https://www.faz.net/-gv6-98ipv

Prognose vor Börsengang : Spotify will mehr als 200 Millionen Nutzer

Spotify-Chef Daniel Ek Bild: Reuters

Der Musikstreaming-Dienst peilt mehr Umsatz an. Doch eine wichtige Baustelle bleibt offen vor einem der vermutlich größten Börsengänge im Technologiesektor.

          2 Min.

          Mehr als 200 Millionen Nutzer – aber trotzdem noch weit entfernt davon, Geld zu verdienen: Das ist die Prognose, die der weltgrößte Musikabrufdienst Spotify kurz vor seinem mit Spannung erwarteten Börsengang in New York veröffentlicht. Das Unternehmen aus Schweden will die Zahl seiner zahlenden Kunden dieses Jahr um 30 bis 36 Prozent auf bis zu 96 Millionen Nutzer steigern. Einschließlich zahlreicher weiterer Musikfreunde, die Lieder über eine werbefinanzierte Version von Spotify hören, will der Musikstreaming-Pionier bis Jahresende bis zu 208 Millionen regelmäßige Nutzer erreichen.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch trotz des starken Wachstums wird Spotify voraussichtlich weiter hohe Verluste schreiben. In einem an diesem Montag veröffentlichten Ausblick prognostiziert das Unternehmen für das laufende Jahr einen operativen Verlust von 230 bis 330 Millionen Euro. Zum Vergleich: Für das vergangene Jahr hat Spotify einen Betriebsverlust von 378 Millionen Euro ausgewiesen. Der Umsatz soll dieses Jahr um 20 bis 30 Prozent auf bis zu 5,3 Milliarden Euro steigen. Damit würde sich die Wachstumsrate gegenüber dem Vorjahr abschwächen. 2017 waren die Erlöse um 39 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro gestiegen.

          Die Aktien von Spotify werden am Montag nächster Woche zum ersten Mal an der New York Stock Exchange gehandelt. Die Erstnotiz könnte einer der größten Börsengänge im Technologiesektor in den vergangenen Jahren werden: Gemessen an den Preisen, zu denen die Aktien zuletzt bei Privatverkäufen die Eigentümer wechselten, würde Spotify insgesamt mit mehr als 20 Milliarden Dollar bewertet. Die Streaming-Plattform hat sich allerdings für einen bisher ungewöhnlichen Weg an die Börse entschieden: Spotify setzt auf seine sogenannte Direktplazierung (direct listing).

          Die Nummer Eins im Streaming-Geschäft

          Das Unternehmen beschafft sich im Zuge des Börsengangs kein zusätzliches Eigenkapital durch die Ausgabe neuer Aktien. Stattdessen werden lediglich die bisherigen Anteile ohne vorheriges Preisbildungsverfahren für den Börsenhandel zugelassen. Für die Mehrzahl der Altaktionäre gibt es keine sonst üblichen Haltefristen. Sie können also sofort beliebig viele Anteile über die Börse verkaufen, was den Kurs stark drücken kann.

          Der Vorteil für Spotify sind die niedrigeren Honorare, die Investmentbanken üblicherweise für ihre Dienstleistungen im Rahmen von Börsengängen berechnen. Das Unternehmen rechnet dafür mit Kosten von 25 bis 30 Millionen Euro. Ein Hauptgrund für den Börsengang ist offenbar eine Vereinbarung mit den Gläubigern einer Wandelanleihe. Diese sehen vor, dass Spotify in den nächsten Jahren hohe Zinszahlungen vermeiden kann, wenn das Unternehmen rasch an die Börse geht.

          Der Börsengang bietet also den bisherigen Finanzinvestoren, die Geld in das Unternehmen gesteckt haben, die Gelegenheit, Kasse zu machen und ihre Beteiligung über die Börse zu verkaufen. Auch der Mitgründer und Vorstandschef von Spotify, Daniel Ek, könnte nach dem Börsengang sofort im großen Stil Anteile verkaufen – und dadurch theoretisch einen Milliardenbetrag realisieren.

          Ek und sein Partner Martin Lorentzon haben den Musikstreaming-Anbieter 2006 in Stockholm gegründet. Mit seinem Geschäftsmodell hat Spotify in den vergangenen zwölf Jahren den zuvor chronisch schrumpfenden Musikmarkt wieder auf Wachstumskurs gebracht. 2017 sind in den Vereinigten Staaten, dem größten Tonträgermarkt der Welt, die Erlöse der Musikbranche um 17 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar gestiegen.

          Spotify ist im Streaming-Geschäft mit einem geschätzten globalen Marktanteil von 40 Prozent rund doppelt so groß wie die Nummer zwei Apple. Dahinter folgen Anbieter wie der Online-Händler Amazon oder der Dienst Deezer. Als Schwachpunkt des Unternehmens gilt aber bisher die vergleichsweise niedrige Marge, denn Spotify muss einen Großteil seiner Einnahmen als Lizenzgebühren an Plattenfirmen, Musiker und Komponisten weiterreichen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ausgezeichnet: Dieses Foto des dänischen Fotografen Mads Nissen, das eine brasilianische Krankenschwester und eine 85 Jahre alte Frau zeigt, ist zum „World Press Photo 2021“ gewählt worden.

          Mutante in Brasilien : Ein Schreckgespenst mit dem Namen P.1

          Die Intensivstationen in Brasilien sind zu mehr als der Hälfte mit Patienten unter 40 Jahren belegt. Der rasche Anstieg der Infektionen könnte mit der Mutante P.1 zusammenhängen – auch zuvor bereits Infizierte sind nicht sicher.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.