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Angst vor Finanzkrise : Wie schlimm sind die Schulden chinesischer Firmen?

In China beginnt das Jahr des Hundes im Vorzeichen einer Finanzkrise. Bild: Reuters

In China geraten immer mehr Konglomerate in Bedrängnis. Ist das der Vorbote einer neuen Finanzkrise? Auf Staatskonzernen lasten sogar noch mehr Schulden. Ausgerechnet in Hongkong zeigen sich Anleger betont gelassen.

          Februar. Bergleute leben gefährlich. Kohlegruben können einstürzen, oder es kann dazu kommen, dass darin nicht mehr genug Sauerstoff vorhanden ist. Um das rechtzeitig festzustellen, hat man im Ruhrgebiet früher Käfige mit Kanarienvögeln aufgestellt. Wenn die tot umgefallen waren, war es für die Bergleute höchste Zeit, den Stollen zu verlassen. Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank, hat jetzt das Bild vom Kanarienvogel auf die Anleger an der Börse übertragen. Die Pessimisten unter ihnen fragten sich, ob das undurchsichtige und hochverschuldete chinesische Konglomerat HNA, das als Großaktionär der Deutschen Bank derzeit im Fokus vieler westlicher Anleger steht, so etwas wie der Kanarienvogel für die insgesamt gefährlich hohe Verschuldung der chinesischen Unternehmen sein könnte, hat Hürkamp beobachtet.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Tatsächlich spricht der Preis, den Anleger verlangen, wenn sie eine im Dezember 2019 fällige Anleihe von HNA kaufen, eine deutliche Sprache. Die Rendite und damit der Preis dieser HNA-Anleihe ist, wie mehrfach berichtet, seit November von weniger als 6 auf in der Spitze mehr als 14 Prozent geklettert. In diesem Jahr hat sich die Rendite in wenigen Tagen verdoppelt, ein starkes Misstrauenssignal.

          Wegen des Kapitalbedarfs hat HNA seine Beteiligung an der Deutschen Bank mittlerweile mehrfach reduziert, zuletzt am Freitag auf nunmehr nur noch 8,8 von einst 9,9 Prozent. Eine weitere Reduzierung der Beteiligung sei aber nicht vorgesehen. HNA hatte in den zurückliegenden Jahren für rund 50 Milliarden Dollar in aller Welt Beteiligungen und Immobilien erworben und diese über Fremdmittel finanziert. Zuletzt hatte die Unternehmensführung selbst vor einem Liquiditätsengpass gewarnt.

          Die Ratingagentur "Standard & Poor's" hat ihre Bonitätsnote erst in dieser Woche mit "CCC+" auf ein sehr niedriges Niveau gesenkt. HNA hingegen bezeichnete die Finanzlage als "sehr  gesund" und bezifferte die Summe aller vorhandenen Vermögenswerte auf umgerechnet 190 Milliarden Euro. Laut einem Anleihenverkaufsprospekt sitzt HNA auf einem Schuldenberg von rund 100 Milliarden Dollar.

          Commerzbank-Stratege Hürkamp hat vernommen: Manche Anleger vergleichen HNA sogar schon mit der amerikanischen Bank Lehman, die im Herbst 2008 insolvent ging und damit die größte Finanzkrise seit achtzig Jahren auslöste. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass HNA der Kanarienvogel und damit so etwas wie der Vorbote für große Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten ist?

          Pessimisten verweisen auf hohe Verschuldung

          Die Pessimisten verweisen darauf, dass sich die chinesischen Unternehmen insgesamt deutlich verschuldet haben. Die Commerzbank zeigt eine Grafik, basierend auf Daten der chinesischen Notenbank Peoples Bank of China, wonach die Verschuldung der chinesischen Unternehmen seit 2007 enorm angestiegen ist: 2007 machten die Schulden der chinesischen Unternehmen erst 90 Prozent der volkswirtschaftlichen Jahresleistung (BIP) aus, 2017 standen sie für 170 Prozent. Das wirkt umso bedrohlicher, wenn man weiß, dass das chinesische BIP jährlich immerhin um rund 7 Prozent gewachsen ist.

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