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Deutsche Großbank : Steht die Bankenfusion bis Ostern?

  • -Aktualisiert am

Was wird nun aus Deutscher Bank und Commerzbank? Bild: AFP

Ein Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank entfacht keine Euphorie, nicht mal bei den Akteuren selbst. Trotzdem nimmt das Projekt Fahrt auf.

          Als Paul Achleitner, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, am Montag von Berlin nach Frankfurt flog, erkannte ihn der Sitznachbar im Flieger und stellte sich als langjähriger Kunde vor. „Ich habe eine ganz klare Meinung zu dem Thema Commerzbank“, sagte der Mann nach der Begrüßung: „Ich halte davon gar nichts.“

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Achleitner daraufhin: „Das ist genau das Problem: Jeder hat eine klare Meinung dazu – nur ich nicht, denn ich kenne die Fakten noch nicht.“

          Fünf Arbeitstage später, nach der ersten Woche mit offiziellen Verhandlungen über die Fusion der beiden Banken, sind für die Eingeweihten ein paar Fakten mehr auf dem Tisch, die Meinung draußen in der Welt freilich hat sich nicht verändert. „Gar keine gute Idee“ – das sagen die Wirtschaftsweisen, das sagt die Börse, das sagen wichtige Eigentümer. „Welches Problem soll hier gelöst werden?“, ätzte etwa Philipp Hildebrand vom Großaktionär Blackrock, was die Gewerkschaften in ihrem Protest gegen das Vorhaben erst recht bestärkt.

          Für kommende Woche ruft Verdi die Mitglieder auf die Straße zu Demos und Warnstreiks. Jeden Tag in einer anderen Stadt, da eine Fusion, soll sie sich halbwegs rechnen, bis zu 30.000 Stellen kosten würde.

          Auch in der Commerzbank backen sie kleine Brötchen

          Und Paul Achleitner? Ist der heute klüger? Am Donnerstag tagten die Aufsichtsräte beider Konzerne, im Fall der Deutschen Bank bis zum frühen Abend, ohne dass Vorstandschef Christian Sewing sich in Euphorie für eine Fusion geredet hätte. Sein „Plan A“ bleibt die Selbständigkeit. Für „Plan B“, den Zusammenschluss mit der Commerzbank, verwendete er in seiner Präsentation gerade mal zwei Folien, die bevorzugte Solo-Alternative wurde mit einem guten Dutzend Folien abgehandelt.

          Geschäftsbereich für Geschäftsbereich legte Sewing den Kontrolleuren dar, wie er die Deutsche Bank zu neuer Stärke führen möchte: Als die Nummer eins im Zahlungsverkehr, als führende Plattform für Währungen, als potenter Partner für Firmenkunden.

          An den finanziellen Anreizen für so viel Aufstieg fehlt es nicht, wie der Vergütungsbericht der Bank offenbart: 643 Angestellte, die allermeisten davon Investmentbanker, haben 2018 mehr als eine Million verdient. Ihr Sparten-Chef Garth Ritchie, der Südafrikaner, der eher ungern nach Deutschland fliegt, knapp neun Millionen Euro, davon allein drei Millionen dafür, dass er sich um den Brexit kümmert. In anderen Firmen ist das mit dem Fixgehalt abgegolten.

          Auch in der Commerzbank backen sie, verglichen damit, kleine Brötchen. Ein Zusammengehen von Blauen und Gelben ist nicht nur wegen dieser kulturellen Unterschiede keineswegs ausgemacht. „Ergebnisoffen“ ist das Lieblingswort Sewings, wenn er über die Verhandlungen redet, zu denen die beiden Konzerne jetzt die Tür für Teams der Gegenseite geöffnet haben, um sich gegenseitig in die Bücher zu schauen.

          Diese Phase sei „so kurz wie möglich zu halten“, versprach Commerzbank-Chef Martin Zielke seinen Leuten. Im Moment stellt sich der Zeitplan etwa so dar: Bis Ostern soll das Abtasten enden, dann müssten die Chefs Farbe bekennen: hopp oder Flop. Vier Wochen später, im Mai, könnten dann die Aktionäre auf den jeweiligen Hauptversammlungen über eine Fusion abstimmen.

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