https://www.faz.net/-gv6-8a0cq

Sparkassen-Check : Die neun Probleme des Systems

  • -Aktualisiert am

Gemeinsam Sparkassen checken - machen Sie mit. Bild: dpa

Die Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe ist angeschlagen. Doch sie ist nur eine von vielen. Tatsächlich krankt das System an einigen grundsätzlichen Problemen.

          6 Min.

          Im Fall der Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe lief besonders viel schief. Aber auch, wo Bürgermeister und Vorstände besser gewirtschaftet haben, steht das System Sparkasse vor dem Kollaps. Weil es neun Probleme gibt, auf die die deutschen Sparkassen bislang keine Antwort gefunden haben.

          Niedrige Zinsen, weniger Gewinn

          Seit 2009 sank der Zinsüberschuss der gesamten Sparkassen-Finanzgruppe um elf Prozent auf 32 Milliarden Euro. Grund ist, dass die Zinsen auf einem historischen Tief angelangt sind und dass immer weniger Menschen einen Kredit bei der Sparkasse aufnehmen. Zum Zeitpunkt der Bankenkrise 2008 vergab etwa das Institut in Dinslaken noch Kredite in Höhe von 3,4 Milliarden Euro. Fünf Jahre später war es weniger als die Hälfte. Das Kerngeschäft der Sparkassen ist damit rückläufig.

          Nicht krisenfest

          Jede Bank muss für schwierige Zeiten Rücklagen bilden, die nicht abhängig sind vom Tagesgeschäft oder den Launen der Märkte. Banken müssen ihre Finanzierung aus eigenen Mitteln, ihr Eigenkapital, erhöhen. Wenn eine Bank genügend Eigenkapital hat, können unerwartete Verluste durch die Eigentümer der Bank getragen werden, und der Steuerzahler muss nicht wie im Falle etwa der Hypo Real Estate einspringen.

                

          Der Basler Ausschuss für Bankenregulierung hat unter dem Namen Basel III geregelt, dass Banken mehr Kapital für ihre Risiken zurücklegen müssen. Bis 2019 müssen die Banken ihr Eigenkapital schrittweise erhöhen. Die genauen Regeln sind sehr komplex. Eine einfache Vergleichsmöglichkeit ist zu ermitteln, wie viel Eigenkapital die Bilanz enthält, das heißt, wie hoch die Eigenkapitalquote ist.

          Deutschlands drei größte Privatbanken hatten im Jahr 2014 bilanziell Eigenkapitalquoten von 4 Prozent (Deutsche Bank), 4,8 Prozent (Commerzbank) und 5,9 Prozent (Unicredit). Die sogenannten harten Kernkapitalquoten betrugen 11,7 bzw. 10,4 Prozent für die Unicredit.

          Die Stadtsparkasse Oberhausen kam auf eine bilanzielle Eigenkapitalquote von 4,6 Prozent, die Ostsächsische Sparkasse Dresden auf 3,4 und die Verbandssparkasse Goch-Kevelaer-Weeze auf 3,2 Prozent, Die sogenannten harten Kernkapitalquoten lagen für die beiden ersten bei 5,1 und für die Verbandssparkasse bei 7,1 Prozent.

          Die Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe hat bisher noch keinen Jahres- und Offenlegungsbericht für 2014 veröffentlicht. 2013 lag die Eigenkapitalquote bei 5,4 und die harte Kernkapitalquote bei 2 Prozent.

          Die öffentlich-rechtlichen Sparkassen setzen wie die große Banken hauptsächlich auf fremdes Kapital, was immer Risiken ausgesetzt ist. Sie sehen Basel III als Angriff auf das System der lokalen Kleinbanken. Sie wollen nicht die gleichen Regeln erfüllen, wie es Deutsche Bank oder HSBC tun müssen. So schimpfen Vorstände und Politiker wahlweise auf „Amerikaner“, „Briten“ oder „Finnen“, die selber keine öffentlichen Banken haben und deswegen den deutschen Sparkassen das Leben schwer machen würden.

          Martin Hellwig, Direktor am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, sieht das anders. „Ich sehe keinen akzeptablen Grund, Sparkassen anders zu regulieren als Großbanken. Auch das gewöhnliche Kreditgeschäft ist riskant.” Es sei richtig, Eigenkapital der Banken staatlich zu kontrollieren. Hellwig: „Die Risiken betreffen uns alle - und können uns teuer zu stehen kommen.”

          Weitere Themen

          Weltgrößter Börsengang erfolgreich Video-Seite öffnen

          Aramco-Aktie im Plus : Weltgrößter Börsengang erfolgreich

          Der weltgrößte Börsengang des Ölkonzerns Saudi Aramco ist ein Erfolg: Die Aktien der saudiarabischen Staatsfirma debütierten am Mittwoch mit 35,2 Riyal an der Börse in Riad. Das ist ein Plus von zehn Prozent im Vergleich zum Ausgabepreis.

          Topmeldungen

          Die draußen gegen die drinnen: Aktivisten demonstrieren am Mittwoch vor den Türen der Messehalle in Madrid.

          Klimagipfel in Madrid : Aufbruch im Mäuseschritt

          Beim Klimagipfel in Madrid trifft Protest auf Politik, ehrgeizig wollen alle sein. Doch im Inneren der Messehalle sind selbst kleine Kompromisse mühsam – vielversprechend klingt nur der „Green Deal.“
          Wenn als Kind Traumata erlebt werden, kann dies zu epigenetischen Veränderungen führen, die Depressionen hervorrufen.

          Wie viele Kinder leiden? : Die angeknackste Psyche der Jugend

          Warum sind in Deutschland doppelt so viele junge Menschen depressiv wie im Rest Europas? Eine große Studie legt das nahe. Doch die Statistik ist trügerisch, was nicht zuletzt auch an den Ärzten liegt.
          Das nächste „große Ding“? Auch IBM forscht im Bundesstaat New York an Quantencomputern.

          Bahnbrechende Technologie : Im Quantenfieber

          Unternehmen treiben die Quantentechnologie voran – nicht nur mit Computern, die Unglaubliches leisten. Thales aus Frankreich will Vorreiter sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.