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Staatsanwalt ermittelt : Prokon-Gründer Rodbertus unter Betrugsverdacht

Prokon-Gründer Rodbertus steht unter Beschuss Bild: dpa

Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt nun gegen den Prokon-Gründer Carsten Rodbertus wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und des Anlagebetrugs.

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          Der Gründer der zahlungsunfähigen Prokon Erneuerbare Energien GmbH, Carsten Rodbertus, ist nun auch offiziell in das Visier der Justiz geraten. Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat ein Ermittlungsverfahren gegen die Verantwortlichen des Unternehmens eingeleitet. „Es besteht ein Anfangsverdacht der Insolvenzverschleppung“, sagte die auf Wirtschaftsdelikte spezialisierte Oberstaatsanwältin Wenke Haker-Alms am Dienstag. Damit bestätigten sich entsprechende Informationen der F.A.Z. Die Staatsanwältin ist neben der Insolvenzverschleppung noch weiteren möglichen Wirtschaftsdelikten auf der Spur. Sie wollte diesbezüglich aber keine Auskünfte geben. Man habe eine Menge von Daten und Unterlagen auszuwerten. Daher werde es mit Sicherheit noch ein Jahr dauern, bis man die Gesamtvorwürfe konkret benennen könne.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Gegen Rodbertus und seine früheren Geschäftsführerkollegen liegen insgesamt mehr als 100 Anzeigen vor. Dem Vernehmen nach geht es dabei neben der Insolvenzverschleppung auch um den Verdacht des Anlagebetrugs. Rodbertus hatte insgesamt mehr als 75000 Anleger zu einer Investition in sein Unternehmen bewegt. Er verkaufte ihnen Genussrechte im Wert von gut 1,4 Milliarden Euro und versprach im Gegenzug Renditen von bis zu 8 Prozent. Doch das Kalkül ging nicht auf. Die Einnahmen aus dem Betrieb von Windparks reichten bei weitem nicht, um die (Kapital-)Kosten zu decken. Im Januar meldete Prokon Insolvenz an.

          Ein vom Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin eingesetztes Team von Spezialisten geht derzeit der Frage nach, ob es sich um Schneeballsystem gehandelt haben könnte, bei dem frisches Anlegergeld für die Ausbezahlung alter Investoren verwendet wurde. Rodbertus hat diesen Verdacht stets zurückgewiesen. Allerdings hat der selbsternannte Ökovisionär, der bis zu seinem Rauswurf am liebsten barfuß durch die Unternehmenszentrale in Itzehoe stiefelte, inzwischen sogar bei einstigen engen Verbündeten jegliches Vertrauen verspielt. Wolfgang Siegel, Vorsitzender des Vereins „Freunde von Prokon“, findet es sehr gut, dass sich die Staatsanwaltschaft nun Rodbertus an die Fersen heftet. „Wir haben uns in Rodbertus getäuscht - und sind jetzt sehr enttäuscht.“

          Siegel wirft dem früheren Prokon-Chef vor, Lügen in die Welt zu setzen. Rodbertus arbeite mit falschen Zahlen und Behauptungen, um bis zur Gläubigerversammlung am 22. Juli möglichst viele Stimmrechtsvollmachten von Genussrechtsinhabern einzusammeln. Wie berichtet, kämpft Rodbertus hinter den Kulissen gegen den Restrukturierungsplan des Insolvenzverwalters. Penzlin wirft Rodbertus seinerseits vor, mit Falschbehauptungen zu arbeiten. Außerdem prüft Penzlin, ob er Schadensersatzansprüche gegenüber Rodbertus geltend machen kann. Siegel, dessen Verein 8500 Mitglieder zählt, glaubt nicht, dass Rodbertus in der Gläubigerversammlung mehr als die Hälfte der Stimmen hinter sich bekommt.

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