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Aktienrückkäufe : Ein zweifelhafter Segen für die Anleger

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Flexibilität statt Engagement

Die Unternehmen haben „nicht genug Vertrauen in den Aufschwung“, um „Geld für irreversible Geschäfte wie Übernahmen oder große Investitionsprojekte auszugeben, meint Vincent Deluard, Global-Equity-Stratege bei TrimTabs. Vierteljährliche Dividenden, eine weitere Methode zur Belohnung von Aktionären, bergen einen Nachteil für die Unternehmen. Ist die Ausschüttungsfrequenz erst einmal erhöht, so wird eine regelmäßige Ausschüttung in jedem Quartal erwartet. Ansonsten könnte der Markt die Aktien der Unternehmen hart abstrafen. Rückkaufpläne - oftmals ohne Festlegung eines Kaufzeitpunkts und verteilt über ein Jahr oder mehr - bieten den Unternehmen viel mehr Flexibilität. Außerdem müssen die Unternehmen nicht alle Aktien zurückkaufen, deren Rückkauf sie angekündigt haben, was der Unternehmensleitung finanzielle Flexibilität verleiht. „Rückkäufe sind der einfachste Weg, Geld an die Aktionäre auszuschütten, ohne eine Verpflichtung einzugehen“, meint Deluard.

In Anbetracht ihrer Bedenken bezüglich der Wirtschaft sind die Unternehmen nach wie vor zurückhaltend beim Einsatz ihres Geldes, auch im Hinblick auf Aktienrückkäufe. Obgleich die Rückkäufe im vergangenen Quartal wieder zugelegt haben, ist die Aktienanzahl des S&P 500 sogar gestiegen, meint Howard Silverblatt, leitender Indexanalyst bei S&P. „Die Unternehmen werden noch ein paar Quartale aussitzen, um zu sehen, ob die Luft rein ist“, glaubt er. Unter der Annahme, dass sich der Aufschwung weiter fortsetzt, geht er davon aus, dass die Unternehmen bis zur zweiten Hälfte des Jahres 2010 warten, bevor sie feste Verpflichtungen zum Rückkauf von Aktien, zur Tätigung von Investitionen oder zur Ausschüttung von Dividenden eingehen.

Anleger und Manager haben Grund zur Hoffnung, dass im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs bessere Verwendungsmöglichkeiten für das Geld gefunden werden. Amerikanische Unternehmen zeigen eine dürftige Erfolgsbilanz bei Rückkäufen, die ihren Aktionären langfristige Vorteile bringen, sagt Brady. Ein Hauptgrund hierfür ist das schlechte Timing der Rückkäufe. Man muss bedenken, dass im dritten Quartal 2007, nur wenige Tage vor dem Allzeithoch des S&P 500 am 9. Oktober 2007, Rückkäufe in einer Rekordhöhe von 172 Milliarden Dollar vorgenommen wurden. Diese Rückkäufe kamen einige Unternehmen teuer zu stehen, denn der S&P brach in den kommenden 17 Monaten um 57 Prozent ein. Als die großen Aktienindizes im ersten Quartal 2009 ihre Talsohle erreichten, kauften die Unternehmen des S&P 500 nur Aktien im Wert von 24,2 Milliarden Dollar zurück.

Den Anlegern rät man, bei niedrigen Kursen zu kaufen und bei hohen Kursen zu verkaufen. Was Rückkäufe anbelangt, lässt die jüngste Entwicklung darauf schließen, dass amerikanische Unternehmen genau das Gegenteil tun. Wenn die Märkte wie vor einem Jahr nach unten tendieren, kürzen sicherheitsbedachte Manager die Ausgaben in allen Bereichen, auch bei den Rückkäufen. Nur wenn die Wirtschaft boomt - und die Aktien teuer sind -, können die Manager das Vertrauen und das Geld aufbringen, voll und ganz auf Rückkäufe zu setzen.

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