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Finanzkrisen : Die große Krisengrafik

Krisen gibt’s nicht erst seit 2008: Arbeitslose Männer warten vor einem New Yorker Obdachlosenheim zur Zeit der Großen Depression.
Krisen gibt’s nicht erst seit 2008: Arbeitslose Männer warten vor einem New Yorker Obdachlosenheim zur Zeit der Großen Depression. : Bild: AP

Der Unternehmer als Quelle der Krise, das kommt einem Klassiker der Ökonomie, Josef Schumpeter, schon ziemlich nahe: Der sah im Kapitalismus ein System, das von Unternehmern zur permanenten Selbstzerstörung und Erneuerung getrieben wird. Der Computer-Entrepreneur vertreibt die Schreibmaschinen-Konkurrenz, digitale Musik die festen Tonträger. Jedes Mal weichen alte Unternehmen, schließen Fabriken, verlieren Arbeiter ihre Stelle und Investoren und Banken ihr Vermögen. Für sich genommen, sind diese Prozesse des Absturzes und der Erneuerung wirtschaftliche Einzelentwicklungen, die sich in einer Volkswirtschaft trotzdem so saldieren könnten, dass alles gut bleibt und mittelfristig sogar besser wird. Man kriselt sich zyklisch zum besseren Wohlstandsniveau.

Von der Landwirtschaft zur Industrie

Anfällig für Krisen sind Länder an der Schwelle zur Industrialisierung. Voraussetzung für den ersten großen Sprung im Wohlstandsniveau war die Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität und die Arbeitsteilung. Damit stieg aber gleichzeitig die Krisengefahr. Denn die arbeitsteilige Massenproduktion ist immer eine Produktion für anonyme Märkte im Gegensatz zur Auftragsfertigung. Stets hängt über den Fabrikhallen die bange Frage, ob sich da draußen wohl jemand findet, der das ganze Zeug haben will, das da gerade vom Band läuft. Wenn es nicht funktioniert, steht nicht nur der Unternehmer dumm da, sondern auch sein Geldgeber.

Gerade die geldgebende Bank kann aus dem Scheitern eines Fabrikanten ein volkswirtschaftliches Problem machen, vor allem, wenn sie selbst in der Kundenpleite zu viel Substanz und Vertrauen einbüßt. So ist nur konsequent, dass bei Rogoff und Reinhart in den Krisen, die sie analysieren, gerade nicht die Unternehmer die zentrale Rolle spielen, sondern Banken und, aus anderen Gründen, Staaten. Banken sind gefährlich, weil sie Volkswirtschaften infizieren können und sie sind anfällig wegen ihrer ganz besonderen Rolle: Ihr Basisgeschäft besteht darin, kurzfristige Einlagen der Sparer in (langfristige) Kredite umzuwandeln. Das geht gut bis zum ersten aufkommenden Misstrauen, etwa bei alltäglichen Pleiten.

Auch Bankenkrise gibt es nicht erst seit Lehman

Wenn plötzlich im Zuge einer Vertrauenskrise viele Sparer ihr Geld zurückwollen, reichen die liquiden Mittel der Banken nicht. Als Erstes ist die Bank gezwungen, Vermögenswerte wie Aktien zu verschleudern. Ist die Krise schon systemisch, dann finden sich nur nach Preiszugeständnissen Käufer, was wiederum zur Neubewertung des Vermögens zwingt. In solchen Situationen schreiben dann selbst Banken und Investoren durch Wertberichtigungen Verluste, die noch gar nicht zu Notverkäufen gezwungen waren. Gleichzeitig hören Banken in solchen Zeiten auf, einander Geld zu leihen. Und schließlich trocknet der Kreditfluss zur gewerblichen Wirtschaft aus: Die Banken vergeben von da an Kredite nur restriktiv und bremsen damit Investitionen und provozieren neue Pleiten. Die Rezession ist perfekt.

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