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Überraschendes Ergebnis : Sparkassen und Volksbanken schlagen private Banken

Die Sparkassen überzeugen zumindest in diesem Vergleich der Unternehmensberatung McKinsey. Bild: dpa

Die deutschen Finanzhäuser verdienen viel weniger Geld als die internationale Konkurrenz. Aber nicht allen geht es gleich schlecht, rechnen Fachleute einer Unternehmensberatung in der F.A.Z. vor.

          Deutsche Banken gelten international als nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Unternehmensberater von McKinsey machen in einer Studie in dieser Hinsicht keine Unterschiede zwischen öffentlich-rechtlichen Sparkassen und Landesbanken, genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken oder privaten Banken wie Deutscher Bank oder Commerzbank.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für den Leiter der McKinsey-Bankberatung in Deutschland, Philipp Koch, stehen alle drei Säulen der Kreditwirtschaft vor großen Herausforderungen. „Die Institute müssen die Digitalisierung vorantreiben, ihre Kundendaten besser nutzen und insgesamt agiler werden“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. – es gehe zwar auch um eine Stabilisierung der Ertragslage, aber wichtiger seien Innovationen und eine spürbare Verbesserung der Kosten.

          Eine Erkenntnis von McKinsey überrascht: „Sparkassen und Volksbanken waren zuletzt profitabler als private Banken.“ Koch begründet dies mit der wettbewerbsfähigeren Kostenbasis, die über den Ausbau des Kreditgeschäfts in eine höhere Profitabilität umgesetzt werden konnte. „Die beiden Verbünde sind in der Lage, mit der Zinsmarge ihre operativen Kosten zu decken. Das schaffen die privaten Banken in der Regel nicht“, sagt Koch. Als positiv würdigt er auch, dass Sparkassen und Volksbanken ihre Rücklagen für allgemeine Bankrisiken gestärkt und sich so auf einen wirtschaftlichen Abschwung vorbereitet haben.

          Konkurrenz durch Google und Amazon

          In der vergangenen Woche hatte der Chef der deutschen Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, die Institute aus allen drei Säulen zu mehr Kosteneinsparungen aufgerufen. Er hält es für schwer nachvollziehbar, dass seit der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren die Gesamtkosten nicht gesunken, sondern leicht gestiegen seien.

          Bezüglich der Innovationskraft erinnerte die Ratingagentur Standard&Poor’s an diesem Dienstag die deutschen Banken im Kundengeschäft an den enormen Druck zur Digitalisierung. Angesichts der Konkurrenz von Fintechs und großen Internetkonzernen wie Google oder Amazon laufe die Zeit davon.

          Die deutschen Banken hätten ihre Lage in den vergangenen drei Jahren nur sehr zaghaft verbessert, sagt McKinsey-Partner Koch. Im europäischen Ausland seien einige Banken, die ebenfalls mit der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) konfrontiert sind, schon erfolgreicher, fügt er hinzu. Max Flötotto, McKinsey-Partner und Ko-Autor der Studie, verweist auf die zwar verringerte Zahl der Institute und Filialen in Deutschland, doch lägen die Werte noch immer weit über dem Durchschnitt anderer Märkte.

          „Sparkassen und Volksbanken profitieren von ihrer Kundennähe“, sagt Flötotto. Allerdings müssen sie seines Erachtens darauf reagieren, dass die Bereitschaft der Kunden zur Nutzung digitaler Kanäle höher sei, als es heute wahrgenommen werde. Das erhöhe den Druck auf die Verbünde, die bisher höhere Erträge im Filialgeschäft erzielt hätten.

          Flötotto verweist auf viele ausländische Banken, die ihre Daten besser nutzen und deshalb die Potentiale ihrer Kunden besser einschätzen können. Das gelte auch beim Risiko, wo eine bessere Datennutzung zu einer frühzeitigen Erkennung führt. Koch nennte die mangelnde Schnelligkeit für die Kunden als Problem deutscher Banken. In Skandinavien würden zum Beispiel wesentlich schneller Kredite digital vergeben.

          Der deutsche Bankenmarkt brauche neue Produkte, ist er überzeugt. Digitalisierung und Standardisierung ermöglichten zudem spürbare Kostenverbesserungen. Eine Konsolidierung müsse nicht über Großfusionen erfolgen. Je komplexer ein Zusammenschluss werde, desto wahrscheinlicher könnten dadurch die Effizienzvorteile aufgefressen werden.

          Vor wenigen Wochen hatten Deutsche Bank und Commerzbank ihre Fusionsgespräche ergebnislos beendet. Beobachter hielten den Abbau von bis zu 30.000 Stellen für ein so großes politisches Risiko, dass angesichts der nur mäßigen Aussichten auf eine Verbesserung der Profitabilität keiner tragen wollte.

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