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Sparkassen-Check : Viele Sparkassen-Vorstände verdienen mehr als Merkel

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Aber Sparkassen erheben den Anspruch, anders zu sein. Kunden- und gemeinwohlorientiert, gelebte soziale Marktwirtschaft, wie es oft vollmundig heißt. Und nicht nur intern kann es daher als ungerecht und unangemessen empfunden werden, wenn Chefs von kleinen Sparkassen mehr Geld verdienen als die Vorstände von großen kommunalen Kreditinstituten.

Auffällige Ausreißer

Zum Beispiel im Saarland: Dort gibt es teilweise ein klares Land-Stadt-Gefälle – anders, als man es üblicherweise kennt. Die beiden Vorstände der Kreissparkasse Saarpfalz in Homburg erhielten 2014 im Schnitt 305.000 Euro. Rund 450 Mitarbeiter werden dort beschäftigt. Nebenan, in der Landeshauptstadt, bei der Sparkasse Saarbrücken haben die vier Vorstände die dreifache Zahl an Mitarbeitern zu verantworten und erhalten dafür trotzdem nur fast das gleiche Geld. Im Schnitt bekamen sie knapp 300.000 Euro überwiesen.

Die hohen Vorstandsgehälter aus dem Jahr 2014 bestätigt Stefan Gessner, Sprecher der Kreissparkasse Saarpfalz. Er verweist auf das Folgejahr, in dem die Gehälter „deutlich nach unten angepasst“ angepasst worden seien. Tatsächlich: 2015 wurden 60.000 Euro weniger an die Vorstände verteilt. Sie kamen nur noch auf einen Schnitt von 270.500 Euro. Das zeigt ein Blick in den aktuellen Jahresbericht. Woran das lag? „Neue Verträge, neue Konditionen“, schreibt Gessner. Der alte Chef, Gunar Feth, trat im Oktober 2014 ab. Er hatte die Jahre zuvor offenbar ein vergleichsweise hohes Gehalt von seiner Sparkasse gezahlt bekommen.

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Auch in Hessen gibt es auffällige Sprünge. Die vier Vorstände der Kasseler Sparkasse erhielten durchschnittlich 310.000 Euro. Sie verantworten fast 1.200 Mitarbeiter. Rund 200 Kilometer südlich beschäftigt die Sparkasse Langen-Seligenstadt etwa 400 Mitarbeiter weniger. Dennoch werden die beiden Vorstände deutlich besser entlohnt und erhalten im Schnitt 100.000 Euro mehr als in Kassel, also 408.500 Euro. „Das Gehalt ist angemessen“, sagt Markus Post, der das Vorstandssekretariat der Sparkasse Langen-Seligenstadt leitet. Zwei Vorstände würden eine andere Aufgabendichte haben als drei oder mehr Vorstände. Das sei eine „Strategiefrage“.

Größe und Gehälter vergleichen

Um die Vorstandsgehälter untereinander vergleichbar zu machen, hat das Recherchebüro Correctiv eine Formel definiert, um die Größe einer Sparkasse darzustellen. Diese beinhaltet Kernwerte einer jeden Sparkasse: Die Bilanzsumme, das Volumen der vergebenen Kredite und das Eigenkapital. So kann erstmals verglichen werden, ob die Vorstandsgehälter verglichen mit der Größe der Sparkasse auch angemessen sind. Jeder Punkt stellt eine Sparkasse dar. Je weiter oben der Punkt liegt, desto höher ist das durchschnittliche Vorstandsgehalt. Liegt der Punkt weiter rechts, ist die Sparkasse größer.

Die vier Vorstände der Sparkasse Münsterland Ost verantworteten im Jahr 2014 gut 1.400 Mitarbeiter und erhielten dafür durchschnittlich 556.000 Euro. In Düsseldorf gab es im selben Jahr zwei Personalwechsel im Vorstand. Die Chefs der Stadtsparkasse Düsseldorf bekamen im Schnitt 487.000 Euro, obwohl die Sparkasse der Landeshauptstadt zu den größten Sparkassen in Deutschland zählt. Der Vorstand in Düsseldorf verantwortete mehr als 2.000 Mitarbeiter, trotzdem wurden die Chefs in Münster deutlicher besser bezahlt.

Drei Vorstände der Sparkasse Leverkusen, die rund 600 Mitarbeiter im Jahr 2014 beschäftigten, erhielten im Schnitt fast 430.000 Euro. Bei der Sparkasse Neuss waren doppelt so viele Mitarbeiter beschäftigt. Dennoch wurden auf der anderen Seite des Rheins an jeden der vier Vorstände rund 50.000 Euro weniger verteilt.

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