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Strafzahlungen : Amerikas Banken zahlen am meisten

Das Gros der Geldstrafen geht auf die Kosten amerikanischer Banken. Bild: Reuters

333 Milliarden Dollar musste die Finanzbranche seit 2000 zahlen, zeigt eine Langzeitauswertung. Auch die Deutsche Bank findet sich auf einem der vorderen Plätze.

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          Für die Aktionäre amerikanischer Großbanken sind es gute Zeiten. Nach dem schwierigen Corona-Jahr sind viele Kurse wieder in die Höhe geschossen. Dass dies allerdings nur eine Momentaufnahme an den Kapitalmärkten und die positive Seite der Finanzbranche darstellt, zeigt die unvorstellbare Summe an Strafzahlungen, mit der vor allem die angloamerikanischen Bankhäuser wegen ihrer Regelverstöße von Finanz- und Börsenaufsicht und Justizbehörden belegt wurden: Mehr als 333 Milliarden Dollar musste die Finanzindustrie seit dem Jahr 2000 zahlen, zeigt eine Langzeitauswertung der US-Organisation Good Jobs First. Dafür wurden die Angaben von zahlreichen Aufsichtsbehörden und dem amerikanischen Justizministerium (DoJ) mit einem digitalen Tool ausgewertet, dem sogenannten Violation Tracker.

          Marcus Jung
          Redakteur in der Wirtschaft.

          An der Spitze der Banken mit den höchsten Bußgeldern finden sich mit Bank of America (BoA), JP Morgan Chase und Citigroup drei US-Großbanken, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten kaum einen Finanzskandal ausgelassen haben. Mit einer Gesamtsumme von 82,92 Milliarden Dollar distanziert BoA nicht nur den Rest der Branche – JP Morgan und Citigroup folgen mit 35,9 Milliarden beziehungsweise 25,5 Milliarden.

          Mit 251 gemeldeten Verstößen gegen Finanzmarkt- und Aufsichtsregeln vereinigt BoA auch die größte Zahl an Vorfällen auf sich. In der globalen Finanzkrise spielte die Bank eine zentrale Rolle, weil sie toxische Hypothekenpapiere an Investoren verkauft hatte, was maßgeblich zur Subprime-Krise beitrug. Die 16,6 Milliarden Dollar Vergleichszahlung an das US-Justizministerium sowie die Behörden mehrerer Bundesstaaten ist zugleich die höchste Einzelstrafe seit Beginn der Langzeitauswertung von Good Jobs First. Im Jahr 2013 musste JP Morgan wegen vergleichbarer Vorwürfe mehr als 13 Milliarden Dollar zahlen. 2008 verpflichtete sich die Schweizer Investmentbank UBS in einem Vergleich mit dem New Yorker Generalstaatsanwalt zum Rücknahme von unverkäuflichen Auktionspapiere im Wert von 11 Milliarden Dollar. Daneben musste sie 150 Millionen Dollar Geldstrafe zahlen.

          Die Finanzkrise und deren juristische Aufarbeitung durch Behörden und Justiz stellt den größten Komplex der Strafzahlungen dar: Die ersten 50 Plätze der weit über 6300 ausgewerteten Sachverhalte fanden von 2008 an statt. Dies belegt abermals, wie lückenhaft viele Kontrollen der Kreditinstitute, insbesondere hinsichtlich Eigenkapital- und Compliance, vor der Finanzkrise waren. Und es macht deutlich, dass mit der schärferen Regulierung der Bank- und Finanzbranche in der Folgezeit viele Missstände aufgedeckt und geahndet wurden.

          Deutsche Bank und Ärger mit Justiz 

          Mit der Deutschen Bank (18,3 Milliarden Dollar), UBS (16,9 Milliarden Dollar) und Credit Suisse (10,5 Milliarden Dollar) wurden auch drei europäische Großbanken für zahlreiche Unregelmäßigkeiten mit Strafen belegt. Im Fall der Deutschen Bank standen die höchsten Geldbußen ebenfalls im Zusammenhang mit toxischem Wertpapierhandel. Am häufigsten musste sich die deutsche Großbank allerdings gegenüber amerikanischen Behörden wegen Verstößen gegen den Anlegerschutz verantworten. Für das Thema Geldwäsche, wo man ebenfalls im Fokus der Aufsichtsbehörden stand, gab es dagegen nur zwei Strafzahlungen in Höhe von 466 Millionen Dollar.

          Von Bußgeldern dieser „amerikanischen“ Größenordnung ist man in Deutschland und Europa noch entfernt. Ein Ausreißer ist dabei die Aufdeckung illegaler Absprachen bei den Referenzzinssätzen Libor und Euribor durch die EU-Kommission; 1,71 Milliarden Euro Geldstrafe musste eine Gruppe internationaler Banken, darunter Deutsche Bank, JP Morgan, Citigroup, Société Générale und RSB zahlen. Mit rund 725 Millionen Euro entfiel der größte Anteil auf die Deutsche Bank. Zuletzt verhängte Brüssel im Mai 2021 gegen die Großbanken Nomura, UBS und Unicredit Geldstrafen von 371 Millionen Euro. Das Trio und weitere Kartellanten sollen sich von 2007 bis 2011 über sensible Daten ausgetauscht haben.

          Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Textes stand, die Schweizer Investmentbank UBS habe rund 11,2 Milliarden Dollar an Geldstrafe wegen falscher Angaben zu Auktionsanleihen gezahlt. Das ist nicht korrekt. Die UBS musste unverkäuflich gewordene Auktionspapiere im Wert von 11 Milliarden Dollar von Anlegern übernehmen und stimmte einer Geldstrafe in Höhe von 150 Millionen Dollar zu. 

          Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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