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Dividendenstrategie : Konsequente Umsetzung verlangt viel

Bild: F.A.Z.

Wer eine Dividendenstrategie verfolgt, sollte sich international umschauen. Doch hier gibt es noch mehr zu beachten als lediglich die Renditen. Steuern und Wechselkurse üben erheblichen Einfluss aus.

          3 Min.

          Wer derzeit fragt, welche Strategie bei der Aktienanlage zu verfolgen sei, wird häufig auf dividendenstarke Werte verwiesen. In einer Epoche, in der eine nachhaltige Wachstumsschwäche bei dauerhaft niedrigen Zinsen ein wahrscheinliches Szenario zu sein scheint, stellen sich Ausschüttungen auf Aktien besonders attraktiv dar.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Allein die Suche nach maximalen Ausschüttungen, die eine gewisse Nachhaltigkeit versprechen, stellt Anforderungen. Wer etwa sich in Deutschland umblickt, und Unternehmen sucht, die im laufenden, dem vergangenen und den beiden zukünftigen Jahren mehr als 7 Prozent ausgeschüttet haben oder von denen dies erwartet wird, findet nur die Deutsche Telekom. Vom Mobilfunkanbieter Freenet und dem Immobilienunternehmen Gagfah wird dies erwartet.

          International gibt's mehr

          Doch Freenet hat die Ausschüttungen erst kürzlich aufgenommen, bei der Gagfah gibt es immer wieder Zweifel an der Nachhaltigkeit der Dividendenzahlungen. Die jüngste Quartalsdividenden hat das Unternehmen erst um die Hälfte gekürzt, doch folgt man den Analystenprognosen, so bleiben die prognostizierten niedrigeren Ausschüttungen mit mehr als 8 Prozent immer noch attraktiv.

          Wer mehr will, muss sich schon international umsehen. Dabei sind es in der Regel unbekannte Unternehmen, deren Aktien die höchsten Dividendenrenditen prognostiziert werden.

          Steuern trüben die Freude

          An der Spitze liegt derzeit der kanadische Mischkonzern Superior Plus. Das Unternehmen macht jeweils 40 Prozent seines Umsatzes von zuletzt umgerechnet 1,4 Milliarden Euro zu jeweils 40 Prozent mit dem Großhandel von Brennstoffen und Spezialchemikalien für die Papierindustrie sowie Düngemitteln. Das letzte Fünftel steuert der Handel mit Isolierungs- und anderen speziellen Baustoffprodukten bei.

          Superior Plus zahlt seit rund sieben Jahren eine monatliche Dividende von zuletzt 13,5 kanadischen Cent. Das ergab seit Mitte 2007 eine gleitende 12-Monats-Dividendenrendite zwischen 10 und 18 Prozent. Ein Wermutstropfen für deutsche Anleger kann allerdings die Besteuerung sein. Bis zu 25 Prozent Quellensteuer werden in Kanada erhoben, nur 15 Prozent werden in Deutschland angerechnet. Das hat zur Folge, dass der effektive Steuersatz statt 26,375 Prozent 35,55 Prozent betragen kann. Dann bleiben von der Dividende netto nur 8,7 Cent und die Rendite sinkt auf netto nur noch 8,7 Prozent. Dasselbe erreichen deutsche Anleger, wenn sie eine deutsche Aktie mit einer Dividendenrendite von mehr als 11 Prozent kaufen. Das wird allerdings nur für Freenet prognostiziert.

          Andererseits hat Superior Plus nach einem verlustbringenden zweiten Quartal die Prognose für den Gewinn je Aktie für 2010 und 2011 auf 1,50 bzw. 1,85 kanadische Dollar gesenkt. Grund war die schwächer als erwartete konjunkturelle Erholung. Das lässt Zweifel an der Dividendenpolitik zu, läge die Ausschüttungen doch über dem für 2010 erwarteten Gewinn. Allerdings hatte das Unternehmen auch während der Finanzkrise die Dividendenpolitik beibehalten.

          Hohe Renditen dank Kursverlusten

          Dass hohe Dividendenrenditen bisweilen auch auf niedrigere Kurse zurückgehen, zeigt der Fall des amerikanischen Unternehmensfinanzierers Prospect Capital. Diese hatte in den vergangenen Jahren eine Quartalsdividende von rund 40 Cents ausgeschüttet. Das änderte sich im Sommer. Seit Juli zahlt die Gesellschaft monatlich, aber nur noch rund 10 Cents. Das bedeutet, dass Aktionäre im Jahr 2009 noch rund 1,60 Dollar Dividende erhielten. 2010 werden es wohl nur rund 1,40 Dollar sein, von da an ist nur noch mit 1,20 Dollar zu rechnen.

          Doch nach den deutlichen Kursverlusten von bis zu 30 Prozent betrüge die Rendite immer noch 13,5 Prozent. Netto gibt sich das nicht viel zur deutschen Besteuerung. Tatsächlich ist sie um Bruchteile niedriger, so dass die erwartete Dividendenrendite netto mehr als 10 Prozent beträgt und somit höher ist als die von Superior Plus. Zuletzt hat sich der Kurs wieder etwas erholt und auch die Ergebnisse des Unternehmens haben sich wieder stabilisiert.

          Erheblicher Einfluss der Wechselkurse

          Bei allen internationalen Werten spielt zudem die Wechselkursentwicklung eine nicht zu unterschätzende Rolle. Beispielsweise betrug die Ausschüttung von 10,025 amerikanischen Cents im Juli 7,7127 Euro-Cent. Die Ausschüttung von 10,0625 amerikanischen Cents im Oktober aber wird nach heutigem Wechselkurs nur 7,4114 Cent betragen. Während die also in amerikanischer Währung um 0,4 Prozent stiegt, fällt sie in Euro 4 Prozent niedriger aus.

          Die Alternative sind Werte aus dem Euroraum. Doch auch hier spielt die Besteuerung so machen Streich (Europas Steuerbehörden machen Dividenden klein). Die Renditen des norwegischen Mischkonzerns Fred Olsen oder der französischen Esso S.A.F von 11,4 bzw. 8,8 Prozent sinken durch die Besteuerung nicht unerheblich auf 7,3 bzw. 5,7 Prozent. Dagegen bleiben von der Dividendenrendite der niederländischen Immobiliengesellschaft Nieuwe Steen 6,3 Prozent übrig.

          Zwar sind die Gewinne von Nieuwe Steen in jüngster Zeit deutlich zurückgegangen. Indes ist das Unternehmen als sogenannter REIT verpflichtet, das sogenannte direkte Ergebnis vollständig auszuschütten, das aus den Mieteinkünften abzüglich bestimmter Kostenarten besteht. Indes ist die Durchschaubarkeit für den normalen Investor hier nicht wirklich gegeben. Wer lukrative Dividendenwerte sucht, muss daher viele Gesichtspunkte berücksichtigen und nicht nur die Bruttorendite. Unter steuerlichen Gesichtspunkten etwa bieten sich vor allem die südafrikanischen Immobiliengesellschaften Emira und Pangbourne an. Für diesen Staat gilt die Anrechenbarkeit einer fiktiven Quellensteuer, so dass die Dividende nur wenig geschmälert wird.

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