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Sparkassen : Hessische Kunden zahlen hohe Dispozinsen

Kontoauszug: Dispozinsen sind hoch Bild: dpa

Die Zinsen sind niedrig wie nie – nur nicht für klamme Bankkunden, die ihr Konto überziehen. Sparkassen verlangen im Schnitt 10,35 Prozent, doch gibt es deutliche regionale Unterschiede.

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          Tagesgeld, Festgeld, selbst Baudarlehen: Es gibt kaum mehr ein Feld, auf dem die Zinsen sehr weit über null geblieben sind. Mit einer Ausnahme: die Dispozinsen, die Banken verlangen, wenn jemand sein Girokonto überzogen hat. Das hat die Internetplattform Konto.org gerade in einem Vergleich nochmal eindrucksvoll untermauert. Demnach kommen die 381 deutschen Sparkasse mit ihren 47,8 Millionen Girokonten im Durchschnitt auf einen Zinssatz von 10,35 Prozent im Jahr. Das war gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang, allerdings nur ein sehr leichter: Im Durchschnitt sind die Zinsen um 0,06 Prozentpunkte gefallen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zum Vergleich: Der durchschnittliche Zinssatz für einen Ratenkredit auf 36 Monate liegt im Augenblick nach Zahlen der FMH-Finanzberatung bei 4,18 Prozent, der Zinssatz für einen Hypothekenkredit mit zehn Jahren Zinsfestschreibung bei 0,72 Prozent.

          Dabei gibt es auch nochmal regionale Unterschiede. Demnach sind die Dispozinsen bei den Sparkassen in Berlin und Brandenburg mit 9,13 Prozent im Schnitt am niedrigsten. Danach kommen Hamburg mit 9,59 Prozent und Sachsen mit jeweils 9,76 Prozent. Wer hingegen in Bremen lebt, muss durchschnittlich 11,71 Prozent an Dispozinsen aufbringen. Nimmt man die Stadtstaaten heraus, dann liegen die Dispozinsen im Bundesland Hessen mit 10,82 Prozent am höchsten. Die Sparkassen-Kundschaft in Nordrhein-Westfalen muss im Schnitt 10,77 Prozent zahlen. In Bayern liegt der durchschnittliche Dispozins bei 10,29 Prozent.

          Insgesamt 212 Sparkassen verlangten mehr oder mindestens den Durchschnittswert von 10,35 Prozent, berichtet das Internetportal weiter. 133 Sparkassen schafften es, den bundesweiten Durchschnitt aller Banken aus den verschiedenen Bankengruppen von 9,68 Prozent zu unterbieten. Am günstigsten sei weiterhin die Sparkasse Holstein mit 5,71 Prozent. Die rote Laterne habe jetzt die Sparkasse Gengenbach in Baden-Württemberg mit 12,31 Prozent. Sie habe die Sparkasse Mecklenburg-Strelitz abgelöst. Insgesamt 62 Sparkassen hätten in den vergangenen zwölf Monaten ihre Dispozinsen gesenkt. Bei elf Sparkassen sei der Dispozins gestiegen, wenngleich nur um 0,01 bis maximal 0,06 Prozentpunkte.

          Längerfristig war bei den Dispozinsen aller Bankengruppen im Durchschnitt ein leichter Rückgang zu beobachten gewesen. Laut Stiftung Warentest waren die durchschnittlichen Dispo-Zinsen vor ungefähr drei Jahren unter die Marke von 10 Prozent gefallen. Trotzdem gibt es weiter viele Institute, die mehr als 10 Prozent verlangen. Manche Genossenschaftsbanken nehmen sogar noch mehr als die Sparkassen, bis hin zu 13 Prozent. Einige Onlinebanken hingegen wie die ING Deutschland mit 6,99 Prozent oder die Berliner Direktbank DKB mit 6,9 Prozent drücken den Bundesdurchschnitt.

          Die Banken begründen die hohen Dispo-Zinsen oft damit, dass der Dispokredit nur zur Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsengpässe gedacht sei – insbesondere finde keine Prüfung der Bonität statt. Das müsse sich in einem höheren Zinssatz mit Risikoaufschlag ausdrücken. Gleichwohl gab es immer mal wieder Empörung bei Verbraucherzentralen und Politikern darüber, dass die Abstände zwischen Zinssätzen etwa für sonstige Krediten und den Dispozinsen so hoch seien. Auch Forderungen nach gesetzlich festgelegten Obergrenzen hat es schon gegeben.

          Vor rund drei Jahren hatte die Bundesregierung daraufhin grundsätzlich strengere Regeln für Dispo-Kredite eingeführt, aber auf eine sehr scharfe Regulierung verzichtet. Unter anderem müssen die Banken ihre Kunden jetzt anschreiben, wenn diese ihren Dispokredit längere Zeit zu großen Teilen ausgeschöpft haben. Dann müssen sie ihnen einen günstigeren Kredit zum Ablösen des Dispo-Kredits anbieten. Banken und Sparkassen berichten, so werde jetzt verfahren, ohne genaue Zahlen zu den Erfolgen zu nennen.

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