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Für Privatkunden : Strafzinsen für Sparkassen kein Tabu mehr

Negativzinsen dürften bald auch ein Thema für Privatkunden von Banken und Sparkassen werden. Bild: dpa

Der Druck auf die Kreditinstitute ist groß: In Baden-Württemberg sind Strafzinsen auch für Privatkunden nun kein Tabu mehr. Den normalen Sparer soll das trotzdem nicht treffen.

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          Negativzinsen dürften bald auch ein Thema für Privatkunden von Banken und Sparkassen werden. „Wir wollen das nicht. Aber wenn dieses Zinsniveau auf einer langen Achse fortgeschrieben wird, dann wird der betriebswirtschaftliche Druck so groß, dass sich niemand mehr Negativzinsen entziehen kann“, sagte Peter Schneider, Präsident des baden-württembergischen Sparkassenverbands bei einer Pressekonferenz in Stuttgart. Schon seit fünf Jahren zahlen Banken und Sparkassen Strafzinsen auf ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank, aktuell sind es 0,4 Prozent.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Diese Kosten werden vielfach schon an die Unternehmenskunden weitergereicht, die ihre liquiden Mittel bei den Banken und Sparkassen in Verwahrung geben, und auch sehr vermögende Privatkunden mussten schon mit Gebühren rechnen. Für durchschnittliche Sparer waren Negativzinsen bisher aber tabu. Rechtlich bewegten sich die Institute auf unsicherem Grund, die Verwahr-Entgelte für Einlagen seien Hilfskonstrukte, sagte Schneider. Wenn die Zinssituation aber so bleibe, sei der Gesetzgeber gefordert, den Umgang mit Negativzinsen klar zu regeln. Während lange Zeit noch die Erwartung bestand, dass es eine Zinswende geben könnte, wird wohl das Gegenteil geschehen.

          Ein Ende der Sonderkonditionen?

          Von der EZB-Sitzung an diesem Donnerstag wird eine Weichenstellung für eine weitere Senkung des Einlagensatzes erwartet. Mit Blick auf diese Entwicklung hatte vor kurzem schon Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), den seit fünf Jahren geübten Umgang mit den Negativzinsen in Frage gestellt: „Die Kunden erhielten bisher Sonderkonditionen“, sagte sie, eine Neubewertung dieses Vorgehens werde nötig. Jede VR-Bank entscheide aber als selbständiges Unternehmen für sich, sagte die BVR-Präsidentin auf die Frage, ob so etwas wie eine „Konzertierte Aktion“ viele Banken in Deutschland denkbar sei.

          Für Baden-Württembergs Sparkassen-Präsident Peter Schneider ist indes klar, dass es einen Domino-Effekt geben könnte, wenn eine relevante Bank damit beginne. „Wir wollen es nicht, wir heißen Sparkassen“, sagte Schneider. Sollte einer der relevanten Wettbewerber aber Strafzinsen von Privatkunden verlangen, müsste man nachziehen – sonst würden die Sparkassen mit Einlagen geflutet, so die Logik. Auch innerhalb des LBBW-Konzerns, an dem die baden-württembergischen Sparkassen beteiligt sind, wird laut über Strafzinsen nachgedacht.

          Michael Horn, der im LBBW-Vorstand das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden verantwortet, sagte gegenüber den „Stuttgarter Nachrichten“, die Kunden stellten dem Institut „derart viel Geld zur Verfügung, dass wir gar nicht anders können, als einen Teil davon bei der EZB anzulegen“, die dafür 0,4 Prozent jährlich verlange. Den Verlust trage bisher die Bank, was jedoch an Grenzen stoße. Horn kündigte an, Negativzinsen sollten aber nicht den kleinen Sparer treffen.

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