https://www.faz.net/-gv6-9uch7

Sparkassen-Zentralinstitute : Vor einer Fusion von Deka und Helaba stehen viele Hürden

Im Frankfurter Bankenviertel stehen die Zentralen von Deka und Helaba nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Bild: Maximilian von Lachner

An diesem Freitag gibt die Landesbank Hessen-Thüringen wohl den Startschuss für Fusionsgespräche. Doch der Widerstand in der Sparkassengruppe wächst, nicht nur in Baden-Württemberg.

          3 Min.

          Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Selbstgänger: Die Fondsgesellschaft Deka ist vollständig im Besitz von Sparkassen, die Landesbank Hessen-Thüringen gehört mehrheitlich Sparkassen, beide Finanzinstitute haben ihren Sitz in Frankfurt nur wenige Meter voneinander entfernt, die Überlappungen in ihren Geschäften sind eher gering – was liegt da näher, als durch einen Zusammenschluss Kostenvorteile zu heben und die Geschäfte durch eine Fusion besser und weniger riskant auszubalancieren?

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch bevor die Eigentümervertreter der Fondsgesellschaft Deka am vergangenen Donnerstag im Verwaltungsrat ihre Zustimmung gaben, zwar zunächst einmal keine Fusion, aber doch eine „vertiefte Zusammenarbeit mit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) zu prüfen und zu diesem Zweck mit der Helaba im Januar 2020 strukturierte Gespräche aufzunehmen“, sollen Verwaltungsräte ihren „Unmut“ geäußert haben, und es soll durchaus „konfrontativ“ zugegangen sein, wie ein Beteiligter der F.A.Z. sagte. Das ist zwar an diesem Freitag auf der Verwaltungsratssitzung der Landesbank Hessen-Thüringen nicht zu erwarten, von ihr wird vielmehr ein klares Signal zur Prüfung einer Fusion erwartet. Aber das Vorhaben ist eben alles andere als ein Selbstläufer.

          Das liegt auch daran, dass Sparkasse nicht gleich Sparkasse ist. Die kommunalen Institute verkaufen zwar in der Regel brav Fonds der Deka und arbeiten mit ihren Landesbanken wie der Helaba etwa im Zahlungsverkehr und in der Außenhandelsfinanzierung zusammen. Als Eigentümer aber werden sie in diesen Instituten von ihrem regionalen Sparkassenverband vertreten. Wichtigster Eigentümer der Helaba ist mit fast 70 Prozent der Sparkassenverband Hessen-Thüringen. Die Eigentümerstruktur der Deka ist zersplitterter: Dort vereinen die Eigentümer der Helaba nur etwa 35 Prozent der Anteile auf sich. Mit knapp 16 Prozent ist der Sparkassenverband Baden-Württemberg wichtigster Eigentümer.

          Infografik Wer bei der Fusion mitredet
          Vergrößern

          Als die Landesbanken, denen bis 2011 genau die Hälfte der Deka gehörte, sich dort in der Finanzkrise zurückzogen, verdoppelte der Sparkassenverband Baden-Württemberg wie andere Sparkassenverbände auch grob seinen Anteil an der Deka und setzte dafür 200 Millionen Euro ein, die er per Kredit finanzierte. Dieser Kredit, so berichteten Kenner, ist trotz Deka-Dividenden und Umlagen unter Sparkassen noch nicht einmal zur Hälfte zurückgezahlt. Baden-Württembergs Sparkassenpräsident Peter Schneider will deshalb einer Fusion der Deka mit der Helaba nur zustimmen, wenn der Wert der Deka-Beteiligung nicht sinkt.

          Helaba trifft Niedrigzinsphase härter als Deka

          Doch genau daran gibt es auch über Baden-Württemberg hinaus Zweifel. Der mögliche Fusionspartner Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) spürt die Niedrigzinsphase deutlich. Die Helaba steigerte ihren Gewinn vor Steuern im dritten Quartal lediglich um 24 Millionen auf Ende September 349 Millionen Euro. Der Vorstand unter Führung des im Jahr 2020 altersbedingt in den Ruhestand tretenden Herbert Hans Grüntker hat der Belegschaft einen „spürbaren Personalabbau“ verordnet. Zwar hat die Helaba auch Fondsgeschäft, ihre Haupteinnahmequelle ist jedoch der sich in der Niedrigzinsphase zunehmend verflüchtigende Zinsüberschuss aus vergebenen Krediten und aufgenommenen Krediten. Das ist in der Deka genau anders herum. Sie hat auch Kredite vergeben, lebt aber überwiegend vom Verkauf ihrer Fonds und Zertifikate und steigerte damit ihren Gewinn vor Steuern im dritten Quartal um 129 Millionen auf 385 Millionen Euro. Die Eigenkapitalrendite der Deka beträgt damit in diesem Jahr bislang 11,6 Prozent und ist doppelt so hoch wie die der Helaba.

          In Sparkassenverbänden im Osten Deutschlands und in Nordrhein-Westfalen, die nach dem Scheitern von SachsenLB und West LB keine oder nur noch sehr geringe Beteiligungen an Landesbanken besitzen, besteht wenig Interesse, die Deka jetzt um eine Landesbank mit vielen niedrigmargigen Krediten zu erweitern. Vielmehr halten es Sparkassenverbände dort für eine Errungenschaft, dass sie 2011 von den Landesbanken die Deka-Beteiligungen kaufen und die Fondsgesellschaft anschließend etwa mit der Erweiterung um Zertifikate ganz auf ihre Bedürfnisse hin ausrichten konnten.

          Wie können die Hessen Baden-Württemberg ködern?

          In Baden-Württemberg kommt hinzu, dass der Sparkassenverband dort im Jahr 2009 die Landesbank in Stuttgart mit Milliarden hat stützen müssen. Nun hat er kein Interesse daran, die Helaba als Konkurrent der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) durch eine Fusion mit der Deka zu stärken. Dagegen wünscht sich Helmut Schleweis, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), eine einzige Sparkassen-Zentralbank, die aus der Deka, der Immobilienbank Berlin Hyp und den noch fünf Landesbanken hervorgehen soll. Die Verbindung aus Deka und Helaba soll dafür der erste Schritt sein. In Frankfurt sind viele dafür, nicht zuletzt die Hessische Landesregierung, deren Einfluss über den Helaba-Anteil von 8 Prozent weit hinaus geht.

          Ob auch die Vorstände von Deka und Helaba einer Fusion positiv gegenüberstehen, wird man wahrscheinlich früher merken als es derzeit behauptet wird. Üblicherweise zeigt sich schon nach wenigen Wochen, ob Gespräche in einem verbindenden Geist geführt werden oder ob gebremst wird – etwa indem der Gegenseite wichtige Daten vorenthalten werden. Sollten die Vorstände von Deka und Helaba sich vielleicht im Sommer 2020 in groben Zügen darauf verständigt haben, dass sie fusionieren wollen, werden sie dem Sparkassenverband Baden-Württemberg für seine Zustimmung etwas bieten müssen. Was das sein könnte, dazu fehlt vielen noch die Phantasie. Die Landesbausparkasse der Helaba? Die Begeisterung im Ländle scheint nicht besonders groß. Tatsächlich leiden die Bausparkassen besonders unter der Niedrigzinsphase, und die LBS Baden-Württemberg ist gerade erst dabei, ihre Fusion mit Rheinland-Pfalz zu verkraften. Aber irgendetwas wird man Baden-Württemberg bieten müssen, um die Schwaben zu erweichen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gelände getroffen: Die amerikanische Botschaft am Fluss von Tigris in Bagdad, Irak.

          Irak : Rakete trifft amerikanische Botschaft in Bagdad

          Es ist nicht der erste Raketenangriff auf amerikanische Ziele in Irak: Doch nun hat eine Rakete das Gelände der amerikanischen Botschaft in Bagdad direkt getroffen. Mindestens drei Menschen sollen verletzt worden sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.