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Bankaktien mit Kursgewinnen : Spekulation um weichere Kreditregeln

Ein Blick auf die Frankfurter Skyline: Spekulationen um eine Lockerung von Kreditvorgaben haben Bankaktien beflügelt. Aufseher sehen das allerdings kritisch. Bild: Marina Pepaj

Die Aktienkurse von Commerzbank und Deutscher Bank springen deutlich nach oben. Anleger erwarten in Reaktion auf die Corona-Krise eine Lockerung der Vorgaben. Bankaufseher sehen das allerdings kritisch.

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          Die Zuspitzung der Corona-Krise hat zu Forderungen aus der Politik nach einer Lockerung der Aufsichtsvorgaben für Banken geführt. Die Anleger griffen die Debatte erfreut auf: Die Aktienkurse vieler europäischer Bank zeigten sich am Dienstagnachmittag in einem wieder schwächer werdenden Gesamtmarkt deutlich erholt.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Aktie der Commerzbank sprang zunächst um gut 9 Prozent auf 3,97 Euro nach oben. Der Titel der Deutschen Bank verteuerte sich um bis zu 6,5 Prozent auf 6,24 Euro. Danach gaben die Aktien aber einen Teil ihrer Gewinne wieder ab. Auch andere europäische Banken wiesen deutlich Kursgewinne auf, allerdings nicht in Italien. Dort litten die Bankaktien unter den eingreifenden Notmaßnahmen der Regierung gegen die Ausbreitung der Corona-Krise.

          DT. BANK

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          In Deutschland sollen sich Vertreter der Bundesbank, der Finanzaufsicht Bafin und des Finanzministeriums am Montag über die Möglichkeit unterhalten haben, den antizyklischen Kapitalpuffer aufzuheben. Dieser war im vergangenen Jahr eingeführt worden, damit Banken Vorsorge für die abkühlende Konjunktur und den heiß gelaufenen Immobilienmarkt treffen. Einige Aufseher lehnen eine Aufhebung dieses zusätzlichen Puffers zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab.

          Aufhebung der 90-Tage-Regel

          Auch andernorts wird über eine Aufweichung der Vorgaben nachgedacht. Die italienische Regierung will Hypothekenkredite aussetzen, um überforderte Unternehmen und Haushalte während der ergriffenen Notmaßnahmen, darunter Reiseverbote und Sperrstunden, zu entlasten. Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire fordert, die strengen Regeln, ab wann Banken Kredite als notleidend einstufen und mit mehr Eigenkapital unterlegen müssen, aufzuweichen.

          Im Mittelpunkt steht die 90-Tage-Regel: Banken müssen Forderungen, bei denen über 90 Tage kein Zahlungseingang erfolgt, als notleidend einstufen. Derzeit ist in Italien nicht abzusehen, wann die Notmaßnahmen mit ihren schweren wirtschaftlichen Folgen aufgehoben werden. Unternehmen oder Gaststätten müssen mit deutlichen Einbußen rechnen und könnten deshalb irgendwann nicht mehr Kredite bedienen.

          COMMERZBANK

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          Wenn die Banken diese über einen längeren Zeitraum stunden und ihr Eigenkapital schonen, wirkt das entlastend. Doch die nötigen Abschreibungen auf Kredite dürfen nicht zu lange aufgeschoben werden. Selbst wenn die italienischen Banken Fortschritte im Abbau fauler Kredite gemacht haben, sind ihre Bestände noch immer zu hoch. Das lässt sich auf eine über Jahre nachlässige Aufsicht in Italien zurückführen.

          Aufseher sind dagegen

          Deshalb sind viele Bankenaufseher nicht glücklich, wenn in der Politik diese Forderungen lauter werden. Zu entscheiden hätten die Aufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) ohnehin nicht. Sie könnten auf die Corona-Krise nur über die individuellen Eigenkapitalanforderungen (SREP) der Institute eingehen. Hier können die Anforderungen zurückgeschraubt werden. Um die 90-Tage-Vorgabe zeitweise aufzuheben, wäre die EU-Kommission gefragt.

          Eine Diskussion über eine Aufweichung der Kreditregeln wird inzwischen auf der ganzen Welt geführt, zum Beispiel auch in Großbritannien. Die Ratingagentur Moody’s warnte am Dienstag vor den wachsenden Risiken der Corona-Krise für Europas Banken. Die Qualität der Kredite könnte unter den Reiseeinschränkungen und den Produktionseinbußen leiden.

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