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Scherbaums Börse : Die verwirrende Börsenrally

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Erst diese Woche hat der aufsteigende Videokonferenz-Dienst Zoom mit seiner jüngsten Bilanz aufhorchen lassen. Im Ende April abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich von 122 auf 328 Millionen Dollar. Unterm Strich blieben rund 27 Millionen Dollar Gewinn übrig – nach nur rund 200.000 Dollar ein Jahr zuvor.

Zoom Video Communications

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Der Aktienkurs legte auf Jahressicht mehr als 200 Prozent zu. Schon gelaufen? Das haben viele Anleger in der Vergangenheit auch stets bei Amazon und Apple gesagt. Am Ende könnte Zoom das nächste Beispiel sein, wie ein Unternehmen vom Nischen-Anbieter zum ganz großen Börsen-Player wird.

Die (falschen) Anlegererwartungen

Das Beispiel von Zoom zeigt, dass es an der Börse zu jeder Phase Gewinner gibt. Aber gerade deutsche Anleger scheinen da eher verschlossen zu sein. Sie sind eher (zu) vorsichtig – zumindest wenn man das aktuelle Krisenbarometer von JP Morgan Asset Management sieht. Die Deutschen blicken demnach sehr realistisch in die ökonomische Zukunft: Ihre Erwartungen, wie schnell sich die Wirtschaft nach der Corona-Krise wieder erholt, sind angesichts der wieder munter steigenden Börsenkurse fast schon als pessimistisch zu bezeichnen, so Matthias Schulz, Experte bei JP Morgan Asset Management.

Aktuell erwartet rund ein Drittel (33 Prozent) eine L-förmige Wirtschaftsentwicklung, da die Auswirkungen der Corona-Krise noch jahrelang zu spüren sein sollten. Fast genauso viele Befragte (31 Prozent) sehen eine W-förmige Entwicklung mit weiterhin starken Marktschwankungen voraus. Etwa jeder Vierte (24 Prozent) erwartet eine U-förmige Erholung, also dass die Rezession zwar eine Weile anhält, es dann aber wieder steil nach oben geht. Laut Schulz sind die Erwartungen der Privatanleger fast etwas zu pessimistisch, denn es gilt, aktuelle, zyklische Themen nicht mit langfristigen, strukturellen Problemen und Auswirkungen zu vermischen.

Der „richtige“ Einstiegszeitpunkt

Eine der wichtigsten Fragen für Anleger ist immer mit dem einen W-Wort verbunden. Wann ist der beste Einstiegszeitpunkt? Mit 64 Prozent sind sich rund zwei Drittel der Befragten sicher, dass dieser noch vor dem Ende der Rezession liegt, da sich die Börsen erfahrungsgemäß schneller als die Wirtschaft erholen. Etwas vorsichtiger wollen es 37 Prozent der Befragten angehen, die investieren wollen, wenn die Rezession beendet ist und die Wirtschaft wieder „brummt“.

Erfahrene und langfristig orientierte Anleger werden sich diese Frage erst gar nicht (mehr) stellen. Denn auf Sicht von zehn, 15 oder 20 Jahren erscheint der Zeitpunkt eines Aktien-Investments mehr als relativ zu sein. „In der Theorie wissen die Privatanleger also, wann der beste Investitionszeitpunkt ist. In der Praxis fühlen sich allerdings erfahrungsgemäß die meisten erst dann wieder wohl an der Börse, wenn auch das Wirtschaftswachstum wieder anzieht – auch wenn dann in den Kursen schon ein Teil der Erholungsbewegung vorweggenommen ist“, sagt auch Matthias Schulz.

Es braucht also in der aktuellen Börsenzeit weder eine starre „Cash is King“-Strategie, noch ein Verpasst-Gefühl, dass mit der Angst einhergeht, eine Rally zu verpassen. Spätestens wenn es zu einer zweiten Corona-Welle kommt, wird es spannend zu sehen, wie das Gros der Anleger reagieren wird.

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Unser Autor: Oliver Georgi

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