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Sparkassen-Check : Viele Sparkassen-Vorstände verdienen mehr als Merkel

  • -Aktualisiert am

Wie werden die Gehälter ermittelt?

In Nordrhein-Westfalen existieren zwei Sparkassenverbände parallel. Beide geben ihren Sparkassen nur Empfehlungen für eine angemessene Vergütung, keine feste Regeln. Diese Empfehlungen unterscheiden sich bei den beiden NRW-Verbänden. Das sorgte zuletzt für Diskussionen. Die rot-grüne Landesregierung fordert von den Verbänden ein einheitliches Dokument. Demnächst soll es ein Treffen zwischen der Regierung und Verbandsvertretern geben.

Anders ist das in Bayern. Dort hat der bayerische Sparkassenverband verbindliche Richtlinien vorgegeben. Unsere Auswertung zeigt, dass die Gehälter von gleichgroßen Sparkassen in Bayern deutlich näher beieinander liegen als in Nordrhein-Westfalen. In Bayern verdienen die Vorstände im Schnitt auch weniger.

„Von außen hat das den Anschein, dass es nach Selbstbedienung aussieht“, sagt  Martin-Sebastian Abel, finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Nordrhein-Westfälischen Landtag. Die Höhe der Gehälter sei teilweise willkürlich. Eine freie Verteilung sei nach außen nicht vermittelbar. Die Auswertung zeige, dass Verbände klare Regeln für Sparkassen aufstellen müssten. „Wenn sie das nicht tun, wären wir bereit, das gesetzlich zu machen“, sagt Abel.

In der Praxis läuft es in Nordrhein-Westfalen so: Die Gehälter für die Vorstände müssen vom Verwaltungsrat einer Sparkasse abgesegnet werden. Darin sitzen neben wenigen Mitarbeitervertretern vor allem die Lokalpolitiker aus der Region. Diese sollen sich an die Empfehlungen der Verbände halten. Die Empfehlungen sind jedoch zum einen nicht verbindlich und definieren zum anderen lediglich grobe Gehaltsklassen – mit großen Spielräumen. Die beiden Sparkassenverbände in NRW bestätigen das. „Es kann aus unterschiedlichen Erwägungen und Gründen von den Verbandsempfehlungen abgewichen werden“, sagt Andreas Löbbe, Sprecher des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe. Die Entscheidung liege in der Verantwortung des Verwaltungsrats der Sparkassen.

Freiere Gehaltsverhandlungen - gut oder schlecht?

Am Ende hängt das konkrete Gehalt vom Verhandlungsgeschick des Managers ab. Möchte ein Vorstand die Empfehlungen überschreiten, braucht er die Zustimmung der Politiker im Verwaltungsrat. Können die Politiker immer unabhängig darüber entscheiden? Schließlich erhalten die Verein in der Region regelmäßig Spenden von der Sparkasse und für lokale Bauprojekte kommt der Kredit nicht selten von der Sparkasse vor Ort.

In Bayern hat das politische Aufsichtsgremium weniger Entscheidungsmöglichkeiten. „Der Verwaltungsrat einer Sparkasse kann die maximalen Grenzen nicht überschreiten“, schreibt Eva Mang, Sprecherin des Sparkassenverbandes Bayern.

„Gehaltsverhandlungen sollten keine Pokerturniere sein“, sagt Ralf Witzel, finanzpolitischer Sprecher der FDP im NRW-Landtag. Mit öffentlichen Trägern brauche man eine gewisse Vereinheitlichung – und klare Grenzen für die Gehälter. „Manche Entscheidungen, die bei der Vergütung getroffen wurde, sind aus politischer Perspektive nicht nachvollziehbar.”

Knapp ein Drittel aller Sparkassen veröffentlicht bis heute keinerlei Angaben zu den Gehältern ihrer Vorstände. Diese Sparkassen folgen damit dem Präsident des Sparkassen-Dachverbandes, Georg Fahrenschon. Der appellierte bei seiner Grundsatzrede auf dem Sparkassentag im April an die vor ihm versammelten Vorstände: „Ich halte es nicht für richtig, Gehälter und Pensionen Einzelner auf dem offenen Markt zu handeln.“

In Nordrhein-Westfalen müssen die Gehälter bereits seit 2011 veröffentlicht werden. In diesem Jahr hat auch Schleswig-Holstein mit einem neuen Transparenzgesetz für öffentlich-rechtliche Unternehmen nachgezogen.

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