruch oder Hyperinflation: Krisen gehören zum Kapitalismus wie ein Gewitter zum Sommer. Das zeigen unsere Grafiken - mit den Finanzkrisen der vergangenen 200 Jahre.

          7 Min.

          Unter uns leben noch Zeitzeugen, die auf deutschem Boden sechs Währungen erlebt haben: Von der alten Mark über die Rentenmark zur Reichsmark, weiter zur Ostmark über die D-Mark bis hin zum Euro. Im Schnitt alle 15 Jahre bekamen diese Deutschen ein neues Zahlungsmittel zur Verfügung gestellt.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Jede Währungsumstellung, abgesehen von der jüngsten auf den Euro, war mit großen Wirtschaftskrisen und gewaltigen sozialen und politischen Verwerfungen verbunden. Und die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Heute ist noch unklar, in welcher Währung die Beerdigungskosten dieser Zeitzeugen beglichen wird.

          Die historische Perspektive zeigt auf eine schockierende Weise: Die Haltbarkeit von Währungen ist eine Illusion. Verblüfft sind übrigens die Zeitzeugen selbst über die Häufigkeit der Währungsumstellungen. Sie hatten es vergessen.

          Ewige Unruhe

          Die amerikanischen Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff zeigen in ihrer bahnbrechenden Studie „Diesmal ist alles anders - Acht Jahrhunderte Finanzkrisen“, dass die Stabilität von Währungen, Banken und Staaten eine Illusion ist. Irgendein Land und oft eine Reihe von Ländern war immer gerade in einer Krise in den vergangenen beiden Jahrhunderten: Es brechen Banken zusammen, es herrscht Hyperinflation, die Währung kollabiert, der ganze Staat meldet Bankrott an und nicht selten passiert alles zusammen.

          Die zerklüfteten mehrfarbigen Gebirge in unseren Grafiken, die auf einem Poster basieren und auf der Reinhart/Rogoff-Studie beruhen, zeigen vor allem eines: ewige Unruhe. 200 Jahre Weltwirtschaftsgeschichte, die hier dargestellt werden, sind eben auch 200 Jahre Wirtschaftskrisen.

          Krisen treten heute global gleichzeitig auf

          Hohe Berge bedeuten, dass große wirtschaftsstarke oder besonders viele Länder von Krisen durchgeschüttelt wurden. In die schlimmsten Krisen der zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sind Länder involviert, die 80 Prozent der Weltwirtschaftsleistung repräsentieren, in der Subprime-Krise gut 70 Prozent.

          Die Berge, das zeigt die Grafik auch, werden im Verlauf der Geschichte größer. Wenn irgendwo eine Krise ausbricht, dann zieht das offenkundig immer weitere Krisen nach sich. Die Welt ist enger verflochten als zuvor; nicht nur, weil die Länder mehr Geschäfte miteinander machen. Schlechte Nachrichten sprechen sich deutlich flinker herum. Der so genannte Gründerkrach brach 1873 in Wien aus, erfasste erst ein halbes Jahr später New York, um schließlich mit weiterer Verzögerung in Berlin anzukommen. Heute gibt es eine solche Zeitbremse nicht mehr, Krisen treten global simultan auf.

          Phasen gespenstischer Ruhe

          Zwischendrin liegen allerdings jene Phasen der nahezu gespenstischen Ruhe: Zuletzt von 2003 bis 2007. Das war vor allem eine ereignisarme Zeitspanne: Kein wirtschaftlich bedeutendes Land erlebte in diesen goldenen, kaum verstrichenen Jahren einen Staatsbankrott, einen Banken-Run, eine Hyperinflation oder den Kollaps seiner Währung.

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