https://www.faz.net/-gv6-8vkvj

Großbritannien : Ein neuer Fondsriese entsteht

Groß, aber trotzdem zu klein um mithalten zu können: der schottische Versicherer Standard Life. Bild: AFP

Zwei schottische Vermögensverwalter wollen sich zusammen schließen. Sie reagieren auf den zunehmenden Druck schier allmächtiger Konkurrenten.

          2 Min.

          In Großbritannien soll einer der größten europäischen Vermögensverwalter entstehen. Der Finanzkonzern Standard Life will dafür die Fondsgesellschaft Aberdeen Asset Management im Rahmen eines Aktientauschs übernehmen. Zusammen würden die beiden schottischen Finanzhäuser Vermögenswerte von rund 660 Milliarden Pfund (767 Milliarden Euro) verwalten und kämen auf einen rechnerischen Börsenwert von gut 11 Milliarden Pfund.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Standard Life und Aberdeen Asset Management bestätigten die Verhandlungen am Wochenende, nachdem britische Medien über die bevorstehende Transaktion berichtet hatten. Die Verhandlungen seien aber noch nicht abgeschlossen und könnten noch scheitern.

          Arbeitsplätze bedroht

          Mittelgroße Vermögensverwalter wie die beiden schottischen Konzerne sind in den vergangenen Jahren zunehmend unter Druck durch größere Rivalen wie Blackrock und Vanguard geraten. Vor allem Aberdeen Asset Management leidet seit Jahren unter erheblichen Abflüssen von Kundengeldern. Das Unternehmen konzentriert sich traditionell vor allem auf Geldanlagen in Schwellenländern. Standard Life hat in den vergangenen Jahren versucht, neben seinem angestammten Lebensversicherungsgeschäft im Fondsgeschäft zu expandieren.

          In der gemeinsamen Mitteilung heißt es, der geplante Schulterschluss biete „eine überzeugende, strategische und finanzielle Logik“. Die beiden Unternehmen hätten „unterschiedliche, aber sich ergänzende Strategien“. Offensichtlich sehen sie aber auch große Kostensenkungspotentiale: Die Aktionäre könnten mit „einem materiellen Wertzuwachs“ durch „erhebliche Synergiepotentiale“ rechnen, heißt es in der Mitteilung weiter.

          Damit dürften auch Arbeitsplätze bedroht sein. Standard Life beschäftigte zuletzt rund 8300 und Aberdeen Asset Management gut 2800 Mitarbeiter. Einem Bericht des britischen Fernsehsenders Sky zufolge, wollen die beiden Unternehmen die Kosten gemeinsam um 200 Millionen Pfund im Jahr senken.

          Die Aktionäre von Standard Life sollen 66,7 Prozent des neuen Unternehmens halten. Die Anteilseigner von Aberdeen Asset Management wiederum würden je eigener Aktie 0,757 neue Anteile von Standard Life bekommen. Nach Berechnungen der Finanzdienstes Bloomberg würden sie damit keine Übernahmeprämie im Vergleich zum Börsenschlusskursen vom Freitag erhalten. Standard Life wollte sich nicht näher zu den Bewertungen äußern.

          Das Management des neuen Finanzkonzerns soll weitgehend paritätisch besetzt werden. Vorgesehen ist, dass die beiden Vorstandschefs Keith Skeoch (Standard Life) und Martin Gilbert (Aberdeen Asset Management) die neue Gruppe als Ko-Vorstandschefs führen. Der Verwaltungsratschef von Standard Life, Gerry Grimstone, soll diesen Posten auch bei der neuen Gruppe übernehmen. Sein Stellvertreter würde der bisherige Aberdeen-Verwaltungsratschef Simon Troughton. Im Verwaltungsrat sollen beide Seiten gleich viele Mitglieder stellen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ron DeSantis im August 2021 in Miami

          Ron DeSantis : Wie Trump – aber nicht Trump

          Ron DeSantis weigert sich, eine Präsidentschaftskandidatur 2024 auszuschließen. Dafür müsste er aber wohl erst an Donald Trump vorbei. Der fühlt sich von Floridas republikanischem Gouverneur verraten.
          Insulin-Fläschchen waren schon 1923, also ein Jahr nach den ersten Experimenten am Menschen, bereit zur Auslieferung.

          100 Jahre Insulin : Wie sieht die Diabetes-Behandlung der Zukunft aus?

          Als die Insulin-Therapie vor hundert Jahren erfunden wurde, sprachen viele von Magie: Seither rettete das Hormon Millionen Menschen. Dennoch haben viele Diabetiker haben keinen Zugang zur lebensrettenden Arznei. Was bringt die Zukunft?