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Anlagestrategie : Wie viel Betreuung braucht mein Geld?

  • -Aktualisiert am

Wir müssen gar nicht so viel über unsere Finanzen nachdenken, wie wir meinen. Wenn wir uns einmal im Jahr hinsetzen und eine gute Strategie entwickeln, machen wir es richtig. Es ist also gar nicht so schwer.

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          Eines sollte Sie jetzt schon beruhigen: Dass Sie diesen Text lesen, ist der erste Schritt zum entspannteren Umgang mit Finanzen. Sie haben eine Grundregel befolgt, die – frei nach John F. Kennedy – lautet: „Frage nicht, was dein Geld für dich tun kann – frage dich, was du für dein Geld tun kannst.“

          Wir würden ja alle mit unserem Geld gern besser umgehen. Wir würden es gern so anlegen, dass es sich gefahrlos, aber ordentlich vermehrt. Allzu oft beklagen schließlich Experten, dass wir zu wenig sparen und in Finanzdingen zu sorglos sind. Nur hilft das Klagen herzlich wenig, wenn uns keiner sagt, wie es besser geht.

          „Wohldiversifiziert, passiv und breit gestreut“

          Sie immerhin haben den ersten Schritt getan: Sie kümmern sich um Ihr Geld. Sie betreiben Geldmanagement. Und wissen Sie was? Sehr viel mehr Arbeit oder Zeit brauchen Sie gar nicht dafür.

          Denn Geldmanagement heißt nicht, dass Sie zum Selfmade-Finanzexperten mutieren müssen, damit es mit dem Anlegen klappt. Das findet jedenfalls Martin Weber, Professor an der Universität Mannheim. Fragt man den Experten für Anlegerpsychologie, wie oft sich Anleger um ihr Depot kümmern und es umschichten sollten, sagt er: „Möglichst gar nicht.“

          Jedenfalls reicht es, „wenn sie einmal im Jahr gucken, ob im Gesamtdepot noch alles stimmt“. Hat sich inzwischen das Einkommen geändert? Der Familienstand oder das Vermögen – weil man den Jahresbonus bekommen hat oder vielleicht eine Erbschaft? Dann ist es Zeit, die monatlichen Sparbeträge anzupassen. Oder eine Extrasumme zurückzulegen. Oder eine Risikolebensversicherung zugunsten des Partners abzuschließen. Sonst aber bleibt der Sparbetrag derselbe wie bisher. Und die Töpfe, in die er fließt, ebenfalls.

          Wo und wie aber wird das Geld nun am besten angelegt? Die Grundempfehlung klingt einfach: „Wohldiversifiziert, passiv und breit gestreut“, so bringt Weber die Optimalverteilung auf den Punkt und meint damit Indexfonds, die der Entwicklung weltweiter Aktien-, Anleihen- und Rohstoffkurse folgen. Ähnlich sagt es Martin Faust, Professor der Frankfurt School of Finance: „Anleger sollten sich breit aufstellen, nicht jedem Trend hinterherlaufen und überlegen, ob sie wirklich ein aktives Fondsmanagement brauchen.“ Genau das ist der Knackpunkt.

          Es ist die schwerste Entscheidung der gesamten Geldanlage: Wer soll sich um die Gesamtaufteilung kümmern? Kann ich das alles selber managen, oder brauche ich einen Geldmanager? Und wenn ja, wer soll das sein? Ein Fondsverwalter, ein Bankberater, vielleicht sogar ein Finanzplaner?

          Im Prinzip lautet die Antwort: Einen Berater könnte jeder gut gebrauchen. Es kommt nur darauf an, in welchem Umfang. Denn die wenigsten von uns sind Experten in Finanzdingen. Es würde uns viel Zeit und Geduld kosten, uns in das Thema so hineinzufuchsen, dass wir alle Fragen selbst beantworten können. Deshalb ist Arbeitsteilung bei Finanzfragen sinnvoll.

          Passen Einkommen und Sparverhalten zueinander?

          Gute Finanzberater haben viel mehr Überblick, und sie kennen auch viel mehr Details, als wir es könnten – selbst wenn wir begeistert die Anlegerteile lesen und verfolgen. Wer das tut, weiß vielleicht, dass es günstiger ist, passive Indexfonds zu kaufen statt aktiv gemanagte. Bei aktiven Fonds nämlich streicht eine Fondsgesellschaft bis zu 3000 Euro Gebühren nur dafür ein, dass sie über 20 Jahre 10 000 eingezahlte Euro hin und her schichtet. Mit dem Ergebnis: Der Fondsverwalter packt zwar oft bessere Aktien in den Topf, als wir es selbst täten, aber im Schnitt schafft er drei Prozent weniger Rendite als der simple Indexfonds, den wir uns ebenfalls selber kaufen können. Wir können also als informierte Anleger im Alleingang sehr wohl einen guten Fonds aussuchen – aber für gutes Geldmanagement reicht das noch lange nicht.

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