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Anbieterwechsel : Sollten Sie Ihre Kfz-Versicherung jetzt noch kündigen?

Schadensmeldung nach einem Zusammenstoß (Symbolbild) Bild: obs

Der 30. November ist ein wichtiger Stichtag für Autofahrer. Bis dahin muss handeln, wer seine alte Police kündigen will. Prüfen Sie hier, ob sich das lohnt.

          3 Min.

          Der Wechsel einer Autoversicherung kann sich lohnen, darüber kann es keinen Zweifel geben. Die Verheißungen einer Kündigung zum 30. November haben aber zum Teil den Charakter von Black-Friday-Rabattaktionen. In der Werbung waren in den vergangenen Jahren häufiger leicht bekleidete Damen zu sehen, die in irgendeiner Form von den Vorteilen eines Tarifwechsels schwärmten.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Sehr viele Werbetreibende agierten als Trittbrettfahrer eines Wettlaufs um Kunden, der durch die zahllosen zufällig am 31. Dezember endenden Verträge begründet ist. Denn wollen die Kunden rechtzeitig den auslaufenden und sich zum 1. Januar automatisch erneuernden Vertrag beenden, muss am 30. November die schriftliche Kündigung beim Versicherer eingegangen sein.

          Warum lohnt sich ein Wechsel?

          Viele Kunden schließen einmal eine Police ab und lassen sie dann liegen, bis irgendwann einmal etwas passiert, das einen Anspruch auf eine Dienstleistung oder Zahlung aus dem Vertrag begründet. Über die Jahre haben sich aber die Versicherungsbedingungen geändert (meist verbessert) und sind Konkurrenzangebote günstiger geworden. Marktanalytiker haben dazu in den vergangenen Jahren horrende Beträge errechnet, die sich theoretisch einsparen lassen. Ein simpler Vergleich zwischen zwei Anbietern in einer abgeschlossenen Gruppe von Verbrauchern hilft aber nicht immer weiter. Denn zum Teil sind Mondpreise in der Versicherungswirtschaft Ausdruck davon, dass eine Gesellschaft bestimmte Kundengruppen wegen ihres Risikoprofils bewusst nicht aufnehmen will. Gerade junge Fahrer sind bekannt dafür, dass sie häufiger Unfälle verursachen und müssen deshalb höhere Beiträge zahlen. Davon abgesehen kann sich ein Vergleich aber dennoch lohnen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Einsparpotentiale man selbst hat.

          Wie nützlich sind Vergleichsportale?

          Onlinemakler wie Check24 und Verivox haben mit ihren großen Vergleichsrechnern einen Wettbewerbsvorteil errungen und sind die größten Gewinner des Tarifwechselgeschäfts. Sie bieten eine relativ umfassende Marktübersicht, auch wenn sich einige wichtige Anbieter ihrem Vergleich entzogen haben. Wie zuverlässig die Daten sind, wird in der Branche heiß diskutiert. Eine gute Annäherung an das Angebot und die günstigsten Anbieter liefern sie allerdings sicherlich schon. Umfassender sind die Datenbanken von Branchendienstleistern wie Nafi, die von vielen Maklern genutzt werden. Wichtig ist zu beachten, dass die Anbieter von Vergleichsrechnern den Status als Onlinemakler haben. Das heißt, sie suchen im Auftrag des Kunden den bestgeeigneten Versicherungsschutz. Wird man bei ihnen Kunde, so geben sie auch kontinuierlich Ratschläge – etwa, wenn im nächsten Jahr wieder die Entscheidung zum Wechsel ansteht. Damit unterscheidet sich ihre Aufgabe aber nicht von traditionellen Maklern, die ebenfalls im Auftrag des Kunden das jeweils beste Angebot heraussuchen. Anders sieht es dagegen mit Vertretern aus, die Policen im Auftrag eines Versicherers verkaufen und dadurch auch nicht die Pflicht haben, Tarife kontinuierlich zu optimieren. Davon abgesehen können Wechselwillige aber auch Angebote direkt bei einem Direktversicherer im Internet in Augenschein nehmen.

          Muss es immer billig sein?

          Tarifhopper, die aus jedem Vertrag den letzten Cent ausquetschen, müssen sich auf viele Dinge gefasst machen, die ihnen diese Taktik durchkreuzen können. Zum Beispiel kann ein Versicherer insolvent gehen, weil er zu schwach kapitalisiert ist. Das passiert sehr günstigen Anbietern eher als solide wirtschaftenden. Der niederländische Kfz-Versicherer Ineas tauchte jahrelang in den Bestenlisten von Stiftung Warentest und in den Empfehlungen der Verbraucherzentralen auf, bis er zahlungsunfähig wurde. Insofern sollte ein Blick immer auch auf die Finanzstärke eines Anbieters gelenkt werden. Ansonsten sollte man sich genau überlegen, auf welche Tarifbestandteile man verzichten kann.

          Anhaltspunkte dafür gibt die Ratingsystematik des Analysehauses Franke und Bornberg, das einige Kriterien für die Qualität einer Police benennt. Dazu gehört eine ausreichende Deckung für selbst verursachte Personenschäden. In der Kaskoversicherung zählen Zusammenstöße mit allen Arten von Tieren, die Schadenzahlung auf Basis des Neuwagenwerts und der Einschluss aller Elementargefahren dazu.

          Kann man auch beim eigenen Versicherer noch etwas erreichen?

          Langjährige Vertragsbeziehungen sind in der Wirtschaft selten ein Nachteil. Gerade auch ein eingespieltes Verhältnis zum eigenen Vermittler, der immerhin im Falle eines schweren Unfalls 24 von 24 Stunden lang der erste Ansprechpartner in der Not sein dürfte, kann von Nutzen sein. Man muss sich überlegen, ob man das aufs Spiel setzt, um in einem schnellen Policenvergleich noch einen etwas günstigeren Tarif zu finden. Aber natürlich kann man seinen Vermittler jederzeit (und auch noch am letzten Tag der Wechselfrist) darauf ansprechen, ob er den eigenen Tarif optimieren kann. Das kann man sich auch für kommendes Jahr noch vornehmen, da an diesem Samstag die Vermittler vielleicht auch noch etwas anderes zu tun haben. Dann kann man es sich auf Wiedervorlage hinlegen.

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