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Spezial Börse Griechenland : Die griechische Volkswirtschaft hat Stärken und Schwächen

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Bild: BFAI

Die größte Bürde für die griechische Wirtschaft stellt die hohe Staatsverschuldung dar. Aber da das Problem inzwischen ernsthaft bekämpft wird, achten die Börsianer verstärkt auch auf Pluspunkte wie ein relativ hohes Wachstum.

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          Kein einheitliches Gesamtbild ergibt sich beim Blick auf die volkswirtschaftlichen Rahmendaten in Griechenland. Einigen Pluspunkten stehen auch Minuspunkte gegenüber. Aber immerhin: Die Schwächen sind zuletzt geringer geworden und die Regierung versucht sie mit gezielten Maßnahmen weiter einzugrenzen.

          Die mit Abstand wichtigste Schwäche neben dem Leistungsbilanzdefizit, das zwischen 2004 und 2005 von 10,45 Milliarden auf 14,05 Milliarden Euro geklettert ist und sich in den Monaten Januar und Februar 2006 mit einem Anstieg von 59,5 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro weiter erhöhte, stellt der beharrlich defizitäre Staatshaushalt dar. So ist das Defizit seit der Einführung des Euro im Jahr 2001 noch in keinem Jahr unter das in den Maastricht-Kriterien maximal erlaubte Niveau von drei Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt gefallen. Im Jahr 2004 ist es begleitet von den hohen Ausgaben für die Olympiade sogar auf den Rekordwert von 6,6 Prozent gestiegen, und auch 2005 war es mit 4,3 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt noch viel zu hoch.

          Leistungsbilanzdefizit, Verschuldung und Kreditwachstum gelten als problematisch

          Insgesamt ist Griechenland unter den zwölf Euro-Staaten der am höchsten verschuldete Staat. Für den Schuldendienst müssen inzwischen bereits drei Viertel der jährlich rund 40 Milliarden Steuereinnahmen aufgewendet werden. Angesichts dieses Debakels war die Meldung sehr erfreulich, wonach sich das Haushaltsdefizit in den ersten drei Monaten 2006 dank gestiegener Einnahmen um 80 Prozent auf 489 Millionen Euro verringert hat. Somit scheint es nun zumindest nicht mehr ganz ausgeschlossen zu sein, daß die Regierung das für 2006 angestrebte Ziel eines Defizits von 2,6 Prozent auch tatsächlich erreichen kann. Sollte die Drei-Prozent-Hürde allerdings erneut verfehlt werden, drohen Griechenland als erstem Land Strafen wegen dieser Verfehlung.

          Zu einem kritischen Faktor hat sich zuletzt auch das starke Kreditwachstum entwickelt. Insgesamt kletterten die Kredite im Vorjahr um 16,9 Prozent auf ein Volumen von umgerechnet 78 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Vergabe von Hypotheken explodierte sogar förmlich um 33,4 Prozent. Angesichts dieser rasanten Steigerungsraten hat sich die Notenbank sogar schon veranlaßt gefühlt, die Schuldner auf die Gefahren bei steigenden Zinsen hinzuweisen. Und sie hat mittlerweile sogar schon striktere Kriterien bei der Kreditvergabe eingeführt und von den Geschäftsbanken größere Anstrengungen zur Risikovermeidung verlangt.

          Wirtschaft wächst seit Jahren überproportional stark

          Auf der Habenseite kann die griechische Volkswirtschaft dagegen ein verglichen mit Westeuropa seit Jahren überproportional hohes Wirtschaftswachstum verbuchen. Die Notenbank rechnet für 2006 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 3,5 Prozent, nachdem die Zuwachsrate im Vorjahr 3,7 Prozent betrug. Und die Volkswirte der Commerzbank sagen für 2007 immerhin noch ein Plus von 3,3 Prozent voraus.

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