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Bankenregulierung : Vertrauen in Banken schaffen, aber wie?

Unfertig: Die Bankenunion ist noch im Aufbau, ebenso wie das neue EZB-Gebäude Bild: dpa

Die EZB will Bilanzen von 130 europäischen Banken durchleuchten. Das ist die Voraussetzung, um die Europäische Bankenunion zu beginnen. Doch noch fehlen Kriterien und unabhängige Prüfer.

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          Für die Europäische Zentralbank (EZB) läuft die Uhr. Auch wenn das Europäische Parlament an diesem Donnerstag die Zuständigkeit der EZB für die Bankenaufsicht im Euroraum absegnen wird, bleibt der Zeitdruck hoch. Das liegt an der Bilanzprüfung der rund 130 europäischen Banken, die künftig von der Notenbank überwacht werden. Die Untersuchung, wie viele Altlasten noch in deren Büchern stehen, ist eine Voraussetzung, um die Europäische Bankenunion zu beginnen.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Mit der Bilanzbewertung schaffen wir Transparenz für Investoren - und genau das ist gefragt, um das Vertrauen in den Bankensektor nachhaltig zu stärken“, sagt EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen. Ursprünglich wollte die EZB die Bilanzprüfung Ende September beginnen. Aber das wird nicht zu halten sein. Ob die Prüfungen bis Ende März abgeschlossen werden können, ist daher fraglich. Zumal die EZB nicht auf die für Bankenaufsicht geplanten 800 Mitarbeiter zurückgreifen kann. Bislang haben erst 79 Aufseher ihre Tätigkeit in Frankfurt aufgenommen. Sie können allein nicht 85 Prozent der Bilanzsumme aller Banken in der Währungsunion durchleuchten.

          Vermutlich wird die EZB Wirtschaftsprüfer einsetzen

          Daher werden wohl die EZB und die nationalen Notenbanken auf Wirtschaftsprüfer und deren Bilanzkenntnisse zurückgreifen. Das ist in vielen Ländern schon Praxis, auch in Deutschland. Vor allem die vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Pricewaterhouse Coopers, KPMG, Deloitte und Ernst & Young sind immer wieder als Sonderprüfer für die Finanzaufsicht Bafin oder die Bundesbank tätig. Als eine Voraussetzung dafür gilt, dass sie nicht zuvor Jahresabschlussprüfer der Bank waren. So dürfte nun wohl kaum der Deutsche-Bank-Prüfer KPMG für die Durchleuchtung der Bilanz der Deutschen Bank mandatiert werden.

          Zwar kommt dafür nur ein großer Wirtschaftsprüfer in Frage, aber auch die anderen sind als Sonderprüfer oder als Strategieberater schon in der Deutschen Bank eingespannt. „Es wird schwierig, eine große Kanzlei zu finden, die bisher nichts mit der Deutschen Bank zu tun hat“, sagen selbst Prüfer hinter vorgehaltener Hand. Der für Finanzstabilität zuständige Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret sagte dieser Zeitung, dass die deutsche Aufsicht es befürwortet, wenn Wirtschaftsprüfer die Bilanzprüfungen unterstützen.

          In Deutschland könnten 24 Banken geprüft werden

          In Deutschland könnten nach Schätzung der Ratingagentur Fitch 24 Banken geprüft werden - alle Institute mit einer Bilanzsumme von mindestens 30 Milliarden Euro: neben Deutscher Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank auch Landesbanken, DZ und WGZ-Bank sowie die Deutsche Apotheker- und Ärztebank oder die Volkswagen Bank. Doch nicht nur die nationalen Aufseher brauchen Unterstützung, sondern auch die EZB. Sie hat einen öffentlichen Auftrag für Organisation und Projektmanagement ausgeschrieben. Das mutet technisch an, hat aber viel mit der Umsetzung der Prüfung zu tun. Denn diese muss strukturiert werden, damit für alle Banken möglichst einheitliche Bedingungen gelten.

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