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Steuersparmodelle : Spiel mir das Lied vom Tod der Medienfonds

  • -Aktualisiert am

Uwe Boll: „Jetzt backen wir erst mal kleinere Brötchen” Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Uwe Boll ist Fondsinitiator, Filmproduzent und Amateurboxer. Am liebsten spielt er aber die Rolle des Filmregisseurs. Steuersparer finanzierten lange Jahre seine Traumfabrik. Doch dann kam das Aus für Medienfonds.

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          Uwe Boll hat in den vergangenen fünf Jahren nichts ausgelassen. Er hat Finanzberater umgarnt, Hollywood-Stars gebändigt, Kritiker verprügelt und Steuersparer als Statisten in seinen Filmen eingesetzt - vorzugsweise als Sklaven.

          Uwe Boll ist Fondsinitiator, Filmproduzent, Amateurboxer, abgebrochener Betriebswirt und promovierter Literaturwissenschaftler. Am liebsten spielt er aber die Rolle des Filmregisseurs. Und so sitzt das 41 Jahre alte Multitalent in diesen Tagen in seiner Villa am Stadtrand von Mainz, schaut sich die Werbetrailer zu seinen gerade abgedrehten Streifen an - und bereitet die nächsten drei vor. Dann ist das Geld erst einmal alle.

          Bis zu 40 Prozent Verlust

          267 Millionen Euro hat Boll über die Jahre in elf Medienfonds eingesammelt. Es war eine Geldmaschine, die ihm wie ein Geschenk des Himmels vorgekommen sein muss. Er konnte sich dank des deutschen Steuerrechts seinen Traum vom Filmemachen erfüllen - weit weg von der staatlichen Filmförderung und ihren Früchten, für die er nur Verachtung übrig hat. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital erschien sogar nebensächlich. Wenn nur die Aussicht bestand, dass das eingezahlte Geld irgendwann wieder zurückfloss, war das offenbar schon eine gute Sache für die Anleger.

          Selbst Verluste von bis zu 40 Prozent waren in Einzelfällen zu verschmerzen - durch den Effekt der Nachsteuerrendite. Die Einzahlungen in Medienfonds konnten nämlich zu 100 Prozent als Verlustvortrag von der Steuer abgesetzt werden. So ließ sich beispielsweise für Anleger mit einem stark schwankenden Einkommen eine attraktive Nachsteuerrendite erzielen. Sie mussten nur ihre zu versteuernden Einnahmen über das Vehikel Medienfonds in eine Zukunft transferieren, in der die zu versteuernden Einnahmen deutlich geringer ausfallen.

          Das Aus für Medienfonds

          Aus und vorbei - seit November 2005 ist das letzte große Schlupfloch im deutschen Steuerverschieberecht geschlossen. Von einen Tag auf den anderen hat ein Milliardenmarkt seine Existenzberechtigung verloren. Im Schlussverkauf 2005 plazierten alle Medienfonds noch einmal Anteile im Volumen von einer Milliarde Euro. In der gerade veröffentlichten Absatzstatistik geschlossener Fonds für 2006 findet sich nur noch ein Restposten von 40.000 Euro.

          Dabei brachten Medienfonds zur Finanzierung von Filmen und Fernsehserien einen gewissen Glamour in den grauen Alltag der Steuersparmodelle. Hollywood und Finanzamt: Das war nicht nur ein krasser Gegensatz, sondern auch ein spannender Konflikt - den schließlich das Finanzamt zu seinen Gunsten entschied. Die letzten Rückzugsgefechte mit den Steuerbehörden werden gerade geführt. Zwei Produkten des einst bedeutendsten Medienfondsanbietern im Lande, der Münchener Firma VIP, droht im Nachgang die Aberkennung der Steuervorteile. Betroffen ist ein Fondsvolumen von über 600 Millionen Euro. Auch für den letzten Boll-Fonds ordnete das Finanzamt Köln kürzlich an, die Verluste über zweieinhalb Jahre zu strecken. Anleger, die 2005 Verluste für ihre Steuererklärung brauchten, dürften so etwas alles andere als lustig finden. Der Einspruch läuft gerade.

          „Jetzt backen wir erst mal kleinere Brötchen“

          Boll war in der Welt der Medienfonds ein Außenseiter. Die Wettbewerber reizte er gern bis aufs Blut, indem er ihnen fragwürdiges Geschäftsgebaren vorwarf. Er fiel aber auch auf, weil er eben nicht nur als Fondsinitiator bei den Anlegern das Geld einsammelte, sondern es als Regisseur auch selbst wieder ausgab. Spezialisiert hatte er sich dabei auf die Verfilmung von Computerspielen. Der Erfolg von blutrünstigen Werken wie „Alone in the dark“ oder „Bloodrayne“ an der Kinokasse hielt sich allerdings in Grenzen. Bolls Anleger dürfen aber hoffen, dass noch ein bisschen Geld über die DVD-Vermarktung hereinkommt - und dass die neuen Filme ansehnlicher und damit erfolgreicher werden. Schließlich steckt in ihnen mehr Geld.

          Zurück in Mainz auf Heimaturlaub macht Boll nicht den Eindruck, dass mit dem Versiegen der sprudelnden Geldquelle Medienfonds die Welt für ihn zusammenbricht. Das Geld gab ihm die Möglichkeit, mit bekannten Schauspielern wie Burt Reynolds oder Ben Kingsley zu arbeiten. „Jetzt backen wir erst mal kleinere Brötchen“, sagt er. Und so läuft neben der Vorbereitung für die letzten Medienfonds-Filme auch der Aufbau eines neuen Geschäftsmodells. Eine Boll AG wurde ins Leben gerufen, mit dem Namensgeber als Vorstandsvorsitzenden, und an der Börse plaziert - im wenig regulierten Marktsegment Entry Standard. Deren Geschäftszweck ist vor allem die Vermarktung von Filmrechten. „Vielleicht bleibt dabei auch genug hängen, um selbst wieder Filme finanzieren zu können.“

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