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Neues Gremium : Die Sparkassen bekommen ein neues Machtzentrum

Umbau: Der Hauptkoordinierungsausschuss soll künftig mehr Macht erhalten. Bild: dpa

Verbandspräsident Fahrenschon will ein Gremium für schnellere, verbindlichere Entscheidungen schaffen. Um die genaue Besetzung wird hart gerungen.

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          Strategische Entscheidungen sollen in der Sparkassen-Finanzgruppe künftig schneller fallen. Absprachen etwa über gemeinsame Technik soll auch verbindlicher von allen finanziert und eingesetzt werden. Zu diesem Ziel wird nach Informationen der F.A.Z. ein neues Gremium geschaffen, in dem die rund 40 wichtigsten Vertreter der kommunalen Bankengruppe ihre Interessen einbringen. Von rund 100 Arbeitskreisen, die sich die dezentrale Sparkassengruppe derzeit leistet, sollen ein Drittel wegfallen und ein Drittel verschlankt werden.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diesen in den vergangenen neun Monaten erarbeiteten Vorschlag wird der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, am Dienstag in Düsseldorf zur Abstimmung stellen. Dort findet an den beiden folgenden Tagen der „Sparkassentag“ statt. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Sigmar Gabriel werden auf diesem alle drei Jahre einberufenen „Familientreffen der Sparkassen-Finanzgruppe“ erwartet. Es ist mit 2500 Teilnehmern das größte Branchentreffen der Finanzwirtschaft in Europa.

          Sparkassen fühlen sich überfordert

          Die Sparkassen stehen vor schwierigen Jahren. Sie werden noch lange unter den tiefen Zinsen leiden, müssen in die fortschreitende Digitalisierung des Bankgeschäfts investieren und härtere Bankgesetze erfüllen. Als kleine Regionalbanken mit noch 19.900 Geschäftsstellen fühlen sich die 409 Sparkassen ähnlich wie die 1000 Volks- und Raiffeisenbanken von diesem Marktumfeld nicht nur herausgefordert, sondern oft sogar überfordert.

          Sparkassenvorstände lasten ihren Verbandsvertretern an, dass gerade bundesweit gemeinsame IT-Projekte zu lange Entwicklungszeiten benötigen. Es kam vor, dass IT-Systeme mit Fertigstellung schon fast wieder veraltet waren und manche Sparkasse sich dann an deren Kosten nicht mehr beteiligen wollte. Weil in den bevorstehenden schwierigen Zeiten noch einschneidendere und kostenträchtigere Entscheidungen anstehen, sollen gerade die Rechenzentralen der Sparkassen früher in geschäftspolitische Debatten eingebunden werden.

          Wegen der harten Zeiten ist auch Fahrenschon nicht unumstritten. Der frühere bayerische Finanzminister, der den Deutschen Sparkassen- und Giroverband seit Mai 2012 führt, ist einer der profiliertesten Kritiker der Niedrigzinspolitik der EZB. Intern aber ist ihm noch nicht viel gelungen, Fahrenschon musste sich „Führungsschwäche“ vorwerfen lassen. Vor kurzem aber hat Fahrenschon bekanntgegeben, er wolle sich für eine zweite Amtszeit als Sparkassenpräsident ab 2018 bewerben. Eine straffere Gremienstruktur in der Sparkassenfinanzgruppe durchzusetzen und mit Leben zu erfüllen, gilt als eines seiner wichtigsten Vorhaben.

          Entscheidungszentrum der Sparkassenfinanzgruppe wird künftig der neue „Hauptkoordinierungsausschuss“. Darin sollen rund 40 Personen alle wichtigen geschäftspolitischen Fragen der Sparkassen-Finanzgruppe erörtern und beschließen. Um die Plätze im Hauptkoordinierungsausschuss wird hart gerungen: Präsidenten regionaler Sparkassenverbände, die wichtigsten Sparkassenvorstände, die Vorstandsvorsitzenden von fünf Landesbanken und der Deka sowie (mit Gaststatus) weitere Verbundunternehmen wie das Rechenzentrum FI und der Sparkassenverlag sollen dazu gehören.

          Die Machtbalance verschiebt sich

          Indem Fahrenschon den Deutschen Sparkassen- und Giroverband als Fach- und Spitzenverband stärken will – ähnlich dem Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken, der sich als strategisches Kompetenzzentrum der genossenschaftlichen Bankengruppe versteht –, verschiebt sich die Machtbalance zwischen DSGV und regionalen Sparkassenverbänden. Die Regionalverbände in der Sparkassengruppe sind viel bedeutender als in der Volksbankengruppe, weil sie in den Gesetzen der Bundesländer verankert sind.

          Letztlich ist der DSGV „nur“ der Verein der Regionalverbände. Deshalb wird erwartet, dass Fahrenschon am Dienstag zwar viel Zustimmung erfahren und einen positiven Beschluss zur neuen Entscheidungsstruktur der Sparkassengruppe erreichen wird. Aber spannend wird sein, wie oft die vom kommenden Jahr an geltenden neuen Entscheidungswege durch Widerstand der Regionalverbände in Einzelfragen blockiert werden.

          Sparkasse vor Ort bleibt im Mittelpunkt

          Will Fahrenschon 2018 wiedergewählt werden, muss der Sparkassenpräsident darauf achten, dass die Vorstände der 409 Sparkassen trotz forciertem Tempo und schlankeren Gremien weiterhin den Eindruck haben, Entscheidungen in der Sparkassen-Finanzgruppe fielen „demokratisch“. Auch bleibt jede einzelne Sparkasse vor Ort für ihr Geschäft verantwortlich. Deshalb ist das Ziel, mit der neuen Struktur über die gesamte Finanzgruppe hinweg 10 Prozent der Kosten einzusparen, vorsichtig als „Untergrenze“ formuliert.

          Fahrenschon ist grundsätzlich wichtig: „Die Sparkasse vor Ort muss entscheiden können, was sie zentral nimmt und was sie lieber selbst macht.“ Der Sparkassenpräsident wollte sich vor der Abstimmung am Dienstag nicht zur neuen Struktur äußern, stellt aber gegenüber der F.A.Z. klar: „Wir sind kein Konzern und wollen auch keiner werden. Aber die Einsicht in der Sparkassengruppe wächst, dass wir zügiger und verbindlicher zu Entscheidungen kommen müssen.“

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