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Börsen-Historie : Januar-Entwicklung auf Branchenebene ein hilfreicher Indikator

  • Aktualisiert am

Bild: Helaba Volkswirtschaft Research

Der Januar hat den Leitindizes in Deutschland und Amerika Verluste gebracht. Das ist ein Warnsignal, schließt historisch betrachtet Gewinne im Gesamtjahr aber nicht aus. Die Gewinner und Verlierer auf Branchenebene halten sich aber oft an die Auftaktbilanz.

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          Der Januar hat nicht das gebracht, was sich die Bullen unter den Börsianern von ihm versprochen hatten. Der S&P 500 Index notiert kurz vor dem Monatsultimo in diesem Jahr bisher mit 2,85 Prozent im Minus und der Dax, der den Handel in diesem Monat bereits beendet hat, verlor sogar 5,9 Prozent.

          Die Verluste sind gleich aus mehreren Gründen erstaunlich. Erstens hatten die Weltbörsen zunächst viel Schwung aus dem Vorjahr mitgebracht und dadurch beflügelt mit deutlichen Gewinnen in das neue Jahr gestartet. Zweitens ist die Berichtssaison für das vierte Quartal bisher unter dem Strich ganz gut gelaufen (knapp 80 Prozent der bislang vorliegenden S&P 500 Quartalsergebnisse lagen über den Schätzungen der Analysten) und auch die Konjunkturdaten sind insgesamt relativ ermutigend ausgefallen.

          Erst das dritte Januar-Minus nach einer Rezession seit 1932

          Darüber hinaus sprach drittens auch die Historie für den Markt. Schließlich ist der S&P 500 Index seit 1929 im ersten Monat des Jahres in 60 Prozent der Fälle gestiegen und im Schnitt hat er es dabei auf ein Plus von 1,3 Prozent gebracht. Damit ist der Januar historisch der viertbeste Monat im Jahr.

          Doch damit nicht genug: Noch viel besser hat in der Regel der erste Januar abgeschnitten, der auf einen Bärenmarkt folgte. Hier reichte es seit dem großen Crash von 1929 bis 1932 im Schnitt zu einem Wertzuwachs von 3,7 Prozent. Zudem stiegen die Notierungen in 12 von 14 Fällen. Doch alles das hat letztlich nichts genutzt. Wenn der S&P 500 in den noch verbliebenen wenigen Handelsstunden nicht noch einen satten Schlussspurt hinlegt, wird es zum dritten Mal nach 1939 und 2003 im ersten Januar nach einer Rezession Verluste setzen.

          Nachdenklich stimmt diese erste Zwischenbilanz auch deshalb, weil die Kursentwicklung im Januar oft als ein Omen für die Jahres-Performance gewertet wird. Wer auf diese einfache Faustregel vertraute, der konnte im Jahr 2008 herbe Verluste vermeiden. Denn nach Einbußen im Auftaktsmonat setzte es da in Amerika die schwersten Verluste seit 1937.

          Bei steigenden Kursen funktioniert das Januar-Barometer besser als bei fallenden Kursen

          Allerdings darf nicht übersehen werden, dass das Januar-Barometer in der Vergangenheit nicht immer so gut funktionierte. Seit 1945 kam es bei Verlusten im Januar zwar einerseits im Schnitt auch in den nächsten zwölf Monaten zu Verlusten von 0,7 Prozent, andererseits hagelte es aber nur in 48 Prozent der Falle Verluste. Viel verlässlicher war der Januar als Indikator für die Jahresperformance verglichen damit bei einer Erfolgsquote von 80 Prozent dann, wenn er im ersten Monat Kursgewinne einfahren konnte. Außerdem reichte es dann anschließend durchschnittlich zu einem Plus von 12,7 Prozent (siehe Grafik).

          Markus Reinwand, Analyst bei der Helaba, kommt deshalb zu folgendem Schluss: „Die Prognosekraft der Januarentwicklung sollte nicht überschätzt werden. Zwar traf diese Regel für den japanischen Aktienmarkt in der Vergangenheit in der Mehrzahl der Fälle zu. Für die Leitbörse in Amerika und den deutschen Aktienmarkt dagegen hält sich die Aussagekraft dieses Indikators in Grenzen. Eine Vorentscheidung für den weiteren Jahresverlauf ist damit also längst nicht gefallen.“ Aus seiner Sicht besteht wegen dem nach wie vor gültigen zyklischen Fahrplan für Aktien in der ersten Jahreshälfte 2010 noch Luft nach oben. Auch wenn der Kursanstieg vermutlich weniger dynamisch als während der frühen Erholungsphase verlaufen wird wäre es deshalb verfrüht, bereits jetzt zum Ausstieg zu blasen, so sein Fazit.

          Sektoren Gesundheit, Industrie und Finanzen in der Favoritenrolle

          Auch Sam Stovall, Stratege beim amerikanischen Finanzdienstleister S&P, weist darauf hin, dass es selbst bei in der Vergangenheit beobachteten Kursmustern keine Garantie für eine Wiederholung im jeweils aktuellen Fall gebe. Dennoch glaubt er, dass das Januar-Barometer auch bei fallenden Kursen hilfreich sein kann. Zumindest wenn der Indikator auf Sektorebene angewandt wird. Denn wie er herausgefiltert hat, stiegen die drei Sektoren mit der jeweils besten Wertentwicklung im Januar seit 1990 in den folgenden zwölf Monaten im Schnitt um 8,2 Prozent und sie schlugen den Gesamtmarkt in 70 Prozent der Fälle. Der S&P 500 Index brachte es verglichen damit nur auf ein Plus von durchschnittlich 6,1 Prozent. Und die drei schwächsten Sektoren im Januar kamen anschließend sogar nur auf einen Kursanstieg von 4,3 Prozent.

          Wiederholt sich dieses Kursphänomen auch in diesem Jahr, wären die Sektoren Gesundheit, Industrie und Finanzen in einer relativ guten Ausgangslage, denn sie haben bisher am besten abgeschnitten. Das Ende der Performance-Tabelle im Sektorenvergleich zieren dagegen derzeit Informationstechnologie, Materialien und Telekomdienstleister. Geschichtlich betrachtet stehen die Chancen nicht schlecht, dass es in den nächsten Monaten bei dieser Rollenverteilung bleibt.

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