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Bankenregulierung : Der Sparkassenchef schlägt Alarm

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Die deutschen Sparkassen warnen vor der neuen Bankenregulierung. Bild: dpa

Europäer und Amerikaner sind sich in Sachen Bankenregulierung ziemlich einig. Doch der Kompromiss ist gefährlich, warnt der Chef der deutschen Sparkassen.

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          Die deutschen Sparkassen sind unzufrieden mit der sich abzeichnenden Verständigung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa über neue Kapitalanforderungen an Banken zur Absicherung gegen Risiken. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, warnte in Washington vor einem „falschen Kompromiss“, der die europäischen Institute und auch deren Kreditkunden, gerade im Mittelstand, belasten könnte. „Eine solche Einigung würde zu Lasten des kontinentaleuropäischen Bankenmarktes gehen und langfristig angelegte Finanzierungsstrukturen gefährden“, sagte Fahrenschon.

          Fahrenschon reagierte auf Ankündigungen, unter anderem von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, in denen von einer nahen Einigung die Rede war. Hintergrund ist, dass sich die Bankenregulierer im letzten großen Streitpunkt weit angenähert haben. Es geht um die Frage, inwieweit Großbanken die Risiken in ihren Bilanzen mit internen Modellen herunterrechnen dürfen, um Kapital zu sparen, das sie als Puffer gegen Risiken vorhalten müssen.

          Nach Angaben von Insidern sollen die Banken als Untergrenze einen Wert von 72,5 Prozent des Kapitalbedarfs wahren, der sich bei der Bewertung der Risiken nach einem Standard-Modell ergeben würde. Die Vereinigten Staaten hatten einen Wert von 75 Prozent gefordert, die Europäer wollten nur 70 Prozent akzeptieren.

          Der Sparkassenverband hält diesen Kompromisswert von 72,5 Prozent für falsch. „Damit würden die Kapitalbelastungen der meisten europäischen Institute erheblich steigen“, warnte Fahrenschon, womöglich um einen zweistelligen Prozentwert. Davon wäre Europa wegen der stärkeren Kreditfinanzierungen stärker betroffen als die mehr kapitalmarktorientierten Vereinigten Staaten. Das würde aber auch ihre langfristigen Unternehmenskredite treffen und Kreditvergaben an Mittelstand und Handwerk erschweren. Auch bezweifelt Fahrenschon, dass Amerika die Gesamtheit der Baseler Bankenregulierungsregeln auch genau umsetzt.

          Bundesbank-Präsident Weidmann hatte zuvor am Rande der IWF-Jahrestagung in Washington angekündigt, das Vorhaben neuer Bankenregeln im Rahmen des Basel-III-Pakets sei auf der Schlussrunde. Nach jahrelangen kontroversen Verhandlungen zeichne sich eine Einigung ab. Eine schnelle Verständigung würde die regulatorische Unsicherheit beseitigen und damit für mehr Finanzstabilität sorgen, sagte der Bundesbank-Präsident.

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