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Anlagestrategie : Dividenden sind ein wichtiger Renditebringer

  • Aktualisiert am

Bild: Allianz

Wer als Anleger auf eine hohe Dividenden achtete, galt lange Zeit als antiquiert. Doch etliche Studien haben mit diesem Vorurteil längst aufgeräumt. Auch die Allianz bestätigt nun in einer Ausarbeitung die große Bedeutung der Dividenden für den Anlageerfolg.

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          In einer 16-seitigen Studie verdeutlicht das Team der Allianz Global Investors Kapitalmarktanalyse den hohen Performance-Beitrag; der aus Dividenden resultiert, über einen Rückblick in die Vergangenheit. Demnach hätte ein Investor bei einer 1970 einmalig getätigten Investition von 100 Euro in Aktien des MSCI Europa und einer jährlichen Wiederanlage der Dividendenzahlungen trotz der Finanzkrise Ende 2010 über eine Vermögenssumme von 5126 Euro (vor Steuern) freuen können. Ohne den Beitrag der jährlich reinvestierten Dividenden, also bei Betrachtung der reinen Kursentwicklung, wäre das Portfolio lediglich auf 1169 Euro gewachsen (siehe Grafiken).

          Per Saldo war in dieser Zeitspanne die annualisierte Gesamtrendite der Aktienanlage in Hohe von 10 Prozent zu rund 40 Prozent durch die Dividendenzahlungen bestimmt. Vor allem Investoren europäischer Aktien konnten sich in der Vergangenheit über hohe Ausschüttungssummen freuen. Denn insbesondere die hier ansässigen Konzerne haben sich in den vergangenen Jahren durch eine aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik hervorgetan. So betrug der Performance-Anteil der Dividenden des MSCI Europa seit 1970 im Durchschnitt circa 4,1 Prozent.

          Am nordamerikanischen Aktienmarkt wurden in demselben Zeitraum zwar ähnlich hohe Kursrenditen von 6,4 Prozent p. a. (ohne den Beitrag von Dividenden) erzielt, die Gewinnausschüttungen trugen mit jährlich 3,6 Prozent jedoch weniger zum Erfolg bei. Die Unternehmen im Pazifikraum (v. a. Japan) zeigten sich am wenigsten spendabel. Dividenden in dieser Region leisteten in den letzten 40 Jahren mit durchschnittlich lediglich 2,2 Prozent p. a. den geringsten Performance-Beitrag im weltweiten Vergleich.

          Dividenden verdoppeln fast den Anlagespaß

          Auch die Experten der Fondsgesellschaft DWS loben den Performance-Beitrag, den Dividenden erfahrungsgemäß leisten. In einer Ausarbeitung zu dem Thema kommen sie in Anspielung auf die erzielbaren Überrenditen zu dem Schluss, dass Aktien ohne Dividenden nur halb so viel Spaß machen. Außerdem weisen sie darauf hin, dass auch bedingt durch den Zinseszinseffekt Dividenden umso wichtiger werden, je länger der Zeithorizont wird.

          Nur gibt es natürlich keine Garantie dafür, dass die Strategie auf Dividendentitel zu setzen, auch 2011aufgeht. Allerdings befindet sich der Markt in einer für Dividendenwerte günstigen Phase. Denn laut DWS herrscht eine historisch einmalige Situation vor, in der die Dividendenrenditen im Schnitt deutlich höher sind als die Renditen der Unternehmensanleihen.

          Auf diesen Pluspunkt stellt auch Allianz Global Investors ab. Laut den dortigen Analysten ist die durchschnittliche Dividendenrendite im Zuge der Jahresendrallye an den Aktienmarkten 2010 marktweit von über 3,5 Prozent Mitte 2010 auf circa 3,2 Prozent Ende 2010 gesunken. Im historischen Vergleich sei das aber immer noch hoch.

          Unternehmen dürften ausschüttungswillig bleiben

          Und die Allianz-Experten können sich zudem auch vorstellen, dass die Unternehmen weiterhin eifrig an die Anteilseigner ausschütten. Zumindest sprechen für diese Annahme gleich drei Faktoren. So ei erstens davon auszugehen, dass die Konzerngewinne, und damit die Basis für Dividendenausschüttungen, im Vorjahr spürbar gewachsen ist. So konnten einige Unternehmen bereits neue Rekordgewinne verkünden. Mit Blick auf die Analystenschatzungen des Datenanbieters IBES werden die europäischen Konzerne (Basis: MSCI Europa) für 2010 wohl einen Anstieg der Gewinne um circa 35 Prozent verzeichnen. Die Gewinndynamik durfte sich zwar in 2011 abschwächen, dennoch sei mit weiteren positiven Zuwächsen zu rechnen.

          Zweitens seien auch aufgrund der freundlichen Gewinnentwicklung im Jahr 2010 sind die Ausschüttungsquoten der Konzerne zuletzt deutlich gesunken. Ein Blick auf die aktuelle Ausschüttungspolitik internationaler Konzerne zeigt folgendes: In Europa ist das Verhältnis von ausbezahlter Dividende zum Gewinn je Aktie mit derzeit etwa 45 Prozent im historischen Vergleich moderat. In Amerika befindet sich der Quotient von rund 30 Prozent sogar auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren. Der Spielraum für weitere zukünftige Dividendenerhöhungen hat sich somit für die Unternehmen erhöht.

          Drittens verfügen die Unternehmen derzeit über einen hohen Bestand an frei verfügbaren Mitteln. Die Phase des „Deleveraging“ nach der Finanzkrise, also die Tendenz, die Eigenkapitalbasis zu stärken und Fremdkapital abzubauen, sei bei den Firmen bereits weit vorangeschritten. 2011 könnten sich die Unternehmen wieder stärker dem Shareholder-Value widmen.

          Achtung: Auch die Dividendenstrategie funktioniert nicht hundertprozentig

          Überlegungen wie diese sprechen dafür, dass Dividendenpapiere auch demnächst vergleichsweise gut abschneiden werden. Wie immer an den Börsen funktioniert allerdings auch diese Regel nicht hundertprozentig, sondern es bestehen auch bei Anwendung dieser Strategie Risiken. Mitunter kommt es vielmehr auch hier zu Fehlsignalen.

          Ein prominentes Beispiel dafür sind die Finanzwerte, die Mitte 2007 noch mit hohen Ausschüttungen glänzten. Trotzdem kam es mit dem Ausbruch der Finanzkrise auch in diesem Sektor zu großen Kurseinbußen und die Konzerngewinne sowie die Dividendenzahlungen stürzten mit ihnen ab.

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