https://www.faz.net/-gv6-aad9j

Vermögensanlage : Staatsfonds wagen mehr Risiken

Staatsfonds fühlen sich an der Wall Street in New York besonders wohl. Bild: dpa

Die Anlagevehikel für staatliche Vermögen haben den Corona-Crash genutzt, um günstig Aktien zu erwerben. Auch die Beteiligungen an Unternehmen gewinnen an Gewicht.

          2 Min.

          Die Staatsfonds sind in der Corona-Krise deutlich risikobereiter geworden. Das ist das Ergebnis einer am Montag veröffentlichten Studie, die der amerikanische Wertpapierverwahrer State Street zusammen mit dem Internationalen Forum für Staatsfonds (IFSWF) erstellt hat. Demnach haben die staatlichen Anlagevehikel, die zusammen ein Vermögen von mehr als 38 Billionen Dollar verwalten, vor allem ihre Aktienquote erhöht. Damit haben sie die günstigen Kurse nach dem Corona-Crash im März 2020 für einen günstigen Einstieg genutzt.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Langfristig orientierte Anleger haben in allen Anlageklassen risikofreudige Umschichtungsentscheidungen getroffen, indem sie ihre Barbestände reduziert und das Aktienengagement erhöht haben. Gleichzeitig haben sie ihre Portfolios weiter diversifiziert, indem sie vermehrt in private Anlageformen investiert haben“, erklärt Neill Clark, Europa-Chef von State Street Associates, der Research-Einheit des Wertpapierverwahrers.

          Anfang 2020 waren die Anlagevehikel für Staatsvermögen noch sehr vorsichtig gestimmt. Die Barbestände hatten den höchsten Stand seit der Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 erreicht. Der Studie zufolge hat vor allem der Public Investment Fund von Saudi-Arabien die Entwicklung zu mehr Risiken vorangetrieben. Dieser hat sich im zweiten Quartal 2020 in den Sektoren Energie und Finanzdienstleistungen engagiert.

          Nach den IFSWF-Daten haben die Staatsfonds im vergangenen Jahr an öffentlichen Märkten 30 direkte Investitionen in Höhe von insgesamt 7,4 Milliarden Dollar in Technologie- und Kommunikationsunternehmen vorgenommen. Das ist deutlich mehr als in den beiden Vorjahren: 2019 waren es 22 Transaktionen im Volumen von 2 Milliarden Dollar und 2018 zwölf Beteiligungen für insgesamt 1 Milliarde Dollar.

          Höheres Engagement in Amerika

          Darüber hinaus haben die Staatsfonds vor allem ihre Bestände an amerikanischen Aktien aufgestockt, und zwar um 16 Milliarden Dollar nach 2 Milliarden Dollar 2019. Auch hier trug der saudi-arabische Staatsfonds PIF durch sein antizyklisches Verhalten im Frühjahr 2020 entscheidend bei. Dagegen wurde das Engagement in den als wachstumsstark geltenden Schwellenländern zurückgefahren. In Kontinentaleuropa ging es leicht nach oben, während sich die Aktieninvestitionen in Großbritannien aufgrund des Brexits und der Corona-Schäden rückläufig entwickelten.

          Jedoch haben die Staatsfonds dort ihre Investitionen auf 4,4 Milliarden Dollar gegenüber 2019 mehr als vervierfacht, weil ein Großteil in direkte Unternehmensbeteiligungen (Private Equity) floss. Insgesamt haben sich die Investitionen der Staatsfonds in Unternehmen, die nicht an der Börse gelistet sind, im vergangenen Jahr auf mehr als 50 Milliarden Dollar verdoppelt.

          Weitere Themen

          Klima-Randale gegen HSBC

          Extinction Rebellion : Klima-Randale gegen HSBC

          „Extinction Rebellion“ erregt mit Protesten, Sachbeschädigungen und Blockaden Aufmerksamkeit. Nun haben Aktivisten Fensterscheiben der Großbank HSBC in London beschädigt – als Zeichen gegen eine falsche Investitionspolitik.

          Topmeldungen

          Joe Biden und der Klimagipfel : Die beste Klimapolitik ist global

          Seit 30 Jahren wird mit ambitionierten Politiken auf Staatenebene der Eindruck vermittelt, man verzeichne Fortschritte im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Diese Suggestion gelingt nur, wenn man die entscheidende Kennziffer vernachlässigt.

          Astra-Zeneca-Ablehnung : Zweifel macht wählerisch

          Der Astra-Zeneca-Impfstoff wird für Menschen über 60 empfohlen. Doch die wollen ihn oft nicht haben und bemühen sich lieber um Impfstoffe von Biontech oder Moderna. Haben die Jüngeren deshalb das Nachsehen?
          Boris Johnson am Mittwoch im Unterhaus

          Johnsons Pläne : Kommt die Covid-Pille?

          Der britische Premierminister will den Bürgern mit Hilfe von Impfpässen das Reisen erleichtern. Von Herbst an soll es darüber hinaus eine Pille gegen die Covid-Infektion geben.
          Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki spricht während einer ökumenischen Andacht in Düsseldorf am 20. Februar 2021.

          Kirche und Missbrauch : In Woelkis Schatten

          Beim Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche ging es zuletzt nur noch um Kardinal Woelki und das Erzbistum Köln. Wie gehen andere Bistümer mit Missbrauchsgutachten und Betroffenen um?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.