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Musik-Streaming : Spotifys Börsenerfolg muss sich noch zeigen

Die richtige Beflaggung: Amerikanisch und schwedisch. Bild: Reuters

Die Spotify-Aktie ist an ihrem ersten Handelstag mit einem deutlichen Kursgewinn gestartet. Danach aber sank dieser doch deutlich. Wollen andere Spotifys Vorgehen wirklich nachahmen?

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          Der Börsengang des größten Musikstreaming-Dienstes der Welt, Spotify, scheint am Dienstag zumindest vordergründig gelungen zu sein. Nachdem die New Yorker Börse kurz vorher einen Referenzpreis von 132 Dollar je Aktie festgelegt hatte, lag der Eröffnungskurs dann bei 165,90 Dollar.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Ende des Tages ging die Aktie allerdings nur noch mit 149,01 Dollar aus dem Handel. Das war zwar immer noch ein Plus von knapp 13 Prozent gegenüber dem Referenzpreis, aber gegenüber dem ersten Kurs ein Minus von rund zehn Prozent.

          Der Referenzpreis wurde aus dem außerbörslichen Handel mit Spotify-Aktien im Vorfeld des Listings abgeleitet. Man kann daher darüber streiten, wie aussagekräftig dieser war.

          Zum Kurs von 132 Dollar war Spotify mit rund 23 Milliarden Dollar bewertet, zum ersten Kurs mit 29,6 Milliarden und zum bislang letzten mit 26,6 Milliarden.

          Spotify Technology SA

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          Analysten, die Kaufempfehlungen für die Aktien ausgegeben hatten, setzten eine große Bandbreite von Kurszielen: Während etwa „Freedom Finance“ den Kurs in zwölf Monaten bei 80 Dollar sieht, geht „RBC Capital Markets“ von 220 Dollar aus. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 167 Dollar

          Spotify hatte keine Investmentbanken engagiert, um die Nachfrage bei Investoren auszuloten. Es gab daher keine Preisspanne und auch der Referenzkurs wurde eher als Platzhalter betrachtet. 

          Daher ist von einer zumindest vorläufig volatilen Kursentwicklung auszugehen, zumal es auch keine Stützungskäufe geben wird. Spotify-Chef Daniel Ek hatte kurz vor dem Börsengang auf dem Internet-Blog seines Unternehmens auch schon gewarnt: „Ich habe keine Zweifel daran, dass es Auf und Abs geben wird.“

          Dass große Unternehmen den Weg einer Direktplazierung an der Börse wählen, ist äußerst ungewöhnlich. An der New York Stock Exchange war Spotify die erste Direktplazierung überhaupt.

          Art des Börsengangs als Antwort auf besondere Umstände

          Derzeit wird diskutiert, ob auch weitere Technologiekonzerne diesen Weg gehen könnten. Als Voraussetzung gelten ein bekannter Markenname und ein Geschäftsmodell, von dem viele Investoren auch ohne eine Werbetour von Investmentbanken schon gehört haben. Als idealer Kandidat für einen solchen Weg gilt zum Beispiel der Fahrtenvermittler Uber.

          Sollte das Modell Schule machen, wäre das für die großen Investmentbanken schmerzlich. Mit der Begleitung von Unternehmen an die Börse haben diese im ersten Quartal dieses Jahres nach Angaben des Datendienstleisters Dealogic 3,8 Milliarden Dollar eingenommen.

          Indes hängt dies auch davon ab, welche Ziele mit einem Börsengang verfolgt werden. Spotify hat kein neues Kapital aufgenommen und war an dem Börsenlisting nicht unbedingt interessiert. Vielmehr hatte sich der Streaming-Dienst gegenüber Inhabern einer für das Unternehmen äußerst teuren Wandelanleihe im Zuge eines Umtauschangebots dazu verpflichtet. Und diese konnten an einer Verwässerung ihrer Anteile nicht interessiert sein. Eine Kapitalerhöhung im Zuge eines Börsengangs hätte das Zustandekommen der Vereinbarung zumindest gefährden können.

          Wenn Uber oder andere Unternehmen dagegen potente Investoren finden wollen, dürfte eine direkte Plazierung nicht das Mittel der Wahl sein.

          Spotify wächst stark und ist in rund 60 Ländern aktiv. Wie andere Technologiekonzerne auch schreibt es aber bislang nur hohe Verluste: Laut Börsenprospekt hat sich der Umsatz in den drei Jahren bis Ende 2017 auf 4,1 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Der operative Verlust stieg im selben Zeitraum um 60 Prozent auf 378 Millionen Euro. Ende vergangenen Jahres hatte Spotify 159 Millionen Abonnenten. Davon zahlten nur 71 Millionen Kunden eine monatliche Gebühr für den Musikdienst. Die anderen nutzen ein kostenloses werbefinanziertes Angebot.

          Das Listing am Dienstag hatte noch eine unfreiwillig komische Note erhalten: Vor dem Gebäude hatte der Börsenbetreiber Nyse zur Begrüßung des Neulings zunächst eine Flagge der Schweiz aufgehängt. Spotify kommt aber aus Schweden. Anschließend twitterte die Börse: „Wir hoffen, jeder hat unseren kurzen Lobgesang auf unsere neutrale Rolle bei der Preisgestaltung an diesem Morgen
          genossen."

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