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Sparkassen- und Giroverband : Ulrich Reuter liegt im Rennen um Präsidentenposten vorn

Ulrich Reuter nach der Wiederwahl zum Landrat des Kreises Aschaffenburg im Jahr 2014 Bild: Rainer Wohlfahrt

Die westfälische Verbandspräsidentin findet in Probeabstimmungen unter Landesbanken keine Unterstützung, zwei regionale Sparkassenpräsidenten dagegen wollen gar nicht nach Berlin. Amtsinhaber Schleweis lässt eine zweite Amtszeit offen. Doch es läuft wohl auf einen anderen hinaus.

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          Als Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) bezieht man mit 1 Million Euro ein fürstlich-üppiges Jahresgehalt und ist erster Lobbyist der größten Bankengruppe Deutschlands. Dass man „Herrscher ohne Land“ genannt wird, weil regionale Sparkassenverbände und eben nicht der DSGV die wichtigen Beteiligungen an Landesbanken und -bausparkassen halten, sollte man verschmerzen können. Nicht nur Amtsinhaber Helmut Schleweis musste erleben, dass sein Vorschlag einer aus Landesbanken und der Deka fusionierten Sparkassen-Zentralbank im Sande verlief. Gefragt nach einer zweiten Amtszeit, sagt der gebürtige Heidelberger Schleweis gern, ihm mache seine Arbeit in Berlin Spaß und er fühle sich fit, sei sich aber seines Alters bewusst.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schleweis wäre mit Ablauf seines Ende 2023 auslaufenden Vertrages 68 Jahre – so alt war nie ein amtierender DSGV-Präsident vor ihm. Trotzdem hält er sich die doch wohl eher unwahrscheinliche Option auf eine zweite Amtszeit offen. Vor kurzem erhielt Schleweis kräftige Unterstützung. Hans-Günter Henneke, Hauptgeschäftsführer des mit kommunalen Sparkassen eng verbandelten Landkreistages, rief die DSGV-Vizepräsidenten dazu auf, Schleweis’ Vertrag zu verlängern. Bei den Nachfolgeaspiranten handele es sich um Selbstbewerbungen, die Schleweis’ Autorität beschädigten. Hennekes Ärger richtet sich erkennbar gegen zwei Personen: gegen Liane Buchholz und Ulrich Reuter, die den Sparkassenverbänden in Westfalen-Lippe und Bayern vorstehen.

          Henneke eröffnet das Rennen

          Henneke hat mit seinem Schleweis unterstützenden Brief indes genau das Gegenteil erreicht: Die Suche nach dessen Nachfolger ist eröffnet. Nach Informationen der F.A.Z. hat es Probeabstimmungen im Kreis der Regionalpräsidenten und der Vorstandschefs der Landesbanken gegeben. In beiden Gruppen fand Buchholz so gut wie keine Unterstützung; Reuter schon, obwohl sie auch bei ihm zu wünschen übrig ließ, wie ein Kenner der Sparkassengruppe hinter vorgehaltener Hand sagt. Insofern gilt es als unwahrscheinlich, dass der nächste DSGV-Präsident schnell gefunden wird, aber das Rennen wird wohl vor dem Sommer 2023 entschieden sein.

          Aspiranten von außerhalb der Sparkassengruppe wie etwa Jörg Kukies (SPD), parlamentarischer Staatssekretär im Bundeskanzleramt, oder Sven Giegold (Grüne), Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, gelten als wenig aussichtsreich. Zu frisch ist noch die Erinnerung an den früheren bayerischen Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU), der 2017 wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung als DSGV-Präsident zurück treten musste.

          Am wahrscheinlichsten gilt, dass Bayern Sparkassenpräsident Ulrich Reuter das Rennen macht. Sein Manko: Das 60 Jahre alte CSU-Mitglied ist erst seit Anfang 2021 im Amt. Aber der promovierte Jurist hat als früherer Mitarbeiter der Deutschen Bank (1993 bis 2001) und durch das Amt des Verwaltungsratschefs der Sparkasse Aschaffenburg Alzenau, das er als Landrat des Landkreises Aschaffenburg (2002 bis 2020) ausübte, viel Finanzwissen. Reuters größter Vorteil indes ist: Die Präsidenten des baden-württembergischen und auch des rheinischen Sparkassenverbands, Peter Schneider und Michael Breuer, wollen nicht DSGV-Präsident werden. Damit scheint der Weg für Reuter frei.

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