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Geldanlage : Deka verkauft so viele Fonds wie noch nie

Das Trianon-Hochhaus der Deka im Frankfurter Westend Bild: dpa

Auch das Wertpapierhaus der Sparkassen profitiert vom Trend hin zu mehr Wertpapiersparen. Doch die Bilanz der Fondsgesellschaft hat Schönheitsfehler.

          4 Min.

          Die Fondsgesellschaft der Sparkassen hat im Jahr 2020 so viele Fonds und Zertifikate verkauft wie noch  nie. Allerdings hat die Bilanz, über die der Deka-Vorstand am Dienstag berichtete, einige Schönheitsfehler: Der Großteil des überaus starken Anstieg des Nettoabsatzes von 80 Prozent auf 32 (2019: 18) Milliarden Euro  geht auf den Kauf durch Großanleger wie Pensionskassen und Stiftungen zurück („Institutionelle“), an denen die Deka weniger Gebühren verdient als bei Publikumsfonds für Privatanleger. Für die Privatanleger blieb an positiver Wertentwicklung ihrer Fonds im Jahresvergleich kaum etwas übrig. Außerdem musste die Deka ihre Risikovorsorge verachtzehntfachen, vor allem für von ihr finanzierte Flugzeuge.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das wirtschaftliche Ergebnis – die maßgebliche Gewinnkennzahl der Fondsgesellschaft – ging um 38 Prozent auf 269 Millionen Euro zurück. Zum Vergleich: Hauptkonkurrent Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks und Raiffeisenbanken, hat sich anders entwickelt. Unions Neugeschäft schrumpfte im vergangenen Jahr um gut ein Fünftel auf 15,1 Milliarden Euro, diese Fondsgesellschaft verdiente allerdings vor Steuern mit 649 Millionen Euro deutlich mehr als die Deka.

          Gleichwohl können sich die Deka-Eigentümer, die Sparkassen freuen: Die Deka will die von der Europäischen Bankenaufsicht der EZB seit Frühjahr 2020 untersagten Dividendenzahlungen nachholen und 2021 in zwei Tranchen insgesamt 233 Millionen Euro vom Gewinn ausschütten.

          Der Deka-Vorstandsvorsitzende Georg Stocker begründete diese hohe Ausschüttung, deren Großteil erst nach Ablauf der „EZB-Dividendensperre“ ab Oktober fließen kann, mit der soliden Kapitalausstattung der Deka, die sich an einer Kernkapitalquote von unverändert 14,2 Prozent zeigt. Außerdem soll 2021 wieder zu einem Normaljahr werden, wenn es die Corona-Pandemie zulässt. Stocker traute sich – zwar mit Verweis auf diese Unsicherheiten durch die Pandemie – immerhin die Prognose zu, im laufenden Jahr 400 Millionen Euro an wirtschaftlichem Ergebnis zu erreichen. Das wäre in etwa der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

          Kundenvermögen schwankt stark

          Allerdings leidet die Deka unter Ertragsschwund. Trotz des Rekordnettoabsatzes schrumpften die Gebühreneinnahmen, die 94 Prozent der Gesamterträge ausmachen, um 16 Millionen Euro auf 1309 Millionen Euro. Der Vorstand begründete das vor allem mit den gesunkenen Kursen an den Wertpapiermärkten im Frühjahr 2020. Daraufhin sei der Wert der insgesamt verwalteten Kundenvermögen von zu Jahresanfang 313 Milliarden Euro auf 285 Milliarden Euro Ende März gesunken. Auf das durchschnittlich verwaltete Kundenvermögen entfallen die Bestandsgebühren. Auch habe die Deka jeweils gut 3 Milliarden an Anleger ausgeschüttet (Zinsen und Dividenden) und fällige Zertifikate zurück gezahlt.

          Insofern habe sich auch abzüglich des im Verlauf des Jahres erfolgten Rekordnettoabsatzes von 32 Milliarden Euro und eines zum Jahresende wieder auf 339 Milliarden Euro angestiegenen verwalteten Kundenvermögens für die investierten Deka-Anleger ein Wertgewinn ihrer Fondsanteile eingestellt, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Matthias Danne und nannte auf Nachfrage eine Durchschnittsrendite von 0,6 Prozent zuzüglich Ausschüttungen.

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