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Sparkassen-Check : Viele Sparkassen-Vorstände verdienen mehr als Merkel

  • -Aktualisiert am

Die Zentrale der Stadtparkasse Düsseldorf. Bild: dpa

Die größte Auswertung von Vorstandsgehältern der Sparkassen zeigt: Auch manche kleine Institute zahlen hohe Gehälter.

          Von 88.000 Euro bis 850.000 Euro: In einer neuen Datenbank von correctiv.org und der F.A.Z. sind erstmals die Vorstandsgehälter von gut zwei Drittel aller Sparkassen ausgewertet. Die Analyse zeigt zudem, ob die Gehälter angemessen sind.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Da viele Sparkassenvorstände nicht ihr konkretes Gehalt veröffentlichen, ist in der Analyse das durchschnittliche Gehalt der häufig drei Vorstände einer jeden Sparkasse aus dem Jahr 2014 errechnet. Dadurch lassen sich die Gehälter von 287 der damals noch 417 Sparkassen benennen.

          Das Gehalt der Vorstände der öffentlich-rechtlichen Sparkassen war in der Vergangenheit immer wieder Thema. Bislang konzentrierte sich die Diskussion aber meist auf Nordrhein-Westfalen, da dort härtere Transparenzpflichten gelten als in anderen Bundesländern. Peer Steinbrück, ehemaliger SPD-Kanzlerkandidat, machte die Gehälter sogar im Wahlkampf zum Thema. „Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin“, sagte Steinbrück schon vor Jahren.

          Die Auswertung zeigt: Steinbrück hat sogar untertrieben. Nicht nur in Nordrhein-Westfalen verdienen die Vorstände mehr als die Bundeskanzlerin. Tatsächlich zahlen knapp 60 Prozent der ausgewerteten Sparkassen ihren Vorständen mehr als die etwa 282.000 Euro, die Merkel als Kanzlerin inklusive ihrer Bezüge als Abgeordnete erhält.

          Die größten Sparkassen zahlen am meisten

          Wenig überraschend verdienen die Vorstände am meisten, die bei den Sparkassen mit der höchsten Bilanzsumme arbeiten. Vorne liegen die Chefs der Hamburger Sparkasse, die durchschnittlich 853.000 Euro im Jahr bekamen. Harald Vogelsang, Chef dieser freien, also privatrechtlich geführten Sparkasse an der Elbe, dürfte sogar Einkommensmillionär sein. Dahinter folgten die Vorstände der Kreissparkasse Köln mit durchschnittlich 704.280 Euro, wobei Vorstandschef Alexander Wüerst stolze 867.900 Euro erhielt. Das ist das höchste bekannte Gehalt unter den öffentlich-rechtlichen Sparkassen. „Ich empfinde das als angemessen“, sagt Wüerst. Die Berliner Sparkasse zahlte ihren fünf Vorständen im Schnitt 651.833 Euro und die Manager in Hannover wurden mit 613.661 Euro entlohnt.

          Sind hunderttausende Euro für Vorstände in kommunalen Kreditinstituten angemessen? Wie werden die Vorstände in anderen Banken entlohnt?

          Nur wenige genossenschaftliche Volks- und Raiffeisenbanken veröffentlichen die Chefgehälter. Die wenigen öffentlichen Zahlen bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau wie die der Sparkassen. So bezahlt die Volksbank Donau-Mindel ihren Chefs im Schnitt 295.684 Euro, nicht weit entfernt erhalten die Vorstände der etwa gleichgroßen Sparkasse Günzburg-Krumbach durchschnittlich 296.500 Euro. Der zentrale Unterschied: Bei den Genossenschaftsbanken sitzen in der Regel mehr Personen im Vorstand, wodurch die Gesamtausgaben höher liegen dürften als bei den Sparkassen. Außerdem sind die Genossenschaften quasi ein privater Club, der sich eine Vereinsführung bezahlt – somit Privatsache der Mitglieder.

          Die Gehälter der großen Privatbanken sind noch deutlich höher. Die Vorstände der Commerzbank verdienten 2014 durchschnittlich 1,3 Millionen Euro und bei der Deutschen Bank stolze 5 Millionen Euro. Dazu kommen bei der Deutschen Bank allerhand Investmentbanker, die ähnlich oder sogar mehr verdienen als der Vorstand: Der Geschäftsbericht von 2014 weist 816 Mitarbeiter mit Bezügen zwischen 1 und 9 Millionen Euro aus.

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