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Sparkassen-Check : Landesbausparkassen brauchen Hilfe der Sparkassen

Geschäftsstelle der Westdeutschen Landesbausparkasse Bild: dpa

Die Niedrigzinsphase ist für einige Banken und Sparkassen zum Überlebenskampf geworden. Besonders für die Landesbausparkassen - und der fordert Opfer.

          Fast alle Landesbausparkassen kämpfen ums Überleben. Als Ein-Produkt-Unternehmen sind sie in der Niedrigzinsphase besonders gebeutelt: Ihren Bausparvertrag mit dem vor Jahren vereinbarten Kreditzins abzurufen, ist für viele Kunden heute unattraktiv. Nur das Ansparen in vor längerer Zeit abgeschlossenen Bausparverträgen lohnt sich. Deshalb sparen die Kunden unerwartet lange, und die Bausparkassen geraten durch die zu leistenden Zinszahlungen derart unter Druck, dass sie Tausende Kunden herauswerfen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch damit nicht genug: Die Eigner der neun Landesbausparkassen (LBS), die Sparkassen als Mitglieder regionaler Sparkassenverbände, müssen mit weiteren Maßnahmen auf die Existenzkrise reagieren, unterscheiden sich dabei aber in ihrer Strategie.

          Die LBS in München zwingt die bayerischen Sparkassen als Eigner zu einer Abschreibung auf ihre Beteiligung. Damit werden die Gewinne der bayerischen Sparkassen nicht unerheblich belastet. Die LBS in Baden-Württemberg fusioniert mit der LBS in Rheinland-Pfalz und opfert dafür stille Reserven. Und in Nordrhein-Westfalen benötigt die LBS eine Eigenkapitalerhöhung.

          Die Lage ist ernst. Wie diese Zeitung erfahren hat, müssen die westfälisch-lippischen Sparkassen am 15. Dezember und die rheinischen Sparkassen am 21. Dezember auf Verbandsversammlungen über eine Kapitalerhöhung der LBS West entscheiden. Erhält die LBS West nicht die geplanten 300 Millionen Euro von ihren Eignern, erfüllt sie dem Vernehmen nach nicht länger die aufsichtsrechtlichen Eigenkapitalanforderungen.

          Die LBS West war Anfang des Jahrtausends aus der West LB herausgelöst worden. Damals hatte sie ein funktionierendes Geschäftsmodell und benötigte nur wenig Eigenkapital. Das ist heute anders, die Aufseher überziehen die Bausparkassen wegen der Niedrigzinsphase mit Stresstests und erhöhen die Eigenkapitalanforderungen.

          LBS West in schwieriger Lage

          Es ist aber nicht so, dass sich die LBS West allein auf ihre Eigner, die beiden nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände, stützen würde. Das wäre schon deshalb heikel, weil Kapitalerhöhungen in der öffentlich-rechtlichen Bankengruppe schnell von der EU-Kommission als Beihilfe gewertet werden. Hier wähnt man sich aber auf der sicheren Seite: Dem Vernehmen nach haben zwei renommierte Anwaltskanzleien bescheinigt, dass auch ein privater Investor neues Geld in die Landesbausparkasse stecken würde. Denn die LBS West sei kein Sanierungsfall, die Kapitalerhöhung unternehmenswertsteigernd.

          Das sehen nicht alle Sparkassen in Nordrhein-Westfalen so. Zwar wird der LBS West durchaus angerechnet, dass sie bei sich selbst spart: Bis 2020 werden in Münster gut 100 der 650 Vollzeitstellen wegfallen. Aber vielen Sparkassen stößt sauer auf, dass sie Geld in ein Geschäftsmodell stecken sollen, das nicht mehr funktioniert. In nordrhein-westfälischen Sparkassen wird darüber hinaus befürchtet, dass sie im kommenden Jahr dann auch Abschreibungen auf ihre Beteiligung am Versicherer Provinzial verkraften müssen. Schließlich hat auch dessen Lebensversicherungs-Sparte, die ihren Kunden noch eine durchschnittlichen Rendite (Garantiezins) von 3,5 Prozent vertraglich zugesagt hat, so gut wie keine Chance, in der Niedrigzinsphase mit Gewinn zu arbeiten.

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          Die Schwierigkeiten der öffentlich-rechtlichen Bausparkassen wie auch der Versicherer erhöhen den Druck, mit Zusammenschlüssen zu Kosteneinsparungen zu kommen. Doch die Sparkassenfinanzgruppe ist keine Bundesorganisation. Die rund 400 Sparkassen sind kommunal getragen, die Sparkassengesetze und damit auch die Sparkassenverbände sind Ländersache. Das ist der wesentliche Grund, warum sich die Sparkassen-Finanzgruppe noch elf Versicherer, neun Landesbausparkassen und sieben Landesbank-Konzerne leistet.

          Das Gegenbeispiel ist der größte Wettbewerber, die genossenschaftliche Finanzgruppe: Hier gibt es schon lange mit Schwäbisch Hall nur eine Bausparkasse, mit R+V nur einen Versicherer und nach der Fusion von DZ und WGZ 2016 dann wohl auch nur noch eine Zentralbank. Auch in der Genossenschaftsbankengruppe sind Fusionen nicht einfach, aber in der Sparkassen-Gruppe sind sie ungleich schwerer. Politiker reden mit, und Sparkassenvorstände schätzen die nicht schlecht bezahlten Posten in den Gremien der Verbundunternehmen.

          Auch verkaufen sich die Bausparkassen gruppenintern nicht schlecht. Die LBS West etwa behauptet von sich, die effizienteste zu sein. Andere haben mehr Eigenkapital, wieder andere behaupten, sie hätten die meisten Bausparverträge mit niedrigen Zinsen und seien daher am besten für die Niedrigzinslandschaft aufgestellt. „Warum lässt man nicht jede Bausparkasse ihre Stärke in ein fusioniertes Unternehmen einbringen?“, fragt ein Sparkassenvorstand halb seufzend, halb verzweifelt. Noch scheint die Zeit nicht reif. Immerhin sollen acht von neun Landesbausparkassen ab 2016 dieselbe Informationstechnik verwenden. (Kommentar Seite 26.)

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