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Abgeltungssteuer unter Beschuss : Wie gerecht sind die 25 Prozent?

„Besser 25 Prozent von X, als 42 Prozent von nix.“ Von Peer Steinbrücks einstiger Argumentation wollen die Genossen heute nichts mehr wissen. Bild: dpa

Auf Zinsen und Dividenden zahlt man 25 Prozent Steuern – zu wenig, sagt die SPD und fordert mehr Geld. Die Abgeltungssteuer steht damit abermals zur Debatte. Wir haben fünf Vorschläge geprüft.

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          Vorschlag 1: 45 statt 25 Prozent

          Es war nur eine Frage der Zeit, bis die SPD wieder einmal die Abschaffung der Abgeltungsteuer fordert. In der vergangenen Woche war es so weit. Die jüngsten Umfragetiefs zwingen die Genossen zum Handeln. Und der Steuersatz von 25 Prozent plus Soli und Kirchensteuer riecht nach Begünstigung der Reichen. Schließlich werden auf Gehälter bis zu 45 Prozent Steuern fällig. Also will die selbsternannte Gerechtigkeitspartei wie schon vorher Finanzminister Wolfgang Schäuble die Abgeltungsteuer streichen. Dann sollen auch für Kapitaleinkünfte wieder bis zu 45 Prozent fällig werden, abhängig vom Einkommen. Reiche müssten dann mehr als jetzt bezahlen, so scheint es.

          Dyrk Scherff
          Redakteur im Ressort „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch die Befürworter erzählen nur die halbe Wahrheit. Wenn sie die Abgeltungsteuer streichen, müssten sie aus Gründen der Gleichbehandlung mit anderen Einkunftsarten ein paar der alten Regeln ebenfalls wieder einführen. Dann wären wieder Werbungskosten der Geldanlage absetzbar, etwa Depotgebühren oder die Fahrt zur Hauptversammlung. Auch könnten Kursgewinne mit Verlusten aus anderen Einkünften, etwa Vermietung, gegengerechnet werden. Das reduziert die Steuerlast mehr als derzeit.

          Und schließlich: Dividenden, die zwei Drittel der Einnahmen aus der Abgeltungsteuer ausmachen, dürften dann anders als jetzt nur zu 50 oder 60 Prozent besteuert werden. Denn schon die Unternehmen haben für die Gewinne, aus denen die Dividenden bezahlt werden, 25 Prozent Steuern entrichtet. Würde man sie voll besteuern, wäre das eine Benachteiligung der Aktie (also von Eigenkapital) im Vergleich zu Unternehmensanleihen (also Fremdkapital). Denn Zinszahlungen dürfen die Unternehmen sogar steuermindernd als Kosten absetzen.

          Wird nur die Hälfte versteuert, hätte die SPD ihr Ziel verfehlt, weil Reiche sogar entlastet würden. Denn 2000 Euro Dividende, die mit 25 Prozent besteuert werden, ergeben eine Steuerlast von 500 Euro. Aber bei 45Prozent auf die Hälfte, also auf 1000 Euro, sind nur Steuern von 450 Euro fällig. Zinsen allerdings würden stärker belastet als heute. Das ist aber nicht ungerecht, weil es nur die derzeitige Bevorzugung von Zinsen im Vergleich zu Dividenden aufhebt.

          Einen Vorteil hätte die Abschaffung schon. Es gibt immer weniger Gründe, Einkünfte aus der Geldanlage anders als alle anderen Einkünfte zu behandeln. Früher hatte man die Steuerflucht als Argument angeführt: Die Abgeltungsteuer sollte erschweren, dass sich Anleger der Besteuerung entziehen. Doch mit dem vereinbarten Informationsaustausch zwischen fast allen Staaten der Welt ist solch eine Flucht fast unmöglich geworden. Unglücklich wären aber wohl die Finanzämter. Sie hätten deutlich mehr Arbeit mit den Steuererklärungen der Anleger, die ihre Kapitalerträge wieder auflisten müssten. Das wäre auch wieder mehr Arbeit für den Steuerzahler. Bei der Abgeltungsteuer haben das die Banken übernommen. Sie war tatsächlich einer der wenigen Beiträge zur Steuervereinfachung.

          Vorschlag 2: Steuern ins Alter verschieben

          Statt das alte Besteuerungssystem aus der Zeit vor der Abgeltungsteuer wieder einzuführen, könnte man das Prinzip der Riester-Rente auf alle Geldanlagen ausdehnen. Hier gilt: Was man anspart, darf man von der Steuer absetzen, im Ruhestand müssen dann die Auszahlungen versteuert werden – mit dem individuellen, einkommensabhängigen Steuersatz. Die Abgeltungsteuer gilt hier schon heute nicht. Vorteil: Man erspart sich über viele Jahrzehnte Steuern (Steuerstundungseffekt) und hat bei den Auszahlungen im Ruhestand in der Regel einen niedrigeren Steuersatz als während der Sparphase im Berufsleben. Das ist ein Ausgleich dafür, dass die Erträge aus der Geldanlage ohne Rücksicht auf die Inflation besteuert werden. Zudem ist bei Auszahlung überhaupt erst das Geld vorhanden, um die Steuer zu zahlen. Das ist ein Vorteil gegenüber der Besteuerung, wie sie künftig für Fonds geplant ist: Hier wird der jährliche Gewinn versteuert, auch wenn er nicht an den Anleger fließt, sondern im Fonds verbleibt.

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