https://www.faz.net/-gv6-a62yu

Sparprogramm : Deutsche Bank schließt nun auch Postbank-Filialen

Bild: EPA

Die Deutsche Bank stutzt ihr deutsches Privatkundengeschäft weiter zusammen. In den zentralen Abteilungen fällt jede dritte Stelle weg. Nun sollen noch mehr Zweigstellen schließen.

          2 Min.

          Eigentlich will der Vorstandschef Christian Sewing die Deutsche Bank weniger abhängig vom Investmentbanking machen; doch ausgerechnet im als solide geltenden deutschen Privatkundengeschäft spart das Institut nun besonders eifrig.  350 Stellen sollen in den zentralen Abteilungen des Geschäftssegments bis Ende nächsten Jahres wegfallen, wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Karl von Rohr in einem Brief an die Mitarbeiter bekanntgab. Mehr als jeder dritte der gut 1000 Angestellten in dem Segment muss damit um seinen Arbeitsplatz bangen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und auch das Filialnetz wird nun noch weiter beschnitten. Insgesamt 100 Standorte ihrer Marke Postbank will die Bank in den nächsten zwei Jahren aufgeben, wie der für das Geschäft zuständige Vorstand Karl von Rohr nun der “Welt“ sagte.  Ein Vertrag mit der Post deckelt die Zahl der Schließungen von Postbankfilialen auf höchstens 50 pro Jahr; diese will die Bank nun also voll ausnutzen. Nach jüngsten Zahlen hat die Postbank 800 Filialen. 

          „Kosten müssen deutlich sinken“

          „Wir werden das Privatkundengeschäft in Deutschland nur rentabel und zukunftsfähig gestalten, wenn wir die Kosten weiter deutlich senken“, schreibt von Rohr in dem Rundschreiben an die Mitarbeiter, das der F.A.Z. vorliegt. „Dafür müssen wir über den bisherigen Rahmen hinaus weitere Maßnahmen treffen.“ Im Hinblick auf die nun betroffenen zentralen Abteilungen, die vor allem den Filialen zuarbeiten, nannte von Rohr darin unter anderem schlankere Führungsstrukturen, den Abbau von Redundanzen und die Optimierung von Prozessen als wesentliche Hebel. Entsprechend sollen auch die Führungsetagen nicht von der Sparrunde verschont bleiben. Betroffen sind die Mitarbeiter im Kundenmanagement, dem Produktmanagement und in der Betriebsorganisation. Mit den Gewerkschaften sei ein Interessensausgleich vereinbart worden, der Stellenabbau solle „so sozialverträglich wie möglich“ ablaufen, hieß es in dem Brief weiter. 

          Schon in den vergangenen Jahren hat die Deutsche Bank die Zahl der Stellen in ihrer Privatkundensparte deutlich verringert. Erst vor wenigen Monaten hatte der inzwischen als neuer Chef der Commerzbank vorgesehene Segmentchef Manfred Knof bekanntgegeben, dass die Zahl der Deutsche-Bank-Filialen weiter von 500 auf 400 sinken solle. Er hatte dem Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing zugesagt, die Kosten im deutschen Privatkundengeschäft insgesamt um eine Milliarde Euro zu senken. Nun zeigt sich, dass von Rohr, der Knofs Aufgaben nach dessen Abgang zumindest vorübergehend übernommen hat, in der Hinsicht keine Abstriche machen will.

          Sewing will die Zahl der Mitarbeiter insgesamt um 18 000 verringern, der nun beschlossene Stellenabbau ist Teil dieser Neuausrichtung. Das Privatkundensegment steuert auch deshalb einen großen Teil dazu bei, weil die Bank dort die im Jahr 2009 übernommene Postbank nun komplett mit ihren eigenen Abteilungen zusammenführt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ausgebrannt: Fluchtfahrzeug nach dem ersten Überfall im März 2018.

          Reemtsma-Entführer Drach : Der überschätzte Verbrecher

          Der Reemtsma-Entführer Thomas Drach scheint ein Paradebeispiel für einen Mann, der das Verbrechen zu seinem Beruf gemacht hat. Ein „Superhirn“ oder „Mastermind“ ist er aber nicht – auch wenn er das wohl gerne wäre.
          Wer wird die Wahl gewinnen? Der Volkswagen ID.3 ist einer der sieben Finalisten.

          Car of the year 2021 : Wählen Sie Ihren Favoriten!

          Der bedeutendste Preis in der Automobilbranche wird an diesem Montag vergeben. Wir wollen von Ihnen wissen, welches Ihr „Auto des Jahres 2021“ ist. Stimmen Sie ab.
          Gallionsfigur: Luisa Neubauer bei den Protesten für Klimagerechtigkeit im vergangenen Jahr

          Junge Klimaschützer : Fridays for Revolution

          Die Aktivisten von Fridays for Future wollten überparteilich sein. Sind sie es noch? Einige Töne klangen zuletzt eher nach einer linksradikalen Splittergruppe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.