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Sparkassen-Check : Wie sicher sind die Sparkassen?

In Zukunft müssen wohl weniger Sparkassen-Symbole produziert werden. Bild: Picture-Alliance

Die Sparkassen sind gut durch die Finanzkrise gekommen. Was wird jetzt aus ihnen? Sie können uns helfen, das herauszufinden.

          Vielleicht sind es nur Einzelfälle, aber aus allen Ecken der Republik kommen ähnliche Nachrichten: In Mittelhessen etwa will die Sparkasse Wetzlar bis Ende 2016 von heute 49 Filialen 15 schließen. In nur noch 26 statt bisher 42 Filialen will diese Sparkasse noch persönliche Beratung anbieten, an den restlichen verbleibenden 23 Standorten werden die Kunden mit Kontoauszugsdruckern und Geldautomaten vorlieb nehmen müssen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Andernorts klingt es ähnlich einschneidend. Die Sparkasse Osnabrück, eine der größten Sparkassen in Niedersachsen, schließt 17 von 58 Filialen, die Sparkasse im rheinland-pfälzischen Koblenz 10 von 48 und die Sparkasse Duisburg die Hälfte ihrer mit Personal ausgestatteten Niederlassungen.

          Auch wenn es den Sparkassen im Norden und Osten Deutschlands wegen der dort stärker schrumpfenden Bevölkerung und des geringeren Wirtschaftswachstums schlechter geht als im Süden Deutschlands, so bleibt doch auch in bayerischen Sparkassen nicht alles wie es war. Die Kreissparkasse Augsburg etwa gibt neun von 36 Standorten auf. Und im Altmühltal sprechen gleich drei Sparkassen über einen Zusammenschluss zu einer Großsparkasse für das nördliche Oberbayern.

          Filialen aufgeben, mit Nachbarsparkassen fusionieren, das ist ein schmaler Grat. Denn es wird so für die Sparkassen schwieriger, ihren öffentlichen Auftrag zu erfüllen. Wir sind bürgernah, Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge, gemeinwohlorientiert und deshalb gut für Deutschland – so ist das vielleicht etwas altmodische Selbstbild, mit dem sich die Sparkassen in der Finanzkrise als vitale Kraft positionierten. So setzten sie sich von den Skandalen ihrer Landesbanken für weite Teile der Öffentlichkeit erfolgreich ab: Während für andere Banken gierige Boni-Investmentbanker auf den Kapitalmärkten Geld versenkten, haben die biederen Sparkassen mit lokalem Geschäft lange gut verdient.

          Doch das ändert sich jetzt. Noch sind die Gewinne im Durchschnitt hoch, aber das Brot- und Butter-Geschäft wird härter.

          Traditionell erzielen Sparkassen 80 Prozent ihrer Erträge, indem sie Spargelder annehmen und Kredite vergeben. Doch wegen der niedrigen Zinsen bricht ein großes Stück dieser wichtigsten Ertragssäule weg. „Aus heutiger Sicht ist im Jahr 2019 mit einem Rückgang des operativen Ergebnisses um rund 2,3 Milliarden Euro zu rechnen“, sagte Sparkassenverbandspräsident Georg Fahrenschon dieser Tage zu Sparkassenvorständen. Das wären 20 Prozent weniger als die 416 Sparkassen noch im Jahr 2014 verdienten.

          Die niedrigen Zinsen sind ein Ärgernis. Viele Privatkunden, denen die Sparkassen oft nur noch 0,1 Prozent aufs Tagesgeld gutschreiben, empfinden diesen Zinssatz fast als Beleidigung. Für Sparkassen aber ist schon das eigentlich zu viel, denn sie müssen ihrerseits der Europäischen Zentralbank für dort hinterlegte Einlagen Gebühren (negative Zinsen) zahlen. Viele Sparkassen haben mehr Privatkundeneinlagen angenommen als Kredite vergeben, weil viele Unternehmen weniger Kredite  nachfragen. Den Einlagenüberschuss am Kapitalmarkt anzulegen, lohnt sich angesichts niedrigerer Zinsen kaum.

          Sparkassenverbandspräsident Fahrenschon ermuntert deshalb seine Sparkassen, sich stärker ins internationale Firmenkreditgeschäft zu trauen. Dort kann man höhere Zinsen verlangen. Die schwerer zu durchschauenden Risiken im internationalen Geschäft zu kalkulieren, fällt aber gerade den Sparkassen schwer.

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