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Niedrigzins : Sparkassenverband warnt vor japanischen Verhältnissen

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Helmut Schleweis, Präsident des Sparkassenverbands DSGV sorgt sich wegen der niedrigen Zinsen Bild: EPA

Sparkassen und Banken kritisieren die Notenbank für ihre Signale, die Geldpolitik weiter zu lockern. Gleichzeitig hoffen sie auf Rabatte beim Strafzins auf ihre EZB-Einlagen.

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          Führende Bankenverbände haben die Signale der Europäischen Zentralbank kritisiert, die ihre ohnehin schon expansive Geldpolitik schon im September weiter lockern könnte. Darauf deuten Äußerungen der EZB  im Anschluss an ihre Ratssitzung vom Donnerstag hin.

          Als Mario Draghi bei einer vielbeachteten Rede im Juni die Finanzmärkte auf mögliche Zinssenkungen und neue Anleihekäufe einstimmte, waren kaum Kommentare aus der Bankenbranche zu vernehmen gewesen. Mit dieser Zurückhaltung ist es nun vorbei.

          So warnte Helmut Schleweis, Präsident des Sparkassenverbands DSGV am Donnerstag vor japanischen Verhältnissen. In Japan versucht die Notenbank seit Jahren erfolglos, mit Niedrigzinsen gegen den Abschwung anzukämpfen. Das sei kein Vorbild für Deutschland und die Eurozone. „Ein weiteres Anhalten oder eine Verschärfung des Niedrigzinses wird für jeden in diesem Land deutlich spürbar werden“, sagte Schleweis.

          Was damit gemeint ist, hatte bereits am Mittwoch der Präsident des regionalen Sparkassenverbands Baden-Württemberg angedeutet. Demnach könnten selbst Sparkassen negative Zinsen auf die Guthaben von Privatkunden langfristig nicht ausschließen. Dabei warnte er auch vor einem Dominoeffekt: Sobald eine große Bank ihren Privatkunden negative Zinsen in Rechnung stelle, müssten die Konkurrenten nachziehen, um sich vor einer Flutung mit Spargeld zu schützen.

          Bisher geben Geschäftsbanken den negativen Einlagenzins der Zentralbank nur an Unternehmenskunden und besonders Vermögende weiter. Doch sind negative Zinsen auch für die Masse der Privatkunden zumindest rhetorisch nun keine Tabu mehr.

          Strafzinsen auf bei der EZB geparktes Bankengeld sind eine zwangsläufige Folge der expansiven Geldpolitik. Sie sollen verhindern, dass Banken oder Sparkassen sich mit Zentralbankgeld zum Nullzins eindecken, nur um es dann risikofrei in der Bilanz der Notenbank anzulegen.

          Dass die Wirtschaft in Deutschland und in der Euro-Zone angesichts der abflauenden Konjunktur Impulse gut gebrauchen kann, stellen wohl auch die Bankenverbände nicht in Frage. Doch bezweifelt der DSGV-Präsident, dass der Niedrigzins Investitionen anregen könne. Stattdessen zementiere er die Lähmung der Finanzmärkte.

          Auch Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands, warnte vor den Risiken und Nebenwirkungen der extrem lockeren Geldpolitik. Die Notenbank müsse aufpassen, sich mit ihren Ankündigungen nicht selbst unter Druck zu setzen.

          Nicht nur die Bankenlobby sieht die geldpolitische Expansion kritisch. Auch Ökonomen warnen vor einem wachsenden politischen Einfluss auf die Notenbanken und vor den Nebenwirkungen niedriger Zinsen. „Die Gefahr einer Politisierung der Geldpolitik ist eindeutig gegeben“, sagte Clemens Fuest, Chef des Münchner Ifo-Instituts dem „Spiegel“. Die konstant niedrige Inflation erwecke bei Politikern offenbar den Eindruck, als könne die Geldpolitik alle wirtschaftlichen Probleme lösen, ohne dass dies Kosten oder Risiken mit sich bringe

          Sparkassen-Präsident Schleweis begrüßte allerdings die Erwägungen der EZB, einen Staffelzins auf Einlagen von Geschäftsbanken einzuführen. Dank dieses aus der Schweiz bekannten Modells könne die Belastung des Bankensektors deutlich sinken. Sogar der noch am Mittwoch wegen Milliardenverlusten gesunkene Aktienkurs der Deutschen Bank schoss am Donnerstag wegen der Hoffnung auf den gestaffelten Strafzins um rund fünf Prozent in die Höhe. 

          Die niedrigen Zinsen machen nicht nur deutschen Banken zu schaffen. Auch die spanischen Geldhäuser Caixabank und Banco Sabadell senkten am Donnerstag ihre Gewinnprognosen und verwiesen dabei auf die Geldpolitik der EZB.

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