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Internet und Banken : Die Digitalisierung der Sparkassen hakt

In Sachen IT ist für die Sparkassen noch viel Luft nach oben. Bild: dpa

Die Sparkassen führen mehr als 17 Millionen Online-Konten. Gerade in diesem Bereich haben sie aber noch sehr viel zu tun. Im Januar unter neuer Regie.

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          Um schöne Worte ist Sparkassenverbandspräsident Georg Fahrenschon selten verlegen. Im Mai 2014 etwa kündigte Fahrenschon im Namen der 416 deutschen Sparkassen an, „eine grundlegende Auseinandersetzung“ mit Google und anderen in die Finanzbranche hineindrängenden Internetunternehmen zu suchen und sich dabei „mit Datensicherheit zu unterscheiden“.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damals wie heute ist die Frustration unter den Sparkassen über das Thema Digitalisierung groß: Einerseits herrscht unter etlichen der 240.000 Sparkassen-Mitarbeiter Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes, weil immer mehr Kunden Bankgeschäfte online und nicht mehr in der Filiale ausführen; anderseits fehlen Sparkassen oft noch die richtigen Mittel, um Filial- und Online-Banking richtig zu verzahnen - trotz Fahrenschons schöner Worte.

          Dass es mit der Digitalisierung in der Sparkassengruppe hakt, dafür gab es zuletzt mehrere deutliche Hinweise. Am offenkundigsten tritt der Rückstand beim Online-Bezahlen zutage. Schon die privaten Banken und Genossenschaftsbanken haben sich erst aufgerafft, als der amerikanische Bezahldienst Paypal in Deutschland schon 15 Millionen Nutzer hatte.

          Nun werden die ersten deutschen Banken endlich im Dezember den neuen, am Online-Girokonto des Privatkunden hängenden Zahlvorgang „Paydirekt“ anbieten können. Die Sparkassen aber kamen noch später als die anderen deutschen Kreditinstitute in die Gänge. Sie schlossen sich Paydirekt verspätet an und werden es zum Weihnachtsgeschäft nur selten anbieten können.

          Die meisten Sparkassen werden sogar erst im Frühjahr mit Paydirekt starten. Nicht nur, aber auch deshalb war Ludger Gooßens, im Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) für Digitalisierung verantwortlich, vor einigen Wochen nicht mehr zu halten. Fahrenschon musste Gooßens abberufen, ohne einen Nachfolger zu benennen.

          Ein Mann von McKinsey

          Mittlerweile ist einer ernannt: Joachim Schmalzl, seit 2004 Vorstandsmitglied der Sparkasse Köln-Bonn, wird neuer DSGV-Vorstand - wahrscheinlich tritt er sein neues Amt im Januar an. Der 50 Jahre alte Schmalzl bringt Organisations- und IT-Erfahrungen aus seiner früheren Berufstätigkeit für die Beratungsgesellschaft McKinsey und die BHF-Bank mit.

          Außerdem hat Schmalzl für die Sparkassen-Organisation in verschiedenen Gremien das schleppend verlaufende Projekt „Paydirekt“ begleitet. Er ist also in den Themen, wenn man das angesichts der Fülle der Herausforderung überhaupt sein kann.

          Die Herausforderung „Digitalisierung“ umriss Fahrenschon unlängst auf einer Bankenkonferenz in Frankfurt wie gewohnt mit schönen Worten: „Sparkasse ist, wenn mich mein persönlicher Berater mit allen Daten und Fakten im Smartphone in der Hosentasche begleitet!“

          Fahrenschon verwies darauf, dass die Sparkassen 17,3 Millionen Online-Konten führten, mehr als jeder Anbieter. 200 Mal häufiger als über eine Geschäftsstelle suchten Sparkassenkunden inzwischen über das Smartphone per App Kontakt zu ihrem Institut. Für Fahrenschon werden elektronische Postfächer, in denen Sparkassen heute schon 40 Millionen Dokumente für die Kunden ablegen, zur „Kommmunikationsdrehscheibe über alle Kanäle“, also gleichgültig, ob Kunden sich über Filiale, Online-Banking oder Smartphone-Programme (Apps) der Sparkasse nähern.

          Das hörte sich gut an. Fahrenschon sagte auch, Videoberatung stehe allen Sparkassen zur Verfügung. Ob sie die auch nutzen, das sagte er nicht.

          Schließlich kann Fahrenschon wenig verordnen. Über ihre Strategie gegen die bedrohlich niedrigen Zinsmargen und für Investitionen in die Digitalisierung entscheidet jede Sparkasse selbst, genauso wie über die Vertriebssteuerung. Auch die müsste sich ändern, wenn mit der Digitalisierung Ernst gemacht würde. Zwar gilt es weiterhin, Kunden mit zu viel unpassender Post nicht zu verärgern. Aber mehr online und mobiles Banking bieten eben auch die Chancen, internet-affine Kunden mit gezielten E-Mails zur Geldanlage anzuregen. Hier müssen die Sparkassen noch lernen.

          Auch für die zunehmende Schnelligkeit des Bankgeschäftes ist die schwerfällige Sparkassenorganisation nicht gut aufgestellt. Viel zu viele Gremien hat Fahrenschon ausgemacht, auch Gooßens war daran gescheitert. Fahrenschon will die Gremien bis Frühjahr straffen und muss dafür etlichen Mitgliedern Privilegien nehmen. Gewiss wird er auch dafür schöne Worte finden.

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