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Staatliche Förderbank : Wie die KfW das Corona-Jahr 2021 plant

Schriftzug der KfW an ihrem Hauptsitz in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Über die staatlichen Hilfskredite wurde die Förderbank 2020 zum Retter für viele Unternehmen. Im nächsten Jahr will sie bis zu 80 Milliarden Euro aufnehmen und plant einige Neuerungen.

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          Die staatlichen Corona-Hilfskredite haben dazu geführt, dass die Förderbank KfW so viel Geld ausgereicht hat wie noch nie zuvor. Bei 115 Milliarden Euro lag das Fördervolumen mehr als doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr. Auch in der Refinanzierung ist die Bank dafür neue Wege gegangen. Erstmals hat sie auf Mittel der Europäischen Zentralbank zugegriffen; über das Programm zur „gezielten längerfristigen Refinanzierung des Eurosystems“ (TLTRO) nahm die KfW 13,4 Milliarden Euro auf. Das günstige Angebot der Zentralbank führte dazu, dass die Förderbank über eigene Anleihen rund 10 Milliarden Euro weniger am Kapitalmarkt aufnahm als geplant, wie Tim Armbruster, Treasurer der KfW, am Mittwoch vor Journalisten sagte.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zudem konnte die Förderbank für die Corona-Hilfen auf die Mittel des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesregierung zugreifen. Von den insgesamt 100 Milliarden Euro hat die KfW bislang 38 Milliarden Euro abgerufen. 62 Milliarden Euro seien also noch verfügbar, sagte Armbruster und zeigte sich zuversichtlich, dass das Geld auch für den weiteren Pandemieverlauf reichen werde.

          Längere Laufzeiten, mehr Grün

          Die Nachfrage nach Hilfskrediten habe zuletzt deutlich nachgelassen; viele zugesagte Kredite würden gar nicht abgerufen. Zudem zahlten manche Firmen ihre Kredite vorzeitig zurück. Daher prüfe die KfW gerade, ob sie weitere Mittel aus dem EZB-Programm brauche oder nicht, sagte Armbruster. Der weitere Bedarf an Hilfsmitteln sei aber natürlich sehr schwer vorhersehbar.

          Über Anleihen am Kapital will die KfW im nächsten Jahr 70 bis 80 Milliarden Euro aufnehmen und damit in etwa so viel wie in den vergangenen Jahren. Die Spannbreite ist auch deshalb ungewöhnlich breit gewählt, weil noch nicht klar ist, inwiefern auf die EZB-Mittel weiter genutzt werden. Um dem Interesse von Investoren nach längeren Laufzeiten entgegenzukommen, wird die KfW ihr Euro-Benchmark-Programm um die 15 Jahre laufende Anleihen erweitern. Bislang hatte sie in ihrer Finanzierung stets auf kürzere Laufzeiten gesetzt, weil auch ihre Förderkredite Laufzeiten von höchsten zehn Jahren haben.

          Bis 2050 Treibhausgas-neutral

          Bis zu 10 Milliarden Euro will die KfW im nächsten Jahr über Grüne Anleihen aufnehmen. Darüber finanziert sie zum Beispiel die Förderung erneuerbarer Energien oder energieeffizienten Bauens. Im ablaufenden Jahr hat die Bank 8 Milliarden Euro über Grüne Anleihen aufgenommen. Wegen des wachsenden Angebots an Grünen Anleihen schauten Investoren zunehmend auf die Emittenten, sagte Karl Ludwig Brockmann, der Nachhaltigkeitsbeauftragte der KfW. Daher habe die Bank ihrem Verwaltungsrat um Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gerade einen Plan vorgelegt, wie sie ihre Klimafreundlichkeit besser nachweisen könne. So soll bei Kreditneuzusagen künftig immer geprüft werde, ob sie mit den Pariser Klimazielen kompatibel seien. Bis zum Jahr 2050 strebt die Bank ein Treibhausgas-neutrales Kreditportfolio an. Für die zuletzt in Mode gekommenen Social Bonds für Investitionen in soziale Projekte hat die KfW keine Pläne.

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