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Gefahr für Steuerdaten : Finanzämter sind attraktive Ziele für Hacker

  • -Aktualisiert am

Steuererklärungen enthalten sensibelste Informationen Bild: ddp

Hochsensible und persönliche Finanzdaten sind aus Sicht von Kriminellen und Cyber-Spionen eine verlockende Beute. Ein Finanzpolitiker fordert wirksamere Abwehr.

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          Das Bundesfinanzministerium und die Steuerbehörden der Bundesländer sind aus Sicht von Hackern interessante Angriffsziele. „Regierungsinstitutionen, auch solche im Finanzressort, sind potenzielle Ziele von Cyberangriffen staatlicher und nichtstaatlicher Akteure“, schreibt das Bundesministerium der Finanzen Mitte März in einer Antwort auf eine Anfrage von Abgeordneten der FDP-Bundestagsfraktion.

          Mark Fehr

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aus Sicht des Finanzpolitikers Markus Herbrand (FDP) tut die Regierung zu wenig, um die Finanzbehörden vor Gefahren zu schützen. „Der Hoheitsbereich des Finanzministers ist ein Filetstück für Internetkriminelle und staatliche Spionage und gehört zu den besonders von Cyberangriffen gefährdeten Geschäftsbereichen der Bundesregierung“, sagte Herbrand der F.A.Z.

          Folgenschwerer Angriff

          Der Bundestagsabgeordnete bemängelt vor allem, dass es keine nennenswerte Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern gebe, um Gefahren abzuwehren. So habe die Bundesregierung nach dem folgenschweren Cyberangriff auf die Finanzverwaltung in Niedersachsen im Januar sich weder nach der Situation erkundigt noch Hilfe angeboten.

          Zu den Zielen möglicher Angriffe könnten laut Antwortschreiben der Bundesregierung die hochsensiblen personenbezogenen Daten der Finanzämter zählen, aber auch die auf Ebene der obersten Bundesbehörden liegenden Erkenntnisse über die nationale und internationale Steuer- und Haushaltspolitik.

          Details über möglicherweise besonders sensible oder gefährdete Informationen und Datenbanken wollte die Bundesregierung nicht nennen, um Angreifern keine weiteren Hinweise auf aus deren Sicht lohnende Ziele zu geben. Jedoch nannte die Regierung beispielhaft zwei wichtige Verfahren des Bundesfinanzministeriums. Dabei handele es sich um die beiden Systeme für die Personal- und die Dokumentenverwaltung. So träfe ein Ausfall des Personalverwaltungssystems die Beschäftigten in den Behörden persönlich, da dieses etwa die Vergütung und Besoldung, Arbeitszeiten, Fortbildung oder den Arbeitsschutz erfasse.

          Schutz vor Trojanern

          Die Sicherheit der Informations- und Kommunikationssysteme ist laut der Antwort der Bundesregierung von hoher Bedeutung für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland. Das im Jahr 2015 geschaffene IT-Sicherheitsgesetz sehe daher unter anderem Maßnahmen zum Schutz der Bundesbehörden vor. Das setze die Bundesregierung mit präventiven Maßnahmen um und entwickele diese ständig weiter. Genannt werden etwa Systeme, die Schadsoftware und Angriffe erkennen sollen.

          Da sich die Rahmenbedingungen ständig änderten, müssten auch die Schutzmaßnahmen ständig angepasst und ergänzt werden. Das zeigt sich etwa mit Blick auf das System Elster, mit dem Bürger und Unternehmen Steuererklärungen elektronisch an die Finanzämter schicken. Die Daten werden laut Bundesregierung verschlüsselt übertragen, zudem werde ständig geprüft, ob die dafür genutzten Algorithmen die Vorgaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erfüllen.

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