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Neue Arbeitswelt : Viele Bankangestellte sehen in der Digitalisierung eine Last

Schöne analoge Welt? Bild: dpa

Denn laut einer Umfrage wird die Arbeitsersparnis als gering eingeschätzt. Das liegt vor allem daran, dass viele die neuen Programme noch nicht gut genug beherrschen.

          Man mag es kaum glauben. Doch offenbar ist die Arbeitswelt in den Banken weniger digital geprägt, als man dies vielleicht annehmen könnte. Nach einer Studie der Unternehmensberatung PPI jedenfalls gehören IT-Systeme zur Unterstützung der Arbeitsabläufe an jedem dritten Schreibtisch in einer Bank noch längst nicht zum Standard. Und dort, wo sie eingesetzt würden, empfinde sie wiederum im Durchschnitt ein Fünftel der Bankangestellten als eine Last. Denn die Bearbeitung der Aufgaben sei dadurch komplizierter oder umfangreicher geworden. Dies sind die Ergebnisse einer Umfrage von PPI unter Angestellten von Banken und Sparkassen, die der F.A.Z. exklusiv vorliegt.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dieses Empfinden hat offensichtlich gute Gründe. Denn jeder zweite Mitarbeiter fühle sich nicht ausreichend in die Nutzung der neuen Programme eingewiesen, sagen die Fachleute von PPI. Der Blick in das Innere der Kreditinstitute zeige, dass die Digitalisierung von Arbeitsabläufen alles andere als rund laufe – und dies ausgerechnet in Zeiten wachsenden Kostendrucks, in denen sich die Märkte immer dynamischer entwickelten und den Banken mit spezialisierten Fintechs neue Konkurrenz erwachse.

          Die Arbeitserleichterung, die digitale Systeme mit sich brächten, schätzen die Bankangestellten der Studie zufolge eher als gering ein. Dies könne auch mit der hohen Zahl an IT-Systemen zusammenhängen, die für die Bearbeitung eines typischen Auftrags notwendig sei, heißt es von PPI. Bankangestellte verstrickten sich häufig im Dschungel der Programme. Denn in der Hälfte der Fälle kämen für einen einzigen Auftrag im Normalfall drei bis fünf IT-Systeme zum Einsatz. Bei einem Drittel der Aufträge seien es sogar noch mehr. Dabei sollten sich Aufträge mit Hilfe digitaler Systeme eigentlich flexibler und effizienter bearbeiten lassen.

          Digitalisierung schreitet dennoch voran

          Als größte Hindernisse bei der Anwendung der IT-Systeme bewerteten die Angestellten Grenzen in der individuellen Bearbeitung eines Falles und die Bedienbarkeit. Ein großes Defizit in der digitalen Auftragsbearbeitung ergebe sich zudem über die verschiedenen Kontaktmöglichkeiten eines Kunden hinweg wie die Smartphone-App, Online-Banking am Computer oder das Gespräch mit dem Bankangestellten in der Filiale. Bei mehr als der Hälfte der an der Umfrage beteiligten Kreditinstitute ist demnach eine digitale Verknüpfung solcher Bankgeschäfte noch nicht möglich.

          Die Digitalisierung schreitet dennoch voran. Innerhalb der vergangenen drei Jahre seien an sechs von zehn Bankarbeitsplätzen Programme zur Erleichterung der Arbeitsabläufe eingeführt worden, heißt es von PPI. Gleichwohl gebe es einiges an Verbesserungspotential. Denn in jedem dritten Fall habe dies im Durchschnitt zu einer Arbeitsentlastung von weniger als 10 Prozent geführt und an einem von 20 Arbeitsplätzen sogar das Gegenteil bewirkt. Die Arbeitsabläufe seien häufig weiterhin konservativ.

          Typische Aufträge kämen zum Großteil durch persönliche Gespräche zustande, in den Abteilungen würden sie meist manuell verteilt. In neun von zehn Fällen würden die Aufträge nicht voll automatisiert bearbeitet. Und doch geht in der Umfrage fast jeder zweite befragte Bankangestellte davon aus, dass 20 bis 70 Prozent der Aufträge weitgehend automatisiert werden könnten. Für die Untersuchung wurden 130 einfache und leitende Angestellte von gut 45 Banken und Sparkassen aller Größenordnungen befragt. PPI ist auf die Beratung von Banken und Versicherern spezialisiert.

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