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Sparen : Negativzinsen vom ersten Euro an

„Diese Zinsen sind für die Banken, nicht für die Leute“, hatte der frühere EZB-Präsident Mario Draghi gesagt, als er 2014 die Negativzinsen der Notenbank einführte. Das niedrige Zinsniveau insgesamt hat er allerdings nicht erfunden. Bild: Reuters

So, nun ist es raus: Die ersten Banken verlangen Negativzinsen auf dem Tagesgeldkonto vom ersten Euro an. Vorbei die nette Zeit, als zumindest noch eine Grenze von 100.000 Euro von allen eingehalten wurde.

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          Die ersten Banken haben mittlerweile Negativzinsen für Spareinlagen eingeführt, bei denen es keinen Freibetrag mehr gibt. Am Dienstag sorgte die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck mit einer solchen Regelung für Schlagzeilen. Bankenprofessor Hans-Peter Burghof ließ sich in der „Bild“-Zeitung zitieren: „Erwägen werden das im Moment alle.“ Das Internetportal Verivox berichtet zudem über die Volksbank Magdeburg, die zum Monatsanfang einen Negativzins eingeführt habe, der bereits von 75.000 Euro an auf dem Tagesgeldkonto gelte, also gleichfalls unterhalb der bislang bei mehreren Banken üblichen 100.000 Euro. Das Vergleichsportal Biallo berichtet zudem, es gebe mittlerweile drei Banken, die „vom ersten Euro an zulangen“ – darunter Fürstenfeldbruck.

          Der Bankvorstand differenziert

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auf Anfrage sagte Robert Fedinger, Vorstand der Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck, der F.A.Z.: „Wir wollen mit der neuen Regelung vermeiden, dass Menschen, die bei uns keine Kunden sind und bei ihrer Bank Negativzinsen zahlen müssen, große Beträge zu uns transferieren.“ Bestandkunden könnten bei der Bank weiter Einlagen in unbegrenzter Höhe halten und müssten keinen Cent Negativzinsen zahlen. Auch an Neukunden sei man weiter interessiert. Wenn die eine Baufinanzierung bei ihnen abschließen, ihre Altersvorsorge regeln oder ein Girokonto eröffnen wollten, sollten die auch nicht von den neuen Negativzinsen getroffen werden. Anders sei es bei Nichtkunden. Wer große Einlagen zu ihnen transferieren wolle, ohne auch sonst Geschäft mit der Bank zu machen, den sollten die Negativzinsen auf dem Tagesgeldkonto vom ersten Euro an treffen. Und damit solche Kunden dann nicht einfach ein Girokonto eröffneten, habe man für neue Girokonten eine Grenze von 20.000 Euro an eingeführt, von der an auch Negativzinsen verlangt würden. Getroffen habe man die Entscheidung nach der EZB-Zinssenkung im September, die Auslöser dafür gewesen sei, dass Nichtkunden zu ihnen Einlagen in Millionenhöhe hätten verschieben wollen, sagte Fedinger: „Wir verlangen Negativzinsen von Nicht-Kunden, um die Kunden davon freihalten zu können.“

          „Wir machen das nicht, um Geld damit zu verdienen“

          Auch bei der Volksbank Magdeburg hieß es, mit der Grenze von 75.000 Euro für Negativzinsen sei es etwas komplizierter, als es auf Anhieb scheine. Man habe eine Grenze von 100.000 Euro je Kunde einführen wollen, und das so verteilt, dass 75.000 Euro fürs Tagesgeldkonto gelten und 25.000 Euro fürs Girokonto. Vorstandsvorsitzender Uwe Fabig sagte, bisher habe seine Bank „nur in ganz wenigen Einzelfällen“ Negativzinsen auf Einlagen berechnet.

          Die Zinssenkung der EZB habe aber zur Folge, dass die Volksbank die Liquiditätshaltung ihrer eigenen Mittel optimieren müsse: „Mit der Weitergabe der Negativzinsen an einzelne Kunden wollen wir kein Geld verdienen – durch die Geldpolitik der EZB wurden jedoch Bedingungen geschaffen, die uns nun zu umfangreicherem Handeln zwingen.“ Es sei nicht im Interesse der Bank, Negativzinsen an ihre klassischen Sparer weiterzugeben: „Ausschließlich mit Kunden, die größere Geldeinlagen von 100.000 Euro an in unserer Bank haben, müssen wir über Negativzinsen sprechen.“

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