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Die Welt der Hedge-Fonds (2) : Die Global Macro Fonds sind die Sorgenbringer der Politiker

Chancenlos gegen Soros & Co: Die Bank of England Bild: AP

Die Anlagestrategien der Hedge-Fonds lassen sich in vier Gruppen unterteilen. Geldgeber favorisieren heute die aktienorientierten Fonds. Die Politik fürchtet vor allem die Global Macro Fonds.

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          Hedge-Fonds eint das sehr geringe Maß an Regulierung, das ihnen große Handlungsspielräume in ihrer Anlagepolitik gestattet. Viele Fonds spezialisieren sich indessen auf einzelne Handelsstrategien, in denen sie sich besonders gut auskennen. Es existiert keine offizielle Klassifizierung der Strategien innerhalb weniger Gruppen. Die in diesem Beitrag vorgenommene Unterteilung folgt der Klassifizierung des Beratungsunternehmens HFR Hedge Fund Research aus Chicago.

          Global Macro

          Global Macro Fonds legen sich die geringsten Beschränkungen auf. Sie wollen von der Prognose gesamtwirtschaftlicher Entwicklungen profitieren. Prinzipiell können sie an allen Märkten rund um den Globus agieren; viele Fonds spezialisieren sich aber auf Teilbereiche wie Devisen oder Zinsmärkte. Der berühmteste Betreiber war George Soros mit seinem Quantum-Fonds, der vor allem mit seinen Spekulationen auf Veränderungen von durch Regierungen festgelegte Wechselkurse für Aufsehen sorgte. Unter Geldgebern ist diese Fondsgattung derzeit nicht die beliebteste (siehe Grafik), aber sie ist und bleibt die bekannteste.

          Die hohe Zeit der Global Macro Fonds begann in den siebziger Jahren, als nach dem Ende des Festkurssystems von Bretton Woods, der Deregulierung der Finanzmärkte sowie steigender Inflationsraten die Voraussetzungen für großflächige Spekulationen entstanden. In Konflikt mit der Politik gerieten diese Fonds vor allem mit ihren oft erfolgreichen Versuchen, politisch erwünschte, aber wirtschaftlich fragwürdige Wechselkurse durch Spekulationen herauszufordern.

          Das berühmteste Beispiel bildet Soros' (durch andere Fonds unterstützte) Spekulation im Jahre 1992 gegen den aus wirtschaftlicher Sicht völlig überhöhten Kurs des Pfund innerhalb des Europäischen Währungssystems (EWS). Der Versuch Großbritanniens, den Pfund-Kurs durch Stützungskäufe zu stabilisieren, scheiterte und zwang London zu einer kräftigen Abwertung. Soros' Fonds verdiente daran mehr als eine Milliarde Dollar; eine weitere Milliarde Dollar gewann er wenige Wochen später durch die Abwertung der Schwedischen Krone. Dafür lag Quantum im Jahre 1994 mit einer Spekulation gegen den Yen schief und verlor rund 700 Millionen Dollar. Ein modernes Beispiel für die Tätigkeit dieser Fonds sind die Abwertungsspekulationen gegen den Euro vor dem Ausbruch der griechischen Schuldenkrise Ende 2009/Anfang 2010 gewesen. Auch an der an den Märkten für Staatsanleihen und Kreditderivate (CDS) betriebenen Spekulation auf eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands waren Global Macro Fonds beteiligt.

          Als Archetypus dieser Gattung gilt die um das Jahr 1970 in New Jersey gegründete Commodities Corp., an der unter anderem der berühmte Nobelpreisträger Paul Samuelson beteiligt war. Wie ihr Name nahelegt, war die Gesellschaft in Rohstoffgeschäften tätig, zu denen später Geschäfte mit Währungen traten. Die Commodities Corp. begründete den modernen opportunistischen Anlagestil, indem sie zunächst auf der Basis der sogenannten Fundamentalanalyse Entscheidungen traf, in deren Rahmen Wirtschaftsdaten untersucht werden. Sie verschrieb sich daneben, und oft mit erheblichem Erfolg, auch der technischen Analyse, die Kursverläufe und Börsenumsätze untersucht und damals - wie heute - eigentlich als bestenfalls eingeschränkt seriös gilt. Die Commodities Corp. war zudem ein Begründer der heute verbreiteten Strategie der „Carry Trades“, bei der ein Investor sich in einer niedrigverzinslichen Währung verschuldet, um sein Geld in einer höherverzinslichen Währung anzulegen.

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