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Scherbaums Börse : Die verwirrende Börsenrally

  • -Aktualisiert am

Die Dax-Kurve schlängelt sich über eine Anzeigetafel: Auf über 12.000 Punkte ist der deutsche Leitindex schon gestiegen. Bild: dpa

Der Dax klettert weiter in Richtung Allzeithoch, während das Gros der deutschen Konzerne es kaum wagt, wegen der Corona-Krise eine seriöse Prognose für das laufende Jahr abzugeben. Was sollen Anleger von einer solchen Börse halten?

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          Stellen Sie sich vor, es ist Weltwirtschaftskrise und keiner geht hin. So oder so ähnlich ist seit Wochen die Stimmung an den Aktienmärkten wohl einzustufen. Der deutsche Dax hat diese Woche die 12.000er-Marke wieder geknackt. Überhaupt scheint sich das bekannteste deutsche Börsenbarometer prächtig vom Corona-Crash erholt zu haben. Dass die deutsche Crème de la Crème der Wirtschaft (nur) mit Milliarden-Krediten im Dax am Leben erhalten wird, wie es bei Tui oder Lufthansa passiert, scheint keinen so recht zu interessieren.

          (R)eine technische Börsenrally

          Anders ist es nicht zu erklären, dass der Dax zur Wochenmitte den Sprung wieder über die bei 12.111 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie geschafft hat und sich somit per Definition wieder im laufenden Aufwärtstrend befindet. Das Februar-Allzeithoch bei 13.795 Zählern ist zwar noch weit, aber für viele nicht zu weit entfernt. Liegt es nur wieder einmal an der kombinierten Geldschwemme seitens der EZB und natürlich dem 130-Milliarden-Konjunkturpaket aus Berlin? Wohl nicht nur.

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          Denn diese Rally wird wohl auch von vielen technischen und nicht von fundamentalen Faktoren getrieben. Ihren Ursprung hat diese im April zum großen Teil im sogenannten Short-Covering von Futures, die Investoren anstelle von Optionen verwendet hatten, „da die Absicherungskosten aufgrund des hohen Niveaus der impliziten Volatilität und der inversen VIX-Terminkurve sehr kostspielig waren“, wie Guilhem Savry, Marktexperte des schweizerischen Vermögensverwalters Unigestion erklärt. „Ende März und Anfang April stiegen die Aktienindex-Futures auf Indizes wie den Euro Stoxx 600 und den S&P 500 sprunghaft an, aber die offenen Zinspositionen gingen zurück, was den Short-Squeeze-Effekt bestätigte.“

          Der Tech-Faktor

          Ein weiterer Faktor für den allgemeinen Kursaufschwung ist die scheinbar unendlich gehende Fokussierung der Anleger auf die FAANG-Aktien (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und die Google-Mutter Alphabet). Ende April haben diese nach einer Analyse von Unigestion neun Prozent der MSCI AC-Weltmarktkapitalisierung, aber zehn Prozent der Gewinne der nächsten zwölf Monate ausgemacht.

          Viele fürchten schon die nächste Technologieblase auf uns zukommen. Experten sagen nein und verweisen auf die grandiosen Zahlen des Technologiesektors seit dem Jahr 2010, wonach dieser eine durchschnittliche Bruttomarge von 21 Prozent gehalten hat, gegenüber 13 Prozent für den S&P 500. Dass die Margen sich drastisch verschlechtern, scheint in diesem Sektor erst einmal unwahrscheinlich zu sein.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.

          Denn genau dieser Sektor ist vielen anderen weit voraus. Während die Corona-Krise in vielen klassischen Branchen längst überfällig gewordene Strukturreformen erzwingt, haben die Tech-Konzerne diesen Schritt schon sehr früh vollzogen und profitieren zudem gleichzeitig als Lösungsanbieter vom steigenden Handlungsdruck bei anderen Unternehmen, die eben diese essentiellen Schritte bisher „verpasst“ haben.

          Hinzukommt, dass viele der Technologieunternehmen auch noch mit guten Fundamentaldaten aufwarten können. Steile Aktienkurse, untermauert von mehr als soliden Fundamentaldaten – aktuell kommt eigentlich kein Anleger an den „teuren“ Aktien von Alphabet, Amazon, Apple, Facebook und Netflix oder Microsoft sowie den anderen „Techis“ vorbei.

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