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Berkshire-Portfolio : Warum Warren Buffett an Apple-Aktien klebt

  • -Aktualisiert am

Nah am Köper: Ein Nutzer trägt den AirPod-Kopfhörer von Apple. Bild: Getty

An der Börse bricht der Technologiekonzern Apple Rekorde. Analysten wetten auf ein starkes Weihnachtsgeschäft – nicht nur mit iPhones.

          3 Min.

          Warren Buffett dürfte zu Weihnachten nicht um Geschenkideen für seine Großenkel verlegen sein. Ein neues iPhone von Apple vielleicht oder zumindest die neueste Version des kabellosen AirPod-Kopfhörers müssten schon drin sein. Der 89 Jahre alte Starinvestor und Multimilliardär ist das den Sprösslingen jedenfalls schuldig. Er bezeichnet das iPhone als sehr „sticky“, also als ein Produkt, an dem die Besitzer kleben oder haften.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Buffett, der vor ein paar Jahren über eine größere Beteiligung an dem kalifornischen Technologiekonzern nachdachte, hatte damals zunächst bei seinen Großenkeln nachgefragt, wie sie ihre iPhones nutzen. „Das Ausmaß, wie sich ihr Leben darum dreht, ist riesig“, urteilte der Starinvestor aus der Provinzmetropole Omaha und verdoppelte Anfang 2017 die Anteile von Apple im Aktienportfolio seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway. Damals kostete eine Apple-Aktie rund 120 Dollar. In dieser Woche ist der Aktienkurs nach besser als erwartet ausgefallenen Quartalsergebnissen auf einen Rekordwert von mehr als 250 Dollar geklettert – also mehr als doppelt so hoch. Allein in diesem Jahr ist der Apple-Kurs um rund 60 Prozent gestiegen.

          Apple hat damit auch wieder den Software-Konzern Microsoft als wertvollste amerikanische Aktiengesellschaft abgelöst. Apple und Microsoft sind aber weiterhin die einzigen Titel an der Wall Street, deren Börsenwert 1 Billion Dollar übertrifft. Die Konzerne sind damit rund siebenmal so viel wert wie der deutsche Softwarekonzern SAP, das mit Abstand wertvollste Unternehmen im deutschen Aktienindex Dax.

          Die größte Position im Portfolio

          Apple ist eine Aktie der Superlative. Buffett hat die Anteile sukzessive aufgestockt und mit einem Wert von mehr als 60 Milliarden Dollar sind die Apple-Aktien jetzt die größte Position im Berkshire-Portfolio. Die Beteiligung ist mehr als doppelt so viel wert wie die zweitgrößte Position, ein Aktienpaket der Bank of America.

          Buffett war immer dafür bekannt, dass er um Technologieaktien einen großen Bogen macht, auch wenn er im Rückblick bedauert, nicht früh genug bei anderen Technologieriesen wie dem Online-Händler Amazon eingestiegen zu sein. „Wenn zu viel Technologie dabei ist, werden wir es nicht verstehen“, sagt Buffett gerne. Aber Buffett sieht Apple auch weniger als ein Technologieunternehmen, sondern mehr als eine auf Verbraucher zielende starke Marke. Darin ähnelt Apple anderen, eher typischen Berkshire-Beteiligungen wie dem Getränkeriesen Coca-Cola oder dem Kreditkartenkonzern American Express.

          Buffett hat mit der Recherche bei seinen Enkeln auch verstanden, dass das iPhone zwar der größte Umsatzbringer von Apple ist, der Konzern aber um diesen Kern eine Reihe anderer immer populärer werdender Produkte und Dienstleistungen eingeführt hat – etwa die AirPod-Kopfhörer, die Computer-Uhr Apple Watch oder den Bezahldienst Apple Pay sowie die Musikplattform Apple Music. Auch in Omaha ist es daher nicht ungewöhnlich, dass jemand in einem Laden beim Einkaufen mit aus dem Ohr hängenden weißen Stiften Musik hört und dann einfach sein mit Apple Pay ausgerüstetes iPhone an die Kasse hält, um zu bezahlen. Buffett, der sehr langfristig investiert, bezeichnet das als „Ökosystem“ von Apple. „Ich sehe, wie außergewöhnlich stark das Ökosystem ist“, hat Buffett einmal in einem Fernsehinterview öffentlichkeitswirksam betont. „Man ist, zumindest psychologisch und mental, sehr von dem Produkt eingenommen.“

          Das jüngste Quartal von Apple bestätigte diesen langfristigen Trend, auch wenn Buffett seine Entscheidungen nicht von quartalsweisen Schwankungen abhängig macht. Der Umsatz mit dem iPhone fiel zwar um 9 Prozent auf 33,4 Milliarden Dollar. Aber in der Dienstleistungssparte, dem zweitwichtigsten Geschäftsbereich von Apple, stieg der Umsatz um 18 Prozent auf 12,5 Milliarden Dollar. Apple baut das Angebot weiter aus und startete am Freitag den Online-Videodienst „Apple TV+“ in Konkurrenz zu Netflix und dem Videodienst von Amazon. In der Sparte „Wearables“, zu denen die am Körper „tragbaren“ Kopfhörer und Uhren gehören, stieg der Umsatz um 54 Prozent auf 6,5 Milliarden Dollar. Damit machte Apple in dieser Sparte fast so viel Umsatz wie mit seinen Macintosh-Computern, für die der Konzern vor der Einführung des iPhone vor zwölf Jahren am ehesten bekannt war.

          Insgesamt wies Apple ein Umsatzplus von 2 Prozent auf 64 Milliarden Dollar aus. Der Nettogewinn ging aufgrund gestiegener Kosten um 3 Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar zurück. Apple übertraf mit diesen am Mittwoch nach New Yorker Börsenschluss präsentierten Zahlen die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten an der Wall Street. Der Aktienkurs reagierte am Donnerstag entsprechend mit einem starken Kurssprung von mehr als 2 Prozent und legte am Freitag im frühen Handel weiter deutlich zu.

          Einige Analysten erhöhten nach den Quartalszahlen umgehend ihre Kursziele für die Apple-Aktien. Tom Forte vom Wertpapierhaus D.A. Davidson kalkuliert jetzt mit einem Aktienkurs von 300 Dollar – damit unterstellt er einen potentiellen Kursgewinn von nicht weniger als rund 20 Prozent für die im Dow-Jones-Index vertretenen Titel.

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