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Automatische Handelsaufträge : Deutschland reguliert den Hochfrequenzhandel

In Frankfurt wird der automatisch gesteuerte Handel künftig reguliert Bild: dpa

Die Bundesregierung geht mit einer nationalen Regulierung des Handels auf Basis von Algorithmen voran. Händler sollen künftig eine Art Führerschein machen. Das Finanzministerium hofft auf ein Nachziehen der Europäischen Union.

          Die Bundesregierung prescht mit einer nationalen Regulierung des Hochfrequenzhandels in Europa vor. Man wolle die Systemstabilität erhöhen, indem man Grenzen für zu volatile Finanzmärkte setze, hieß es am Dienstag im Finanzministerium. Gut 40 Prozent des Handels in Deutschland entfalle schon auf automatisch gesteuerte Handelsaufträge, in anderen Ländern sei es sogar noch wesentlich mehr.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Gerade in Amerika habe es wiederholt schwere Störungen an den Börsen gegeben. Deutschland sei damit eines der ersten Länder, das den Hochfrequenzhandel gesetzlich regele, hob man im Umfeld von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hervor. Man wolle ein Zeichen setzen, um die europäische Gesetzgebung zu diesem Komplex zu beschleunigen.

          Ein Führerschein für die Händler

          An diesem Mittwoch will das Bundeskabinett den Gesetzentwurf „zur Vermeidung von Gefahren und Missbräuchen im Hochfrequenzhandel“ beschließen. Er trifft alle deutschen Börsen und die hiesigen Händler, die Aufträge auf Basis von Algorithmen vergeben (also ohne direkte Entscheidungen durch Menschen), aber auch Teilnehmer, die nicht in Deutschland sitzen, aber einen Zugang zum hiesigen Handelssystem haben. Um die Probleme, die vom Hochfrequenzhandel ausgehen, identifizieren zu können, sollen Aufträge, die mit Hilfe von Rechnerprogrammen ergehen, gekennzeichnet werden.

          Wie ein hoher mit der Materie befasster Beamter berichtete, setzt der Gesetzentwurf auf folgenden Ebenen an: Erstens mit Zulassung und Kontrolle der Händler, die künftig eine Art Führerschein brauchen werden, um am Verkehr teilnehmen zu dürfen. Zweitens wird der Hochfrequenzhandel selbst beschränkt. Das Finanzministerium spricht in diesem Zusammenhang von Leitplanken für das besondere Geschäft, in dem es um Millisekunden geht. Die Börsen müssen künftig nachweisen, dass sie in der Lage sind, Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen und den Handel dann zu stoppen. Auch soll das Verhältnis zwischen erteilten Kauf- und Verkaufaufträgen und tatsächlich ausgeführten Geschäften begrenzt werden.

          So gebe es im Hochfrequenzhandel eine Reihe von Teilnehmern, die beispielsweise bestimmte Werte gar nicht kaufen wollten, sondern nur den Preis in eine bestimmte Richtung bewegen wollten. Schließlich soll eine Mindestgrenze für Kursänderungen definiert werden. Drittens soll es Bußgelder wie im Straßenverkehr geben, wenn etwa das Verhältnis der Aufträge zu den getätigten Geschäften nicht stimmt oder zu viele Aufträge im allerletzten Moment storniert werden. So soll klargestellt werden, dass bestimmte Handelspraktiken zur Täuschung anderer Marktteilnehmer als Manipulation anzusehen sind.

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