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Nord LB : Sparkassen suchen Auffanglösung

Die Zentrale der NordLB in Hannover. Bild: dpa

Im Fall der Nord LB wird es für die Sparkassen Ernst. Wenn eine Auffanglösung fehlschlägt, könnten ihre Privilegien fallen. Und das würde für sie womöglich noch teurer.

          Die Norddeutsche Landesbank in Hannover steht vor einer entscheidenden Woche. Ohne eine Eigenkapitalspritze von mindestens 3,5 Milliarden Euro gilt sie als nicht überlebensfähig. Falls das Land Niedersachsen, dem fast 60 Prozent der Nord LB gehören, die Kapitallücke allein füllte, könnte die EU-Kommission dies als staatliche Beihilfe werten und den Verkauf der Nord LB bis zu einer bestimmten Frist anordnen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Fall der West LB scheiterte 2012 eine solche Privatisierung mangels Kaufinteressenten, und die West LB ging weitgehend unter. Viele in der Sparkassengruppe haben diesen Fall jetzt vor Augen und arbeiten deshalb an einer Auffanglösung für die angeschlagene Landesbank mit einem Volumen von geschätzt 2 Milliarden Euro.

          Nord-Sparkassen überfordert

          Dieses Geld könnten die Sparkassen in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, denen 35 Prozent der Nord LB gehört, nicht allein aufbringen. Deshalb berieten am Montag Vertreter des Haftungsfonds der Landesbanken („Sicherungsreserve“), wie viel Geld aus diesem Stützungsfonds kommen könnte.

          Außerdem tagten am Montag weitere Gremien der Sparkassengruppe, um die Auffanglösung auf eine noch breitere bundesweite Basis zu stellen. Diese Treffen dienten der Vorbereitung auf ein Gespräch mit der Bankenaufsicht, das am Dienstag in Frankfurt stattfinden soll.

          Sparkassenpräsident Helmut Schleweis sucht die Sinne der oft Eigeninteressen verfolgenden Sparkassen-Vorstände und regionalen Sparkassenpräsidenten dafür zu schärfen, dass eine Abwicklung der Nord LB unter Beteiligung der Gläubiger, wie sie die neue Richtlinie zur Bankenstützung vorsieht, für die Sparkassengruppe als Ganzes die teuerste Krisenlösung wäre. Nach Schätzungen würde sie rund 10 Milliarden Euro kosten.

          Sparkassen-Privilegien auf der Kippe

          Einen Großteil des Geldes müssten Sparkassen und ihre Kunden aufbringen, weil sie viele Nachrang-Anleihen der Nord LB besitzen. Diese sehen vor, dass im Stützungsfall Kapital nachgeschossen werden muss. Aber auch private Investoren und Kunden würden Geld verlieren.

          Damit wäre ein wichtiges Versprechen, das sich die Institute der Sparkassen-Finanzgruppe geben, hinfällig: Die Sparkassen-Institute garantieren, einander zu stützen – bevor es zu einer Abwicklung und dem Kapitalnachschuss von Anleihebesitzern kommt. Nur wegen dieses bisher gehaltenen Versprechens räumt die Bankenaufsicht den Sparkassen-Instituten mit ihren Landesbanken Privilegien ein. So müssen sie für untereinander vergebene Kredite kein teures Eigenkapital vorhalten. Die europäische Bankenaufsicht hat durchblicken lassen, dass sie die Sparkassenprivilegien nach einer Abwicklung der Nord LB streicht.

          Viele in der Sparkassengruppe hoffen noch, dass sie günstiger davonkommen. So verhandelt die Nord LB auch noch mit den beiden amerikanischen Finanzinvestoren Cerberus und Centerbridge, ob sie neben dem Land Niedersachsen die Kapitallücke füllen. Am Freitag müssen die Finanzinvestoren ihre Angebote vorlegen.

          Falls einer der beiden den Zuschlag als Minderheitseigner der Nord LB erhält, kommen andere Konflikte auf die Sparkassen zu: Denn für sie ist es schwer hinnehmbar, dass private Investoren in ihren Gremien sitzen und ihren Markennamen verwenden. Aber mindestens eine Kröte werden sie wohl schlucken müssen.

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