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Steigende Verschuldung : Sorge um Dollar lastet auf asiatischen Schwellenländern

Blick auf die Skyline von Singapur. Bild: Ferry Tan/Arcaid/laif

Zinsspekulationen könnten durch Verschiebungen im Devisenmarkt gefährlich werden: Die Angst vor einer neuen asiatischen Finanzkrise wie in 1997 und 1998 steigt.

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          Die Sorgen um die finanzielle Lage der Schwellenmärkte in Asien steigen. Denn deren Verschuldung in Fremdwährung, traditionell vor allem Dollar, legt weiter kräftig zu. Damit steigt das Risiko, wenn der Außenwert des Dollar gegenüber den asiatischen Währungen anzieht. Somit wachsen in gleichem Maße auch die Kosten für Rückzahlung und Zinsen für Kredite, bemessen in den lokalen Währungen. Dieses Ungleichgewicht war neben strukturellen Defiziten schon der Auslöser der asiatischen Finanzkrise 1997 und 1998.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die jüngsten Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausglech (BIS) zeigen, dass die Dollarverschuldung von Regierungen und Unternehmen der Schwellenländer im ersten Quartal um 8,9 Prozent auf 3,68 Billionen Dollar gestiegen ist. Diejenige in Euro liegt bei umgerechnet 790 Milliarden Dollar, die in Yen bei nur 70 Milliarden Dollar.

          In allen drei Leitwährungen bemessen beträgt der Schuldenstand der asiatischen Schwellenländer nun 1,56 Billionen Dollar. Die Dollar-Kredite dieser Gesamtsumme machen 1,42 Billionen aus. Die großen Anteile daran halten China mit 641 Milliarden Dollar, gefolgt von Indien, der größten südostasiatischen Volkswirtschaft Indonesien, Südkorea und Malaysia. Anleihen machen dabei 52 Prozent der weltweiten Dollar-Schulden aus.

          Warnung vor Carry-Trades und „Junk-Bonds“

          Die Mitsubishi Bank warnt, dass sogenannte Carry-Trades bei den Schuldnern besonders beliebt seien. Dabei nimmt ein Spekulant einen Kredit in einer Währung mit niedrigem Zinsniveau auf, um davon Zinspapiere wie Anleihen in einer anderen Währung mit höheren Zinsen zu kaufen. In der Zinsdifferenz liegt seine Marge. Die Rechnung geht aber nur dann auf, wenn es zu keiner raschen Veränderung der Wechselkurse kommt, bevor er die Rückzahlung abgeschlossen hat.

          Die Bank warnt insbesondere vor sogenannten „Junk-Bonds“, Anleihen die aufgrund eines hohen Risikos mit hohen Zinsen locken. Der drohende weitere Zinsanstieg in Amerika auf der einen Seite, eine durch die von Washington verhängten Zölle erzwungene Abwertung des chinesischen Yuan auf der anderen Seite könnte den Spekulanten nun einen Strich durch die Rechnung machen. Denn wenn die Chinesen den Außenwert ihres Yuan weiter sinken lassen, werden die anderen asiatischen Währungen wohl nachziehen, weil die Exportnationen auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig bleiben wollen.

          Dabei wies der Nikkei Asian Review gerade darauf hin, dass in diesem Jahr besonders viele Anleihen fällig seien. „Dieses Jahr ist eines der geschäftigsten mit Blick auf die Rückzahlung seit dem Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers. Bis zum Ende des Jahres sind weitere 365 Milliarden Dollar fällig. Wie eng das wird zeigt sich daran, dass wir seit Jahresbeginn bis heute schon mindestens 20 geplatzte Anleihen verzeichnen, so viele, wie im gesamten Jahr 2017.“

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